Theater

Eine SMS löst Gefühlschaos aus

Katrin Hauptmann als Jana Benjamin Schardt als Erik im Szenenspiel auf der Suche nach den „Wahrheiten“.
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Katrin Hauptmann als Jana Benjamin Schardt als Erik im Szenenspiel auf der Suche nach den „Wahrheiten“.

Mit dem Stück „Die Wahrheiten“ startete der Kulturkreis Radevormwald in die Spielzeit 2022/23.

Von Claudia Radzwill

Radevormwald. Am Mittwochabend begann die neue Spielzeit des Radevormwalder Kulturkreises. Zum Auftakt der Saison 2022/23 wurde das Stück „Die Wahrheiten“ gezeigt. Ein Gastspiel des Rheinischen Landestheaters Neuss.

Auf der Bühne im Bürgerhaus taten sich Abgründe auf. Jana und Erik brechen den Kontakt zu Sonja und Bruno ab - per SMS. Keine weitere Diskussion erwünscht. Nach 17 Jahren Freundschaft. Der Auslöser? Ein Coaching-Seminar, das Jana vor Jahren vor Bruno und seinen Arbeitskollegen geben sollte. „Ich war die Beute zwischen all den Männern, zum Abschuss freigegeben“, erklärt sie ihrem Mann. Das habe sie nun, nach Therapiesitzungen, begriffen. Daher könne sie Bruno nicht mehr sehen. Erik schickt darauf besagte SMS los, überrumpelt aber damit Jana, die sich von Sonja eigentlich nicht lossagen wollte. Sonja und Bruno sind indes wie vor den Kopf geschlagen.

Autoren nehmen mit dem Stück die Me-too-Debatte auf

Das Quartett beginnt, die Freundschaft zu reflektieren, sich zu hinterfragen, bevor wieder eine Annäherung stattfindet – und schonungslos auch unangenehme Wahrheiten auf den Tisch kommen. Im Fokus steht der alltägliche Machtmissbrauch zwischen den Geschlechtern. Das Autorenduo des Stücks, Lutz Hübner und Sarah Nemitz, nimmt damit die #MeToo-Debatte auf.

Es war ein fesselndes Spiel auf der Bühne. Auf der Suche nach dem „Warum?“ werden die Zuschauer in einen Strudel von misslungener Kommunikation und verschwiegenen Erlebnissen gezogen. Dramaturg Alexander Olbrich verglich in der Einführung, die kurz vor dem Theaterabend im Saal stattfand, das Spiel mit dem „Butterfly-Effekt“ von Edward Lorenz, dem Wegbereiter der Chaostheorie. „Sie besagt, dass, wenn ein Schmetterling in Brasilien flattert, er damit in Texas zu einem Wirbelsturm beitragen kann.“ Im Stück von Hübner und Nemitz war es die kurze SMS, die einen Tornado auslöste. Ein lebensnahes Stück, dass das Publikum gebannt verfolgte.

Michael Teckentrup, Vorsitzender des Kuturkreises, eröffnete am Abend die neue Spielzeit 2022/23.

Für die Aufführung entwickelte Regisseur Tom Gerber ein besonderes Regiekonzept. Das Stück begann mit dem dritten Akt, wo sich Jana und Sonja, Erik und Bruno wieder annähern. In Sequenzen ging es immer wieder in die Vergangenheit zurück. Das Publikum erfuhr in Rückblicken von der SMS, den damit ausgelösten Gefühlen, den Debatten. Gerber ließ alle Darsteller stets auf der Bühne, wechselte durch Lichteffekte vom Jetzt ins Vergangene – und er hatte tolle Darsteller.

Kulturkreisvorsitzender bedankte sich beim Publikum

Stefan Schleue verkörperte Bruno, Juliane Pempelfort schlüpfte in der Rolle der Sonja und Benjamin Schardt in die des Erik. Als Jana, die das alles auslöste, war eine großartige Katrin Hauptmann zu sehen – die sogar am Klavier unterhielt. Tom Gerber inszenierte das Stück, gestaltete Bühne und Kostüme. Der Holzdielenbogen stand für die gehobene Mittelschicht, aus der die Protagonisten kommen, Kinostühle dienten als Sofa, aber auch als Wartezone auf den nächsten Einsatz.

Weiße Kleidung symbolisierte die „weiße Weste“, in denen sich die Figuren wägten. Michael Teckentrup, Vorsitzender des Kulturvereins, freute sich über den Start in die neue Saison, die – Stand heute – ohne besondere Corona-Regeln laufen kann. „Aber auch die letzte Saison haben wir gut gemeistert“, sagte er – dafür ging sein Dank ans Publikum, das dem Kulturkreis die Treue hielt und hält.

Hintergrund

Die Autoren Lutz Hübner und Sarah Nemitz sind für das Theater Neuss keine Unbekannten. Sie haben einst als Schauspieler dort auf der Bühne gestanden, bevor sie 2001 anfingen, zu schreiben – und unter anderem den Stoff für den Film „Frau Müller muss weg“ lieferten.

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