Funkstille in Funkenhausen nach Blitz

Kein Anschluss unter dieser Nummer: Daniel Zielke.
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Kein Anschluss unter dieser Nummer: Daniel Zielke.

Seit acht Wochen sind die Anwohner ohne Telefon und Internet.

Von Heike Karsten

Hückeswagen. Den ohrenbetäubenden Knall in der Nacht werden die Anwohner von Funkenhausen so schnell nicht vergessen. Es war der 5. August gegen 5.15 Uhr. „Wir standen im Bett, so hat das geknallt. Ich wusste gleich, dass irgendwas nicht stimmt“, erzählt Daniel Zielke vom nächsten Schock. Draußen stand ein Teil der Wiese in Brand. Der Blitz hatte in einen Strommasten eingeschlagen, der den elektrischen Zaun der Weide mit Strom versorgt. Der Holzmast war gespalten, der Draht vom Zaun über eine Länge von 50 Meter weggeschmolzen. Anwohner Ernst Wüster konnte den Brand schnell löschen. Doch die Probleme nahmen damit erst ihren Anfang.

Der Blitz hat viele elektrische Geräte in Funkenhausen zerstört, darunter drei Fernseher, den Motor des Garagentors, das Weidezaungerät, die Telefonanlage und die Heizung. „Bis jetzt ist ein Schaden von etwa 10.000 Euro entstanden“, berichtet Mehrnaz Hejabizadehha-Zielke. „Als erstes mussten wir den Zaun reparieren, damit die Kühe nicht ausbrechen“, erinnert sich Ehemann Daniel Zielke. Durch die aktuellen Lieferschwierigkeiten musste die Familie Wüster lange Zeit ohne Heizung und Warmwasser auskommen. Telekom und Internet funktionieren bis heute nicht.

Die Familien in Funkenhausen, die Kunden von 1&1 und der Telekom sind, haben bereits eine fast achtwöchige Odyssee hinter sich. Immer wieder werden sie vertröstet oder von Telekom-Mitarbeitern besucht, die wieder ratlos und unverrichteter Dinge abziehen. „Größere Maßnahmen zur Entstörung notwendig“, steht im Protokoll.

„Ich habe mittlerweile 25-mal mit 1&1 telefoniert“, berichtet Zielke. Der Anbieter nutzt die Glasfaser-Leitung der Telekom. „Einmal kam ein Telekom-Mitarbeiter mit zwei Kollegen eines Subunternehmens, die sagten, sie würden den Schaden heute beheben“, sagt Mehrnaz Hejabizadehha-Zielke. Im Endeffekt wurden zwei Kabel gekappt und eine neue Dose angebracht – ohne jeglichen Erfolg. Später hieß es, die Oberleitung müsse erneuert werden. Bei weiteren Messungen wurden Probleme am unterirdischen Kabel festgestellt. „Wir sollten dann Auskunft darüber geben, wo die Knotenpunkte sind, über welche Grundstücke die Kabel laufen und wer die Besitzer sind“, berichtet Daniel Zielke kopfschüttelnd.

Immer wieder wurden angekündigte Vor-Ort-Termine abgesagt oder verschoben, wodurch unnötige Wartezeiten für die Anwohner entstanden sind – von der Zeit in der telefonischen Warteschleife ganz zu schweigen. „Jedes Mal müssen wir den Sachverhalt wieder von vorne erklären. Am Anfang fanden wir das noch lustig, mittlerweile ist es nur noch nervig“, fügt Zielke hinzu, der während seiner Rufbereitschaft auf das Telefon angewiesen ist. Auf die Mobilfunkqualität in der Senke von Funkenhausen ist jedoch nicht immer Verlass.

Die Hinhaltetaktik der Telekom empfinden die Betroffenen nach fast acht Wochen schon als unverschämt. „Wir haben das Gefühl, dass die Mitarbeiter nur rausgeschickt werden, um den Kunden bei Laune zu halten, aber nichts passiert“, sagt Zielke, der, wie auch die anderen vier Parteien, die in Funkenhausen leben, mittlerweile sehr enttäuscht ist. Es laufen schon interne Wetten, wann und ob die Telefonleitung überhaupt noch in diesem Jahr wieder funktionieren wird.

Am Dienstag wurde schließlich ein Teil der Oberleitung ausgewechselt. „Ob jedoch die Leitung damit vollumfänglich instandgesetzt werden kann, steht noch nicht fest“, schreibt die Telekom auf Anfrage unserer Redaktion. Laut Aussage des Technikerteams vor Ort soll zeitnah ein weiteres Team auch die unterirdische Leitung reparieren. Die Funkenhausener schöpfen jedenfalls nun wieder Hoffnung, dass die wochenlange Funkstille vielleicht doch bald ein Ende nehmen wird.

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