Hobby

Flipperautomaten sind seine Leidenschaft

Der Hückeswagener Jan Bargen hat eine beeindruckende Flipperautomaten-Sammlung. Auch seinem fünfjährigen Sohn gefällt das Spiel schon richtig gut.
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Der Hückeswagener Jan Bargen hat eine beeindruckende Flipperautomaten-Sammlung. Auch seinem fünfjährigen Sohn gefällt das Spiel schon richtig gut.

Bastler Jan Bargen hat mehr als zehn blinkende Geräte in Kleinarbeit restauriert.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen. Wohl jeder, der irgendwie im zeitlichen Dunstkreis der 80er oder 90er Jahre jugendlich gewesen ist, kennt und liebt die blinkenden Spielautomaten, die es zu dieser Zeit in jeder Kneipe, in Jugendzentren oder natürlich in Spielhallen gegeben hat: Flipper.

Jan Bargen aus Hückeswagen hat an der Peterstraße nicht nur ein Garagentor mit dem DeLorean aus dem Filmklassiker „Zurück in die Zukunft“ realisiert – er ist als gerade 40-Jähriger auch ein Kind eben jener Hoch-Zeit der Flipper und anderen Spielautomaten. Außerdem ist der gelernte Maschinenbauingenieur ein sichtlich begnadeter Bastler mit einer ausgeprägten Flipper-Leidenschaft. Einen ganzen Raum mit mehr als zehn der knallbunten und blinkenden Geräte hat der Hückeswagener – eine echte Spielhalle in klein sozusagen.

Vor etwa acht Jahren hat er mit seiner Sammlung angefangen. „Ich habe damals meine neue Stelle in Wermelskirchen angetreten. Mein Chef hatte eine alte Spielhalle, die er dann aufgesperrt hat – darin standen jede Menge alter Flipper. Er hat dann gesagt, dass ich mir einen aussuchen dürfte. Ja, und damit hat alles angefangen“, sagt Bargen und schmunzelt.

Das Gerät, ein „Solar Ride“ aus den späten 1970ern, hat der Hückeswagener liebevoll wiederaufbereitet. „Das ist dann ja schon beinahe ein Möbelstück“, sagt der 40-Jährige. Die goldene Flipper-Ära lasse sich grob in drei Abschnitte unterteilen. „Bis Ende der 70er waren die Geräte vollmechanisch mit Hunderten von Relais. Bis etwa 1990 waren die Flipper halbelektrisch und ab dann vollelektrisch“, sagt Bargen.

Ende der 90er sei die Zeit der Kneipenflipper endgültig vorbei gewesen. „Es gibt auch heute noch neue Flipper – die sind aber ausschließlich für den Hausgebrauch gedacht“, sagt der Hückeswagener. Letztlich seien Flipper für Kneipen einfach nicht mehr rentabel genug gewesen. „Wegen der komplexen Mechanik und Elektrik sind sie natürlich anfällig. Man konnte sie schon fast als Wegwerfobjekte bezeichnen – nach drei Jahren waren die Automaten praktisch kaputt“, sagt Bargen.

Den ersten Flipper, besagten „Solar Ride“, hat Bargen noch zu Hause aufgestellt. Sein zweiter Flipper stammt ebenfalls aus den 1970ern. „Das ist der ‚Mata Hari‘ von 1977. Den richte ich gerade her“, sagt der 40-Jährige. Mit diesem Gerät sei seine Sammelleidenschaft geweckt worden, sagt er und lacht. Dieser Flipper, von dem aktuell gerade nur das Gehäuse im Flipper-Raum steht, sei „komplett heruntergerockt“ gewesen, sagt Bargen.

