Jubiläum

Goldhochzeit: Es hat schon 50 Jahre „einfach gepasst“

Ingrid und Werner Heinemann auf der Terrasse ihrer Dachgeschosswohnung. In ihrer Kindheit waren sie Nachbarn.
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Ingrid und Werner Heinemann auf der Terrasse ihrer Dachgeschosswohnung. In ihrer Kindheit waren sie Nachbarn.

Noch vor der offiziellen Volljährigkeit hatten sich Ingrid und Werner Heinemann das Ja-Wort gegeben.

Von Heike Karsten

Hückeswagen/Remscheid. Die Vertrautheit zwischen Werner Heinemann (70) und seiner Ehefrau Ingrid (67) ist offensichtlich. Immerhin kennen sich die Remscheider bereits seit ihrer Kindheit und haben schon in jungen Jahren geheiratet – da war der Bräutigam gerade 20 und die Braut 17 Jahre alt. Am 19. Mai 1972 traten sie in der evangelischen Kirche Lüttringhausen vor den Traualtar. Seit sieben Jahren wohnt das Paar in Hückeswagen und blickt morgen, Donnerstag, auf 50 glückliche Ehejahre zurück. Die Goldhochzeit soll jedoch erst im Herbst gefeiert werden, „wenn alle wieder aus dem Urlaub zurück sind“, kündigt Ingrid Heinemann an.

In ihrer Remscheider Heimat waren Werner Heinemann und Ingrid Schimmer, wie sie damals noch hieß, Nachbarn. „Wir sind 1965 nach Klausen gezogen“, berichtet die Jubilarin. Da waren die Nachbarskinder gerade einmal zehn und 13 Jahre alt. Fast könnte man ihre Beziehung noch als Sandkastenliebe bezeichnen, doch die Teenager hatten damals schon andere Sachen im Kopf. „Ich habe abends immer vor ihrer Tür gestanden, und dann haben wir geredet“, erinnert sich der 70-Jährige.

1970 wurde aus der Freundschaft eine feste Beziehung, ein Jahr später folgte die Verlobung. „Wir sind nach Österreich in den Urlaub gefahren, und der Wirt wollte uns zuerst kein Zimmer geben, weil wir noch nicht verheiratet waren“, berichtet Werner Heinemann. Dem Paar war spätestens da klar, dass es heiraten wollte. „Es hat einfach gepasst“, sagen beide. „Mir hat besonders ihre Figur gefallen“, schwärmt der Jubilar von seiner immer noch schlanken Frau. Werner Heinemann kam hingegen mit seinen damaligen roten Haaren besonders gut bei der zukünftigen Schwiegermutter an. „,Den Jungen hätte ich auch gerne‘, hat meine Mutter immer gesagt“, erzählt Ingrid Heinemann.

Die Hochzeit wurde im Kleingartenverein an der Klauser Delle gefeiert, wo die Eltern des Brautpaars ihre Schrebergärten hatten. Da Werner Heinemann 1972 mit seinen 20 Jahren damals noch nicht volljährig war, brauchte er zum Heiraten eine Bescheinigung vom Jugendamt und musste eine eigene Wohnung nachweisen. „Ich hatte Maler und Anstreicher gelernt und meine erste Wohnung selbst renoviert und eingerichtet“, berichtet der heute 70-Jährige. Die Braut benötigte für die Hochzeit die Einwilligung ihrer Eltern. „Alle dachten, ich sei schwanger. Das war ich aber nicht“, fügt Ingrid Heinemann hinzu.

Geheiratet haben Ingrid und Werner Heinemann am 19. Mai 1972 in Lüttringhausen.

Der älteste Sohn Andreas kam im September 1973, der jüngere Sohn Marco im Juli 1975 zur Welt. Mehrfach war die Familie innerhalb von Remscheid umgezogen. Werner Heinemann fand eine Stelle in der Wäscherei des Krankenhauses an der Burger Straße. Später arbeitete er dort in der Malerabteilung und zuletzt als Hausmeister im Hotel Berliner Hof am Mollplatz.

Seine handwerkliche Begabung kommt dem Ruheständler noch heute zugute. „Ich helfe meinen Söhnen bei allen Arbeiten an ihren Häusern und im Garten“, sagt der Jubilar, der unter anderem eine große Terrasse für die Dachgeschosswohnung gebaut hat. Auch Ingrid Heinemann hat nach der Ausbildung zur Verkäuferin fast durchgängig gearbeitet, zuletzt 20 Jahre lang in der Kommissionierung der Firma Lux. 2015 ist das Paar nach Hückeswagen ins Haus des ältesten Sohnes auf dem Dierl gezogen. Das war zunächst eine Umstellung. „Wir haben zwar schon immer ruhig gewohnt, aber hier ist der Weg zum Bäcker doch sehr weit“, sagt Werner Heinemann und lacht.

Ein Schicksalsschlag war der frühe Tod von Ingrid Heinemanns Bruder mit gerade einmal 45 Jahren. Er war das jüngste von sechs Geschwistern. Nach dem frühen Tod der Eltern in den 80er-Jahren hatten Ingrid und Werner Heinemann den damals Zwölfjährigen bei sich aufgenommen.

Gerne denkt das Goldhochzeitspaar an schöne Urlaubsreisen nach Spanien, Österreich, Fehmarn oder in den Schwarzwald zurück. 18 Jahre fuhr das Paar im Urlaub zu Onkel und Tante von Werner Heinemann nach Zittau im Landkreis Görlitz nahe der polnischen Grenze, um dort bei Arbeiten am Haus zu helfen. „Das war eine schöne Zeit“, sagt Ingrid Heinemann. Seit dem Tod des Onkels lebt die Tante ebenfalls im Haus des Sohnes in Hückeswagen. Auch die Wochenendtouren mit dem ehemaligen Kegelclub bleiben unvergessen. Langeweile kennen die Heinemanns selbst jetzt im Rentenalter nicht. „Es gibt immer was zu tun“, sagt das Paar, dass auch filigrane Hobbys wie Modelleisenbahn oder das Herstellen von Porzellanpuppen pflegt. Für die Zukunft wünscht sich das Jubelpaar ein gesundes, langes Leben und noch einige Urlaubsreisen innerhalb von Deutschland. Sein Rezept für eine langjährige, glückliche Ehe lautet: „Viel miteinander reden.“

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