Bruthaus

Firma bietet Rauchschwalben ein Zuhause

Auf dem Gelände der Andreas Wasserfuhr GmbH entsteht ein Bruthaus für Rauchschwalben. Foto: Andreas Wasserfuhr
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Auf dem Gelände der Andreas Wasserfuhr GmbH entsteht ein Bruthaus für Rauchschwalben.

Im Industriegebiet Kobeshofen hat die Andreas Wasserfuhr GmbH ein Bruthaus gebaut

Stephanie Licciardi

Hückeswagen. Das leise Wid-wid-wid seiner gefiederten Kollegen vermisse er schon, gibt Geschäftsführer Andreas Wasserfuhr schmunzelnd zu. In der weitläufigen Produktionshalle der Andreas Wasserfuhr GmbH an der Stahlschmidtsbrücke 17, wo Tag für Tag die bekannte Hückeswagener Kurbelwelle und andere Metallprodukte hergestellt werden, fehle der zwitschernde Soundtrack der Rauchschwalben, die seit Jahren zum Interieur gehören. „Die Rauchschwalben haben schon immer hier gewohnt“, erzählt Andreas Wasserfuhr.

Warum sich die Tiere in der alten Produktionshalle ansiedeln, kann sich der Geschäftsführer nicht ganz erklären. „Ich mutmaße, dass die natürlichen Begebenheiten, die Nähe zum Wasser und die Umgebung, eine Rolle spielen.“ Rund 250 Vögel, so schätzt er, nutzten in den Sommermonaten die Halle als zu Hause. Das sei allerdings zum Problem geworden, denn die jährlich rund 20 bis 30 Rauchschwalbenpaare ziehen dort nicht nur ihren Nachwuchs groß, der auch die ersten Flugversuche unter den Augen der Mitarbeiter wagt, sondern sorgen mit ihren Hinterlassenschaften für viel Ärger. Denn der Vogelkot verunreinigt nicht nur Maschinen und Produktionsstätten, sondern auch die wertvollen Bauteile. „Eine Lösung musste also dringend her“, so Wasserfuhr.

„Neben Nistkästen hat Ornithologin Anja Greins einige der Nester aus der Halle im Holzbau installiert.“

Andreas Wasserfuhr, Geschäftsführer
Geschäftsführer Andreas Wasserfuhr ist froh darüber, dass seine gefiederten Freunde nun eine neue Heimat haben.

Die Fenster und Schlupflöcher zuzunageln, das hätte er nicht übers Herz gebracht. Und vertreiben wollte er die gefiederten Freunde auch nicht. Mit der Ornithologin Anja Greins vom Nabu-Stadtverband Remscheid entwickelte die Firma Wasserfuhr die Idee eines Bruthauses. Rund ein Jahr hätten Recherchen, Absprachen mit der Naturschutzbehörde des Oberbergischen Kreises und der Stadt Hückeswagen in Anspruch genommen. Die Lösung für eine neue Heimstätte fand die Firma mit dem patentgeschützten Rauchschwalbenbrutersatz von Yvonne Schuldes vom Nabu-Regionalverband Oranienburg.

„Wir haben lange überlegt, welcher Standort auf unserem Grundstück für ein Bruthaus am besten geeignet sei“, berichtet Geschäftsführer Wasserfuhr. Schnell sei klar gewesen, dass der beste Standort direkt an der alten Halle sei. Der Geschäftsführer hätte sich eine „lösungsorientierte Begleitbezuschussung“ durch die Stadt im Nachhinein gewünscht. Denn der Bau ist nicht nur genehmigungspflichtig, sondern auch kostenintensiv. Rund 20 000 Euro habe das hölzerne Gestell, dessen Dach noch begrünt wird, gekostet.

Über den Standort ist Wasserfuhr dennoch zufrieden. Futter und alles Nötige für den Nestbau finden die Tiere in der Umgebung, denn die „hirundo rustico“, so die lateinische Bezeichnung der Zugvögel, siedeln sich nicht nur gern nahe am Menschen an, sondern jagen vorwiegend Fluginsekten. Das fiel auch der Belegschaft der Firma auf. „Dass den Tieren der ganze Produktionslärm, die Fette und Öle nichts ausmachen und sie zwei- bis dreimal im Jahr ihren Nachwuchs aufziehen und auch bei größtem Lärm auf den Leitungen sitzenbleiben, ist schon beeindruckend“, sagt der Geschäftsführer.

Nun warten alle auf die Rückkehr der Rauchschwalbenpaare. Andreas Wasserfuhr ist optimistisch, dass die gefiederten Freunde die neue Ersatz-Heimstätte gut annehmen werden. „Neben dazugekauften Nistkästen hat Ornithologin Anja Greins einige der Nester aus der Halle im Holzbau installiert. Das sollte die Eingewöhnung und Annahme des neuen Domizils erleichtern“, so seine Hoffnung.

Rauchschwalben

Die rund 19 bis 22 Zentimeter große Rauchschwalbe (lat. Hirundo rustico) lebt vorwiegend in Europa, Asien, Nordafrika und Nordamerika. Die Zugvögel nisten bis zu dreimal jährlich und dulden Menschen in ihrer Nähe. Sie siedeln sich überwiegend in Wohnstätten, aber auch in Produktionshallen und Werkshallen an. Seit 2015 stehen die Vögel auf der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten. Hückeswagen gilt NRW-weit als größter Ansiedlungsraum.

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