Abfallsammelwoche

Er angelt einen Tresor aus dem Stadtpark-Teich

Philipp Wüster mit dem Tresor: So einfach losziehen durfte er mit der Magnetangel nicht, denn die rechtliche Situation ist umstritten.
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Philipp Wüster mit dem Tresor: So einfach losziehen durfte er mit der Magnetangel nicht, denn die rechtliche Situation ist umstritten.

Philipp Wüster hat zwei Teiche bei der Abfallsammelwoche von Unrat befreit.

Von Heike Karsten

Hückeswagen. Der aufgebrochene Tresor im Stadtparkteich war wohl der spektakulärste Fund, den Philipp Wüster an Land gezogen und der Polizei übergeben hat. Er könnte aus einem Einbruch auf Hückeswagener Gebiet stammen. „Es war 20 Minuten Arbeit, den Safe aus dem Wasser zu ziehen,“, berichtet der 31-Jährige. Möglich war das durch eine Magnetangel, die sich der Hückeswagener speziell für die Abfallsammelwoche zum weltweiten Cleanup Day zugelegt hat.

„Auf die Idee bin ich im Frühjahr beim Abfallsammeltag der Stadt gekommen“, berichtet Wüster. Mit dem Ortsverband der Partei „Die Partei“ hatte er im April an der Wupper entlang wilden Müll gesammelt und dabei auch Unrat im Wasser entdeckt. Wüster hatte sich daraufhin schlau gemacht, wie man den Müll aus dem Wasser bergen kann und was in Deutschland überhaupt erlaubt ist.

Rechtliche Bewertung ist umstritten

Bei seinen Recherchen war er dann auf Youtube-Videos über das Magnetfischen gestoßen und hatte über die Online-Auktionsplattform Ebay eine Angel mit Magnet ersteigert. Doch losziehen durfte er damit noch nicht. Denn die rechtliche Situation ist in Deutschland umstritten. Nicht endgültig geklärt ist, ob der eigentliche Akt des Magnetfischens illegal ist oder nur das Mitnehmen von gefundenen Objekten darstellt.

Um das zu klären, hatte sich Philipp Wüster zunächst an die Obere Denkmalbehörde in Gummersbach gewandt. „Die waren zunächst völlig überfordert und mussten sich selbst erst schlau machen“, berichtet Wüster und erzählt weiter: „Ich musste dann beim LVR-Amt für Bodendenkmalpflege ein Seminar belegen, da das Magnetfischen mit dem Metalldetektor gleichgesetzt wird.“ Hauptsächlich gehe es darum, dass historische Funde erkannt werden und nicht verloren gehen. Zudem könnten beim Magnetfischen Munition und Waffen geborgen werden, die durch Rost oder Verschmutzung für Laien häufig nicht auf den ersten Blick als solche zu erkennbar sind und daher ein großes Gefährdungspotential darstellen.

Um sich am World Cleanup Day mit der Magnetangel beteiligen zu können, fragte Philipp Wüster sowohl noch das Ordnungsamt der Stadt als auch den Angelverein an, der den Stadtparkteich betreibt. „Ich habe dann am Teich an der Montanusstraße begonnen“, berichtet Wüster. Hier holte er einige Metallstangen und Kronkorken aus dem Wasser. Zwei Tage später ging es an den Ententeich im Stadtpark, wo sich das Müllangeln noch mehr lohnte. Der Hückeswagener zog einen Cityroller, Dosen, Metallsplitter, Bleche und diverse Stangen (Moniereisen), Pfennig- und Centstücke sowie slowakisches Geld an Land. Am schwersten waren der aufgebrochene Safe, eine Baustellen-Absperrbake und ein Fahrradanhänger samt Reifen, der schon länger im Teich gelegen haben musste. „Der Anhänger war schon tief im Schlamm, und ich musste einen Freund zu Hilfe rufen, um ihn rauszubekommen“, sagt Philipp Wüster. Eine schweißtreibende Sache, die eine gute Stunde gedauert hatte. Der Fahrradanhänger zog eine kleine Öllache hinter sich her – wahrscheinlich aus den Kugellagern, wie der Magnetfischer vermutet.

Die größeren Funde hat Philipp Wüster der Stadt gemeldet, damit sie vom BAV abtransportiert und entsorgt werden konnten. Die Münzen und eine kleine Ledertasche mit Nieten wurden dem Amt übergeben. Wer denkt, mit dem Magnetfischen viel Geld verdienen zu können, liegt jedoch falsch. „Meistens holt man nur Schrott raus“, betont Wüster. Der Magnet für das Magnetfischen hat enorme Kraft und kann bis 1600 Kilogramm Gewicht ziehen. Auf sein Handy musste der Hückeswagener beim Magnetangeln besonders achten. „Wenn das auch nur in die Nähe des Magneten kommt, ist es defekt“, sagt er.

Vielleicht hilft der Tresor bei der Aufklärung eines Einbruchs

Die Funde beim Magnetangeln können aber auch rückwirkend zur Aufklärung beitragen. So wurde beispielsweise in Deutschland die Tachoanzeige eines Flugzeugs gefunden und unter Angabe der Geo-Koordinaten des Fundorts abgegeben. An dieser Stelle konnte später auch die Erkennungsmarke eines verschollenen, amerikanischen Piloten gefunden werden, wodurch die Angehörigen Gewissheit erlangten, wie Philipp Wüster erfahren hat.

Ob der gefundene Tresor zur Aufklärung des Einbruchs beitragen kann, bleibt abzuwarten.

Hintergrund

Zeitraum: Die Abfallsammelwoche im Herbst fand in der Schloss-Stadt vom 17. bis 25. September statt und startete mit dem weltweiten Cleanup Day.

Beteiligung: Stefanie Heymann von der Stadtverwaltung zeigte sich zufrieden: „Es lief doch noch recht gut. Trotz magerer Werbung haben einige geholfen und die Stadt in vielen Bereichen wieder verschönert.“

Funde: Erschreckenderweise habe sich im Stadtparkteich viel wilder Müll befunden, unter anderem ein Safe, eine Baustellen-Absperrbake und ein Fahrradanhänger. Es waren die größten und kuriosesten Funde der Sammelwoche.

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