Rettungskräfte beschossen

Dietmar Persian fordert konsequentes Handeln

Polizeikräfte stehen in der Silvesternacht hinter explodierendem Feuerwerk. Immer wieder wurden die Beamten auch gezielt beschossen.
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Polizeikräfte stehen in der Silvesternacht hinter explodierendem Feuerwerk. Immer wieder wurden die Beamten auch gezielt beschossen.

Nachdem in der Silvesternacht Rettungskräfte mit Raketen beschossen wurden, ist das Entsetzen groß – auch in Hückeswagen.

Von Joachim Rüttgen

Die Bilder sind verstörend. Während laufender Einsätze werden Rettungskräfte und Feuerwehrleute gezielt mit Raketen und Böllern beschossen. So passiert in der Silvesternacht in einigen größeren Städten. Aber auch im Oberbergischen Kreis gab es ähnliche Zwischenfälle, wie in Bergneustadt, teilt Stadtbrandinspektor Karsten Binder mit. „Die Leute haben trotz der Einsätze einfach nicht aufgehört zu böllern“, berichtet er. Auch in Hückeswagen gebe es Straßenzüge, in denen es in den vergangenen Jahren vereinzelte Zwischenfälle gegeben habe. In diesem Jahr blieb es ruhig, die Feuerwehr verzeichnete keine Einsätze.

Trotzdem sind die unfassbaren Bilder auch in Hückeswagen Thema. „Wir haben das im kleinen Kreis besprochen“, bestätigt Binder. In Hückeswagen habe es vor einigen Jahren mal Querschläger bei Einsätzen gegeben. „Da schlugen Raketen und Böller auf einem Balkon ein und entzündeten Mobiliar und andere Gegenstände“, erinnert sich Binder. Die Feuerwehr habe von außen mithilfe der Drehleiter gelöscht. So extrem wie Beispiel in Berlin in der diesjährigen Silvester- und Neujahrsnacht sei es in der Schloss-Stadt gottlob noch nicht.

Zu Silvester und Neujahr würden Rettungskräfte immer mit dem Risiko leben, dass teils alkoholisierte Menschen mit Feuerwerkskörpern und Böllern hantieren und nicht die Vorschriften beachten. „Da geht es vor allem um die nicht zugelassenen und nicht zertifizierten Böller und Raketen“, sagt Binder. Bei unsachgemäßem Gebrauch könne sich eine nicht mehr zu kontrollierende Sprengkraft entwickeln.

Aber nicht nur zu Silvester würden Rettungskräfte angegriffen, das passiere auch schon bei einsatzbedingten Straßensperrungen. „Da erleben unsere Kollegen oft sehr ungehaltene Reaktionen und werden harsch angegangen“, berichtet der Feuerwehrchef.

Bei Sperrungen reagieren Lkw- und Busfahrer viel gelassener

Da helfe es oft nur, die Menschen ohne Reaktion stehen zu lassen. Immer wieder müsse man den Menschen erklären, dass durch eine Sperrung auch die eigenen Rettungskräfte geschützt werden sollen. Diese Aufklärung übernehme aber meist die Polizei, weil Feuerwehr und Rettungsdienst bei einem Einsatz andere Aufgaben hätten als mit Passanten zu diskutieren, nur weil die mal einen Umweg fahren müssen. „Erstaunlicherweise stellen wir fest, dass Bus- und Lkw-Fahrer viel gelassener auf Sperrungen reagieren als Autofahrer. Die kennen das wahrscheinlich schon von den Autobahnen, wo bei einer Sperrung ja meist auch gar nichts mehr geht“, sagt Binder. Dabei hätten Lkw- und Busfahrer oft den größeren Termindruck. Außerdem müssten auch Feuerwehr und Polizei bei einem Einsatz sehr planvoll vorgehen, um zum Beispiel dem Rettungsdienst nicht die Wege zum Unfallort zu versperren.

„Wir müssen genug Platz lassen, und auch dafür sind großzügige Sperrungen oft nicht zu vermeiden“, erläutert der Stadtbrandinspektor. Er verfolgte die jüngsten Bilder der Silvesternacht mit Entsetzen und stellte sich die Frage nach dem Warum. Was soll das? Was bleibt ist Ratlosigkeit.

Das geht Bürgermeister Dietmar Persian auch so. Aber für ihn werden Grenzen überschritten, wenn Menschen, die sich um die Sicherheit anderer bemühen, angegriffen werden: „Die Mitarbeiter sorgen für ein gutes und sicheres Umfeld, da ist es völlig inakzeptabel, wenn Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt oder Rettungsdienst angegriffen werden.“ Er sei entsetzt ob der Bilder zum Beispiel aus Berlin. „Wenn Hilfskräfte angepöbelt und angegriffen werden, ist das zutiefst besorgniserregend, glücklicherweise erlebe ich das in diesem Ausmaß hier in Hückeswagen nicht“, sagt er. Wenn ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes ein Knöllchen verteile, könne man darüber sicher sachlich diskutieren, aber wenn er dafür persönlich beleidigt werde, sei für ihn ganz schnell eine Grenze erreicht. „Und da scheue ich auch nicht vor einer Strafanzeige“, betont Persian. Das seien sicher Einzelfälle, und in Hückeswagen lebe man bestimmt noch in einer heilen Welt, aber es mache schon sprachlos. Der Bürgermeister stellt klar, dass er voll und ganz hinter den Menschen in Uniform stehe und er konsequent gegen jede Form von Beleidigung und Angriff vorgehen werde. „Wir müssen da klar zeigen, wo Grenzen überschritten werden, das darf nicht einreißen“, fordert er. Jeder, der Vertreter des Staates angreife, müsse hart bestraft werden.

Hintergrund

Zu einem Großeinsatz musste die Feuerwehr am Freitagmorgen, 2. Dezember, ausrücken. An der Heidenstraße war das Dachgeschoss eines Fachwerkhauses in Brand geraten. 80 Einsatzkräfte bekämpften die Flammen und verhinderten ein Übergreifen auf das Nachbarhaus. Vorbildlich: Anwohner verteilten heißen Kaffee an die Einsatzkräfte. Und die evangelische Kirchengemeinde öffnete das Gemeindehaus an der Lindenbergstraße für betroffene Anwohner.

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