Berufskolleg

Erfolg mit innovativem Schulkonzept

Obwohl sie drei Jahre lang Ausbildung und gymnasiale Oberstufe parallel bestreiten, sind die Schüler des Berufskollegs hochmotiviert. Und legen mitunter ihr Abi mit Traumnoten ab. So hatte Anna Zang 2020 ihr Abitur mit der Note 1,1 abgeschlossen.
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Obwohl sie drei Jahre lang Ausbildung und gymnasiale Oberstufe parallel bestreiten, sind die Schüler des Berufskollegs hochmotiviert. Und legen mitunter ihr Abi mit Traumnoten ab. So hatte Anna Zang 2020 ihr Abitur mit der Note 1,1 abgeschlossen.

Am Berufskolleg Hückeswagen werden Berufsausbildung und die Hochschulreife zugleich absolviert.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen. Zwei Visionäre hatten eine Idee. Vermutlich hatten sie damals selbst nicht geahnt, welches Erfolgskonzept sie damit anstoßen würden. Der Ende November 2021 nach langer Krankheit verstorbene Unternehmer Harald Pflitsch und der damalige Bürgermeister der Schloss-Stadt Uwe Ufer „wollten eine besondere Schule“ in Hückeswagen gründen. So hatte es der ehemalige Leiter der Realschule, Dieter Schruff, ausgedrückt, als er sich anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Berufskollegs an die Anfänge erinnerte. Er sei von Ufer gefragt worden, ob er sich vorstellen könne, beim Aufbau der Privatschule bergischer Unternehmer, so der offizielle Name des Berufskollegs im ehemaligen Marienhospital, mitzuhelfen. Schruff hatte zugesagt, weil ihn das Konzept überzeugt habe – und das, obwohl er gerade erst in den Ruhestand gegangen war.

Bis 2019 arbeitete Schruff im pädagogischen Team des Berufskollegs mit, ehe er sich endgültig in den Ruhestand verabschiedete. Seit jenem Jahr ist Gunnar Mühlenstädt Schulleiter, nachdem der Nachfolger Schruffs, Dr. Manfred Schinner, bis 2016 den Leitungsposten innegehabt hatte. Der ebenfalls bereits pensionierte Remscheider Lehrer Heinz Dörpinghaus, der bis zu seiner Pensionierung Konrektor am Lenneper Röntgen-Gymnasium war, hatte ab 2017 die Leitung kommissarisch übernommen. Komplettiert wird das Leitungsteam mit Verwaltungsleiterin Gabriele Döbler, dem stellvertretenden Schulleiter Heinz Dörpinghaus und dem Leiter der kaufmännischen Ausbildung Dr. Alexander Geist.

Es gibt zwei Dinge am Hückeswagener Berufskolleg, die es von anderen Schulen dieser Art unterscheiden. Zum einen handelt es sich um eine Privatschule, für die die Schüler Schulgeld zahlen müssen. Auf der anderen Seite ist es das Ausbildungskonzept, wie Mühlenstädt sagt. „Die Besonderheit ist, dass unser Angebot – die Berufsausbildung und die Hochschulreife werden zugleich absolviert – die fest verankerte Bildungsidee und unser Bildungsweg ist.“ Er habe den Eindruck, dass das in den anderen Berufskollegs anders gehandhabt würde. Während es dort erst nach Antreten der Berufsausbildung als Möglichkeit mitgeteilt werde, gehe man im Hückeswagener Berufskolleg so vor, dass schon im Vorfeld über genau dieses Thema informiert werde. „Wir treten an den Schulen und auf den Ausbildungsmessen genau damit an die potenziellen Auszubildenden heran.“

Das Konzept, neben der Ausbildung zum Industrie-/ Zerspanungsmechnaniker oder Industriekaufmann/-frau das Abitur zu absolvieren, sei Anfang der 2010er-Jahre neu gewesen, betont der Berufskolleg-Leiter. „Auch die Tatsache, dass das in nur drei Jahren geschehen soll – ein entsprechendes Engagement der Schüler vorausgesetzt – war etwas Neues.“ Heute würden die Industrie- und Handelskammern dieses Konzept gerne aufgreifen. Mit an Bord müssen entsprechende Ausbildungsbetriebe sein, im Fall der Berufsschule sind das die Firmen Pflitsch, Kuhn Edelstahl, Joh. Clouth, Klingelnberg, Recknagel, Dohrmann, Interroll, HBS Betz, Magurit, Keller Software, Oerlikon Barmag, der Wupperverband, Heute+Comp, Andreas Wasserfuhr, Gira, Pariere, Blume Förderanlagen, BPW, Berghaus, Bornemann Signiertechnik, Jokey, BEW, Haromac, die Stadtwerke Radevormwald, Voss, Bornemann und Proroll.

Das Berufskolleg hat einen eindrucksvollen Weg von den Anfängen im Schuljahr 2010/11 hinter sich gebracht. So hatte das erste Schuljahr noch in Containern auf dem Realschulgelände stattgefunden. Erst im zweiten Schuljahr konnte die Privatschule die Räume im ehemaligen Marienhospital an der Goethestraße beziehen. Dort hatte sie sich auf zwei Etagen sehr gut eingerichtet, allerdings ist der Platz schon länger nicht mehr ausreichend. „Wir hatten die ersten Ideen für eine Erweiterung schon 2019. Eigentlich hatte der Umbau des Erdgeschosses auch schon im Herbst des Vorjahres begonnen werden sollen“, berichtet Mühlenstädt. Die Pläne seien allerdings Opfer der explodierenden Materialkosten und des Fachkräftemangels geworden. „Deswegen ruht das Projekt erst einmal. Wir bauen aber derzeit die ehemalige Kapelle aus – im Stil eines New-Work-Arbeitsbereichs“, sagt Mühlenstädt. Das bedeutet, dass dort ein offener Bereich mit unterschiedlich nutzbaren Raumteilen entstehen soll. „Wir machen viel davon in Eigenleistung. Geplant ist, dass der Bereich zum neuen Schulhalbjahr, also im Februar, fertig sein wird“, sagt Mühlenstädt. Ebenfalls geplant ist die Einführung weiterer technischer Bildungsgänge zur Erweiterung des Angebots für die jungen Auszubildenden in der Region.

Hintergrund

Ausbildung: Das Berufskolleg Hückeswagen bietet eine duale Ausbildung in den Bereichen Industriekaufmann/-frau, Zerspanungsmechaniker, Industriemechaniker und Fachkraft Metalltechnik an.

Schulabschluss: Zusätzlich können neben dem Berufsabschluss noch der Schulabschluss Fachabitur oder die Allgemeine Hochschulreife absolviert werden.

Kontakt: Die Schule im ehemaligen Marienhospital, Goethestraße 83, ist zu erreichen unter Tel. (0 21 92) 9 33 72 58 oder per E-Mail an:

kontakt@bk-hw.de

www.berufskolleg-hueckeswagen.de

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