Wie viel Arbeit und Technik in den Geräten steckt, wird deutlich, als er einen der Flipper öffnet. Der „Terminator 2“, der zum Film-Hit mit Arnold Schwarzenegger erschienen ist, blinkt wild vor sich hin, auch wenn er nicht gespielt wird. Bargen nimmt die Glasplatte heraus, öffnet die Platte mit dem Münzeinwurfschacht und klappt das Spielfeld hoch. Sichtbar wird eine schnöde Sperrholzplatte – kein Vergleich zum liebevoll gestalteten oberen Bereich mit seinen Zeichnungen, blinkenden Lichtern und zahllosen Details.

Was dafür unterhalb zu sehen ist: Kabel, Lötstellen, Anschlüsse – und das in Massen. „Man muss geduldig sein, manchmal muss ich die Arbeit auch weglegen“, sagt Bargen. Für die komplette Restaurierung eines alten Flippers veranschlage er etwa ein Jahr. Kein Wunder, möchte man angesichts der technischen Komplexität da sagen. Die Hälfte der mehr als zehn Flipper sei zumindest grundsätzlich spielbar gewesen, als Bargen sie bekommen habe. „Aber ich will die Maschinen natürlich auch in einem schönen Zustand haben“, sagt der Hückeswagener. Im Wohnzimmer stehen sie allerdings nicht mehr, sagt er und lacht. „Das hat meine Frau mir dann schon gesagt, als es immer mehr wurden.

„Ich will die Maschinen in einem schönen Zustand haben.“

Jan Bargen

Und mehr als die, die es jetzt sind, dürfen es auch nicht mehr werden – da hat sie ihr Veto eingelegt“, sagt der 40-Jährige. Deswegen hat er die Flipper nun in einem mit vielen Lichtern und einer aufwendig gestalteten Decke ausgestatteten Raum aufgestellt – eine eigene kleine Spielhalle eben. „Wir machen hier einmal im Monat einen gemütlichen Spieleabend mit Freunden. Und da merke er dann auch, dass die Flipper eben wirklich sensible Geräte seien. „Irgendwas ist nach so einem Abend immer kaputt und muss repariert werden“, sagt Bargen. Gut, dass er da schon Übung hat.

Bargens Frau sei dann auch immer wieder mit dabei – sie spiele gerne auf dem Flipper „White Water“. Er selbst spiele besonders gerne „Tales Of Arabina Nights“ und auch „White Water“. Es seien allerdings eher die älteren Geräte, die ihm liegen würden. „Die modernen, also auch die ganz neuen Flipper, sind nicht so meins“, sagt der Hückeswagener.

Genau genommen sind Flipper auch aus einem anderen Grund als der Liebhaberei Sammelobjekte – ihre Seltenheit. „Ich habe hier sowohl solche, die große Auflagen hatten – etwa der ‚Indiana Jones‘. Aber der ‚Orbitor 1‘ ist sehr selten, davon gab es nur 982 Stück“, sagt Bargen. Was auch an der ungewöhnlichen Form liegen mag – sind die Spielfelder normalerweise eben und zweidimensional, ist das beim „Orbitor 1“ anders. „Hier ist die Spielfläche dreidimensional, womit eine schwerelose Kugel simuliert werden soll“, sagt Bargen.

Auch seinem Sohn gefällt das Spiel mit den Kugeln übrigens richtig gut. „Er ist gerade mal fünf Jahre alt – und vermutlich der Einzige in seiner Kita, der sich mit Flippern auskennt“, sagt der 40-Jährige und lacht. Um spielen zu können, muss der Sohnemann auf einen Hocker steigen. „Er hat aber schon mit drei Jahren Interesse gehabt“, sagt Bargen. Früh übt sich. . .

Geschichte

Erfunden wurden die typischen Flipperhebel von Harry Mabs 1947. Er arbeitete beim späteren Flipper-Hersteller Gottlieb – neben Williams Weltmarktführer. Ab 1950 dominierten die US-Unternehmen den Markt. Nach Deutschland kamen die Geräte ab 1958 in nennenswerter Zahl.

Williams und Gottlieb sind schon lange pleitegegangen, heute gibt es noch zwei Unternehmen, die Flipper produzieren: Stern Pinball und Jersey Jack Pinball.

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