Ferienprogramm

Ein Dorf mit knapp 170 Kindern

Zur Begrüßung versammelten sich die 170 Kinder in der Sporthalle.
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Zur Begrüßung versammelten sich die 170 Kinder in der Sporthalle.

Montagmorgen startete das integrative Ferienprogramm nach dreijähriger coronabedingter Pause.

Von Heike Karsten

Hückeswagen. Die Schlange vor dem Jugendzentrum (Juze) im Brunsbachtal ist am Montagmorgen lang. Es ist der erste Tag des Kinderdorfs 2022, das nach der Corona-Zwangspause endlich wieder in gewohntem Umfang stattfinden kann.

Zunächst müssen sich jedoch die knapp 170 Kinder am Eingang beim Kinderdorf-Einwohnermeldeamt registrieren und sich ihr Namensschild abholen. Bis alle Kinder dann zur ersten Bürgerversammlung in der Mehrzweckhalle eingetroffen sind, gibt es schon einen ersten Vorgeschmack von Beatboxer Carlos. Die Kinder haben Spaß und machen begeistert mit. So vergeht die Wartezeit wie im Flug.

55 Mitarbeiter kümmern sich um die 24 Werkstätten

„Man merkt, dass uns nach drei Jahren ein wenig die Routine fehlt“, sagt Juze-Leiterin Andrea Poranzke. Schon im Vorfeld musste viel geplant und organisiert werden, damit die nächsten zwei Wochen ein unvergessliches Erlebnis für die Kinderdorf-Bewohner werden.

Nach einer kurzen Begrüßung dürfen die Kinder die verschiedenen Werkstätten stürmen. Schnell verteilt sich die Menge. Insgesamt kümmern sich 55 Mitarbeiter um 24 verschiedene Werkstätten. Die Auswahl bleibt dabei den Kindern überlassen. „Sie sollen selbst das Kinderdorf erkunden und sich organisieren“, sagt Andrea Poranzke und spricht den Kindern damit eine gewisse Selbstständigkeit zu.

Emelie (7) und ihr Cousin Tim (9) beginnen in der Garten-Werkstatt. Sie bemalen Eierkartons mit bunter Farbe, um sie später mit Kresse-Samen zu bepflanzen. „Mein Cousin kommt aus Haan und schläft bei uns, damit er auch am Kinderdorf teilnehmen kann und nicht jeden Tag so weit fahren muss“, erzählt Emelie.

Jocelyn (10) und Dyari (11) kennen das Kinderdorf bereits aus vorherigen Jahren. Nach dem Papierschöpfen am Stand des Bergischen Abfallwirtschaftsverbands sind die Mädchen überzeugt, alle Werkstätten in den nächsten zwei Wochen einmal ausprobieren zu können. „Am meisten freue ich mich aber auf das Essen“, meint Jocelyn und lacht.

Neben dem warmen Mittagessen, dass die Kinder erhalten, bereiten Sabine Lauria und Britta Moritz am Bistro schon die ersten Leckereien für den Nachmittag vor. Es gibt frischen Obstsalat in der Eiswaffel mit Sahne und Streusel, die als Wundertüten angepriesen werden.

„Die können sich die Kinder von ihren Juze-Talern kaufen“, sagen die Mitarbeiterinnen. Wie im richtigen Leben, erhalten auch die Kinder einen Lohn für ihre Arbeit in den Werkstätten in Form der Kinderdorf-Währung. „Für eine halbe Stunde gibt es drei Juze-Taler, wovon ein Taler für die Steuer einbehalten wird“, erklärt Babette Braun von der Radio-Werkstatt.

Die restlichen Taler können für Snacks oder süße Getränke ausgegeben werden. Am letzten Kinderdorf-Markttag werden davon auch die produzierten Erzeugnisse gekauft.

Bei der Kinderdorf-Sparkasse hat jedes Kind ein Konto. Sie ist in einer Holzhütte untergebracht und wird von den Auszubildenden Benedikt Beck und Malena Baglieri betreut. „Unsere Vorgänger, die im Kinderdorf 2019 waren, haben uns gesagt, wie das hier abläuft“, freuen sich die beiden auf die Leitung ihrer neuen Sparkassen-Außenfiliale.

Neu dabei ist die Lego-Werkstatt. „Wir bauen Rampen für die Hückeswagener Geschäfte“, erklärt Luca Isabella Mock. Direkt belagert wird die Holz-Werkstatt, in denen Holzrasseln und Flugzeuge gebaut werden. Werkstattleiter Klaus Adam hat die Bohr- und Fräsarbeiten der Einzelteile in den vergangenen Wochen schon in Heimarbeit übernommen, damit die Kinder direkt loslegen können.

Mit Profigeräten und einem Hochofen ist Glasmeisterin Sandra Ernst ins Kinderdorf gekommen. „Wir stellen Glasblütenstecker her“, kündigt sie an.

Die Freunde Henry, David, Luca, Anton und Jonathan sind direkt begeistert von der Elektrowerkstatt, in der sie alte Carrerabahn-Teile mit Solar-Panels, Platinen und LEDs bestücken dürfen.

In diesem Jahr nehmen erstmals auch zehn Kinder aus der Ukraine teil, die vor dem Krieg in ihrem Land geflüchtet sind. Erzieherin Erika Frey kann die Fragen der Kinder in russischer Sprache beantworten. „Ich spreche kein ukrainisch, aber russisch verstehen die Kinder auch“, sagt sie. Auch Kinder mit Handicap sind in das Projekt integriert.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Cornelia Päper wünscht den Kindern und Mitarbeitern erfolgreiche zwei Wochen mit vielen schönen Aktionen.

„Schade, dass ich schon älter als zwölf Jahre bin, und daher nicht mitmachen kann“, bedauert Päper. Die Stimmung im Kinderdorf ist bestens, und das Wetter spielt zum Start ebenso mit. „Denkt daran, euch einzucremen, eine Mütze zu tragen und viel Wasser zu trinken“, heißt es bei der morgendlichen Versammlung. Dass am ersten Tag noch nicht immer alles rund läuft, sei völlig normal, sagt Andrea Poranzke aus langjähriger Erfahrung. Sobald das Kinderdorf aber in Gang ist, werden es zwei erlebnisreiche Wochen, in denen die Kinder nicht nur gut betreut werden, sondern auch viel Spaß haben und dazu noch eine Menge lernen können.

Kinderdorf

Betreuung: Im Kinderdorf werden die Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren bis zum 29. Juli von Montag bis Freitag zwischen 10 und 16 Uhr (Frühbetreuung ab 8 Uhr) betreut.

Werkstätten: Es gibt 24 Werkstätten, darunter Garten, Pfeil- und Bogen, Beat und Bizeps, Radio und Ton, Film, Nähen, Kreativ, Graffiti, Seifen, Holz, Glas, Papier, Elektro, Robotik, Ukulele, Zirkus und weitere. Für die Teilnahme gibt es einen Lohn in Form von Juze-Talern.

Bürgermeister: Am heutigen Dienstag findet die Wahl des Kinderdorf-Bürgermeisters statt, der am Mittwoch mit seinen Beratern unter anderem über die Verwendung der Steuergelder aus dem Kinderdorf entscheidet.

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