Gesetzesänderung

Elektroschrott geht jetzt zum Discounter

Supermärkte und Discounter müssen seit dem 1. Juli Elektroschrott bis zu einer Kantenlänge von 25 Zentimetern annehmen – auch wenn das Gerät nicht am Ort gekauft wurde.
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Supermärkte und Discounter müssen seit dem 1. Juli Elektroschrott bis zu einer Kantenlänge von 25 Zentimetern annehmen – auch wenn das Gerät nicht am Ort gekauft wurde.

Seit dem 1. Juli können die meisten defekten Elektrokleingeräte auch in Supermärkten abgegeben werden.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen. Die Gesetzesänderung ist seit Jahresbeginn durch, aber der breiten Öffentlichkeit ist sie erst zur Jahresmitte am 1. Juli bekanntgegeben worden: Nach der Erweiterung des Paragrafen 17 des Elektrogesetzes sind auch Supermärkte und Discounter mit einer Verkaufsfläche von mindestens 800 Quadratmetern dazu verpflichtet, alte und defekte Elektrogeräte zurückzunehmen und der Entsorgung zuzuführen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Geräte dort auch gekauft worden sind. Es gibt allerdings eine Einschränkung, im Gesetzestext heißt es dazu, dass keine „äußere Abmessung größer als 25 Zentimeter“ sein darf.

In der Schloss-Stadt wurde diese Gesetzesänderung allerdings bisher kaum bis gar nicht genutzt. Ein Grund mag sein, dass die Hückeswagener ihren Elektroschrott schon seit jeher kostenfrei am Wertstoffhof An der Schlossfabrik entsorgen können. Das denkt auch Marcus Byhan, Leiter des Edeka-Markts auf Wiehagen. „Bei uns wird das Angebot bislang nicht genutzt“, sagt er. Im Keller des Markts stehe aber eine Entsorgungsbox bereit – wasserdicht, genau beschrieben und abgeschlossen. „Damit nichts austreten kann, was eventuell umweltschädlich ist.“

Er findet die Gesetzesänderung grundsätzlich nicht schlecht, sieht es allerdings als eine weitere Dienstleistung, die auf den Handel übertragen werde. „Wir machen es, aber werden es nicht unbedingt groß bewerben“, betont Byhan. Bevor die Geräte einfach irgendwo landen würden, sei es allemal besser, wenn sie abgegeben werden könnte. „Die Edeka wird vermutlich Plakate und Handzettel mit dem Angebot verteilen. Die sind aber noch nicht bei uns angekommen“, sagt Byhan. Konkret gehe es aber nur um die Kleingeräte, wenn jemand mit einer alten Waschmaschine oder einem Fernseher komme, müsse er ihn leider wegschicken „Wenn jetzt der kaputte Föhn aber 27 Zentimeter lang ist, nehmen wir den natürlich auch“, versichert Byhan.

Auch beim benachbarten Penny Markt gibt es noch keine Erfahrungswerte mit zurückgebrachten Elektrokleingeräten, sagt Marktleiter Deniz Savvoulidis. Ein Schild an der Pinnwand im Kassenbereich informiert die Kundschaft zwar über das neue Angebot im Rahmen der Änderung des Elektrogesetzes. „Bei uns war aber noch kein Kunde, der seine Geräte zurückgeben wollte. „Bei Großgeräten, etwa Fernsehern oder Kaffeevollautomaten, gilt die 1:1-Regel – also nur bei uns gekaufte Geräte können auch hier wieder abgegeben werden“, betont Savvoulidis. Ansonsten hätten die Kassenkräfte die Anweisung, dass nur Geräte angenommen werden dürfen, die auf dem Scannerfeld der Kasse Platz finden – die praktische Umsetzung der 25-Zentimeter-Einschränkung. „Das ist letztlich auch Ermessensfrage. Wenn ein Gerät ein klein wenig breiter ist, nehmen wir es auch. Wir haben im Lager einen Rollcontainer, auf dem die defekten Geräte gelagert werden, bis sie entsorgt werden“, sagt der Leiter.

Auch bei Aldi wurde bislang noch nichts abgegeben

Die Mitarbeiter im Aldi-Markt an der Alten Ladestraße sind bereits durch die entsprechende Schulung für die möglicherweise anstehenden Rückgaben vorbereitet. Auch im Lager stünden die entsprechenden Behälter bereit, erzählt eine Mitarbeiterin. „Aber angenommen wurde das Angebot bislang auch noch nicht“, sagt sie weiter. Grundsätzlich würde auch hier die gleiche Regelung wie in allen anderen Supermärkten gelten.

„Wir nehmen alle Elektrokleingeräte bis zu einer Kantenlänge von 25 Zentimetern, größere Geräte müssen indes bei einem Aldi-Markt – nicht unbedingt in der Filiale, in der man sie zurückgeben möchte – gekauft worden sein“, sagt die Mitarbeiterin. Das Angebot werde sich voraussichtlich von alleine herumsprechen, denn auf entsprechende Beschilderung hat man bei Aldi verzichtet. Auch beim Rewe-Markt am Etapler Platz gilt die entsprechende Regel – auch wenn es im Markt praktisch keine Elektrogeräte gibt, höchstens einmal einen Toaster, wie ein Mitarbeiter sagt. Ein entsprechendes Schild mit den Erklärungen rund um das neue Angebot hängt im Eingangsbereich des Supermarkts.

Aber auch wenn man im Rewe-Markt bereit für die Abgabe der Elektrokleingeräte ist – auch hier gilt: maximal 25 Zentimeter Kantenlänge –, sagen gleich mehrere Mitarbeiter: „In den vergangenen Wochen ist bei uns noch kein einziges defektes und altes Elektrogerät abgegeben worden.“

Wie es aussieht, muss das neue Angebot bei den Hückeswagenern erst noch bekannter werden – oder sie nutzen eben weiter die Möglichkeit, die Geräte in den Tonnen, etwa bei den Glascontainern am Aldi-Parkplatz, oder beim Wertstoffhof An der Schlossfabrik zu entsorgen.

Hintergrund

Gesetz: Erstmals trat das Elektrogesetz als Umsetzung der europäischen WEEE-Richtlinie 2005 in Deutschland 2005 in Kraft.

Novellierung: Das Gesetz hat bereits zwei Novellierungen erlebt, einmal 2015 und zuletzt dieses Jahr.

Paragraf: Bei der jüngsten Novellierung im Frühjahr wurde auch der Paragraf 17 geändert, nach dem nun Elektrokleingeräte auch in Supermärkten zurückgegeben werden können.

Internet: Weitere Informationen rund um den Gesetzestext gibt es im Internet

www.elektrogesetz.de

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