Schulweg

Eltern über gestrichene Bustickets verärgert

Schulbus? Von Kleineichen aus heißt es für die Schülerinnen und Schüler vielmehr wandern.
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Schulbus? Von Kleineichen aus heißt es für die Schülerinnen und Schüler vielmehr wandern.

Welcher Fußweg für Schüler zumutbar ist, bestimmt das Land.

Von Brigitte Neuschäfer

Hückeswagen. Erwachsene, die von Kleineichen aus in die Stadt gehen, brauchen dafür knapp eine halbe Stunde. Wollen sie weiter zur oberen Kölner Straße (Realschule) oder zur Weststraße (Montanusschule), kommt noch eine Viertelstunde drauf. Haupt- und Realschüler aus Kleineichen müssen diese Strecke an jedem Schultag gehen – hin und zurück und bei jedem Wetter. „Ist so ein Schulweg zumutbar für Kinder?“ Diese Frage stellte eine Mutter aus Kleineichen zu Beginn der Sitzung des Schulausschusses in der Fragestunde für Einwohner.

Antwort der Verwaltung: Der Fußweg ist zumutbar – weil das Land es so sagt. Laut Schulkosten-Verordnung NRW haben Kinder nur dann ein Anrecht auf ein Schulbusticket, wenn sie mindestens zwei Kilometer von ihrer Grundschule entfernt oder 3,5 Kilometer entfernt von ihrer weiterführenden Schule wohnen.

Die Vorgaben des Landes sind alt. Und alt war auch das bisher gültige Straßenverzeichnis der Stadt zur Schülerbeförderung. Als es 2004 aufgestellt wurde, nahm es die Stadt nicht so genau mit den Entfernungen. Es gab zahlreiche Kulanz-Regelungen, so dass Kinder auch dann Schulbus-Tickets bekamen, wenn ihr Schulweg etwas kürzer als die vorgegebenen zwei oder 3,5 Kilometer waren. Davon profitierten Familien zum Beispiel auch aus Kleineichen. Doch damit ist nun Schluss. Die Stadt hat ein neues Straßenverzeichnis aufgestellt und scharf die jeweilige Weglänge ausgemessen. In den Sommerferien wurde es veröffentlicht. In der Folge meldeten sich viele Eltern im Rathaus, deren Kinder nunmehr keinen Anspruch mehr auf die Bus-Beförderung haben, weil die Grenzwerte des Landes jetzt strikt eingehalten werden.

Jeder Fall, in dem sich Eltern melden, werde nochmals geprüft, versicherte Alexander Stehl von der Verwaltung. Im Einzelfall habe es Korrekturen gegeben, wenn sich der zugrunde gelegte Schulweg in der Praxis als ungeeignet erwiesen habe. Auch die Verordnung des Landes sieht Ausnahmen vor, zum Beispiel, wenn der Weg an einer vielbefahrenen Straße ohne Gehweg entlang führt. Im Fall Kleineichen sieht die Verwaltung keine Ausnahmesituation: Der Schulweg führt von dort zwar an der Peterstraße entlang in die Innenstadt, aber über ausgebaute Gehwege.

Bedenken äußerten im Ausschuss auch einige Politiker. Regine Gembler (SPD) merkte an, dass ein Kind für eine Wegstrecke von zwei Kilometern rund eine Stunde Zeit brauche. Für einen zehn- oder elfjährigen Realschüler, der laut Verordnung bis zu 3,5 Kilometer zur Schule laufen müsse, bedeute das drei Stunden täglich hin und zurück. Ihre Frage: „Wann sollen die Kinder denn morgens das Haus verlassen?“ Schon zuvor hatte die Mutter aus Kleineichen darauf verwiesen, dass dann doch wieder die „Elterntaxis“ gefragt seien – sofern die Eltern ein Auto hätten und trotz Berufstätigkeit die Zeit, ihre Kinder zur Schule zu fahren.

Die Verwaltung will dennoch an den Grenzwerten des Landes strikt festhalten. Dass es dabei vor allem ums Geld geht, geht aus einer Vorlage der Verwaltung für den Ausschuss hervor: „Ziel ist die Vermeidung weiterer zusätzlicher Busse und (...) weiterer Kosten.“

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