Bürgerbad

Es gibt einen Neubau oder einen Umbau

Die Dachkonstruktion im Bürgerbad muss erneuert werden. Deutlich sind die Mängel zu erkennen.
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Die Dachkonstruktion im Bürgerbad muss erneuert werden. Deutlich sind die Mängel zu erkennen.

Die Parteien wollen das Bürgerbad erhalten. Eine Machbarkeitsstudie prüft drei Varianten.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Dass das Bürgerbad im Brunsbachtal ein Teil der Schloss-Stadt ist, ist die eine Sache. Dass es ein Fass mit einem immer größer werdenden Loch ist, ist die andere Sache. Das wird gerade immer deutlicher. So geht eine aktuelle Netto-Kostenschätzung für die Sanierung und Instandsetzung des Freizeitbades, das 1974 erbaut wurde und bereits zweimal abgebrannt ist, von 2,7 Millionen Euro aus.

Und damit dürfte das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein. Denn wie Dieter Klewinghaus, Chef des Gebäudemanagements, in der jüngsten Sitzung des Betriebsausschusses die Situation zusammenfasste: „Überall tauchen gerade neue Stellen auf, an denen etwas gemacht werden muss – und die wir vorher noch nicht auf dem Schirm hatten.“ Daher seien die 2,5 bis 3 Millionen Euro, von denen man aktuell ausgehen müsse, vermutlich nicht ausreichen.

Worum geht es konkret? Der Ausgangspunkt der aktuellen Lage war Anfang 2021, denn damals wurde bekannt, dass das Dach des Bürgerbads marode ist. Während des zweiten Lockdowns war das Bad geschlossen, in diesem Zuge hatte eine Routinekontrolle ergeben, dass die Holzbinder der Dachkonstruktion mangelhaft waren. „Wenn das Bad nicht eh schon geschlossen wäre, dann hätten wir es schließen müssen, da die Gefahr zu groß war“, sagte Klewinghaus. Als Nächstes wurde klar, dass der Beton an den Sockeln seine Schutzschicht verloren hatte – mit der Konsequenz, dass diese ebenfalls erneuert werden müssten. Ein Bauantrag musste wegen des großen Umfangs dieser Sanierungsarbeiten gestellt werden. „Normalerweise reicht eine Anzeige, aber hier verlangte die Kreisverwaltung einen Bauantrag“, sagte Klewinghaus.

Welche Rolle spielt der Brandschutz? In diesem Zusammenhang habe auch das Brandschutzkonzept überarbeitet werden müssen. „Hierfür sind einige kleinere baulichen Veränderungen vorgenommen worden. Die Fluchtwegsituation war dagegen weitgehend in Ordnung“, sagte Klewinghaus. Allerdings – und wenn man auf die Kostenübersicht blickt, dann sieht man die Dimension dieses Problems – war der Feuerwiderstand an der tragenden Konstruktion nicht im geforderten Maß gegeben. „30 Minuten muss die Konstruktion dem Feuer widerstehen, so dass Zeit genug ist, das Bad zu verlassen“, sagte Klewinghaus – alleine 400 000 Euro würden die entsprechenden Maßnahmen kosten.

Welche Kosten kommen noch obendrauf? In den bisherigen 2,7 Millionen Euro der Kostenschätzung sind noch nicht die Kosten für eine weitere notwendige Maßnahme enthalten. „Beim Ablassen des Wassers aus den Becken hat sich gezeigt, dass die Fugen bräunlich aussehen. Das ist Rost, der aus der Stahlkonstruktion des Beckens durch den Beton dringt“, sagte Klewinghaus. Das heiße, dass auch hier der Beton seine Schutzwirkung verloren habe. Wie teuer das werde, könne man im Moment noch nicht absehen – aber schlimmstenfalls müssten alle Fliesen abgenommen werden und der Beton komplett saniert werden.

Was sagt der Bürgermeister? Die Sanierung des Bürgerbads ist fraglos eine emotional aufgeladene Sache. Das sah auch Bürgermeister Dietmar Persian so, der, was selten genug vorkommt, eine Art Vorbemerkung vor der eigentlichen Ausschusssitzung abgab. „Mir ist wichtig, über die Sachebene hinaus etwas zum Bad zu sagen. Es ist ein Gebäude, in dem sehr viel Hückeswagen steckt – wir haben ein hohes ehrenamtliches Engagement im Betrieb. Das Bürgerbad ist eben mehr als nur ein Gebäude. Das müssen wir immer im Hinterkopf behalten, wenn wir darüber sprechen“, sagte Persian.

Was sagen die Parteien? Durch die Arbeiten werde zwar das Gebäude wiederinstandgesetzt, aber noch kein Schritt in Richtung energetischer Sanierung gegangen. „Die Kosten sind enorm hoch – wir stecken Millionen Euro in das Gebäude, haben aber keine energetische Verbesserung“, sagte Klewinghaus. Das ließ die CDU- und SPD-Fraktion betonen, „sofort aus der Sanierungsplanung aus- und in eine Neubau-Planung einzusteigen“, sagte Pascal Ullrich (CDU). Es solle ein kleineres Bad geplant werden, denn ein Hallenbad sei für Hückeswagen und seine Menschen enorm wichtig. Utz Geßner von den Grünen brachte eine Abwägung der Kosten für Sanierung oder Neubau ins Spiel. „Wir brauchen ein Bad, das steht außer Frage, wir müssen aber wissen, woher das Geld kommen soll“, sagte er. Klar sei, dass ein Neubau kein Bürgerbad mehr sei, sondern ein rein funktionales Sportbad, betonte an dieser Stelle Persian, der sich davon indes noch nicht überzeugt zeigte.

Gibt es eine Alternative zum Neubau? Einen Gegenvorschlag brachte Thomas Nebgen, ehrenamtlicher Geschäftsführer der Bürgerbad gGmbH, ins Spiel. „Schade, dass es schon wieder um einen Neubau geht – wir haben sehr viel nagelneue Infrastruktur im Bürgerbad: die Dampfgrotte von 2016 oder den Spray-Park von 2021“, sagte er. Seine Idee sei es, nun zu prüfen, ob man das Bad mit einer neuen Hülle versehen könne. „Ein riesiges Flachdach, das den Raum energetisch wesentlich günstiger macht und auf dem man eine großflächige PV-Anlage bauen könnte“, sagte er.

Wie geht es weiter? Allgemeiner Konsens herrschte darüber, das Bad zu erhalten. Im Zuge einer Machbarkeitsstudie sollen jetzt drei Varianten geprüft werden – ein Neubau in klein und funktional, ein Neubau im aktuellen Umfang und eine Erneuerung der Gebäudehülle so, wie Nebgen es vorgeschlagen hat. Dazu werde die Verwaltung sich mit Experten der Deutschen Bädergesellschaft und der Bürgerbad gGmbH zusammensetzen. „Die Ausschreibung für die Studie wird aber genehmigt werden müssen, so dass wir dazu noch mal zusammenkommen werden müssen“, sagte Persian. Der Bürgermeister versprach eine „schnellstmögliche Umsetzung“.

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