Freizeitbad

Die Zukunft des Bürgerbads ist ungewiss

Blick ins Freizeitbad: Die Zukunft des Bades ist ungewisser denn je. Die Kosten für die Sanierung sind zu hoch.
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Blick ins Freizeitbad: Die Zukunft des Bades ist ungewisser denn je. Die Kosten für die Sanierung sind zu hoch.

Kosten für Sanierung könnten explodieren – Betriebsausschuss kommt am 22. September zu einer Sondersitzung zusammen.

Von Joachim Rüttgen

Hückeswagen. Ist das das Ende des Bürgerbads im Brunsbachtal? Die Beschlussvorlage für eine öffentliche Sondersitzung des Betriebsausschusses am Donnerstag, 22. September, 17 Uhr, im Heimatmuseum birgt Brisanz – und eine klare Aussage: „Das immer umfangreicher werdende Sanierungsvolumen mit großen Unsicherheiten einerseits und die stark gestiegenen Energiekosten andererseits lassen eine Sanierung des vorhandenen Gebäudes immer unwirtschaftlicher werden. Deshalb steht die Frage im Raum, ob dies noch sinnvoll und verantwortbar ist.“

Den Unterlagen beigelegt hat die Stadt eine Netto-Kotenschätzung der Gewerke – die kommt auf 2,7 Millionen Euro. In einem ersten Beschluss 2021 lagen die Kosten bei 1,6 bis 1,7 Millionen Euro. Trotzdem betont Bürgermeister Dietmar Persian, dass es weiter oberstes Ziel sei, das Bad zu erhalten. „Es hat eine enorm hohe Bedeutung für die Stadt, für Vereine, Schulen, Senioren und Familien“, sagt er.

Dass die Stadt das Bad erhalten wolle, stehe völlig außer Frage. „Ob das wirtschaftlich funktioniert, weiß ich nicht, wir setzen alles daran, müssen die schwierige Diskussion aber offen führen, denn die finanziellen Rahmenbedingungen werden nicht besser“, sagt Persian. Wenn beide Wege – Sanierung und Förderprogramm – nicht funktionieren, müsse man weitere Alternativen suchen.

Mittlerweile wurde der vom Kreis geforderte Bauantrag erstellt und Anfang Juli mit dem ebenfalls geforderten Brandschutzkonzept eingereicht. Der Bauantrag befindet sich zurzeit in der Abstimmung. Was an Maßnahmen aufgelistet wird, die dringend notwendig sind, ist immens: Der Flachdachbereich über den Umkleiden und dem Restaurant soll saniert und nach aktuellen Anforderungen gedämmt werden. Drei Holzbinder müssen saniert beziehungsweise überarbeitet werden. Die Betonsockel unter den Holzbindern müssen bis auf vier Sockel saniert werden.

Dazu muss die vorhandene Bewehrung freigelegt und entrostet werden, und die korrodierten Auflagerschuhe der Binder müssen ersetzt werden. „Hier ist eine Tragkonstruktion zur Aufnahme der Dachlasten während der Sanierung notwendig. Nach Beratung mit einem Gerüststatiker wurde in Zusammenarbeit mit dem Statikbüro für die Tragkonstruktion eine Lösung mit einer Stahlabfangung der Fußpunkte gefunden. Ein flächiges Traggerüst wurde verworfen“, informiert die Stadt. Die Betonsockel müssen neu aufbetoniert werden. Für die Abfangkonstruktion müssen verschiedene Durchbrüche hergestellt werden. Aussteifende Verbände in der Konstruktion der Halle fehlen und müssen neu hergestellt werden.

Die vorgesetzten Wände in der Schwimmhalle wurden zur Erkundung der aussteifenden Konstruktion bereits teilweise entfernt. Für die Umsetzung des Brandschutzkonzeptes müssen die Wände ertüchtigt werden, die die Brandabschnitte trennen. Hier müssen Wände aufgemauert und Trockenbauwände ergänzt und neu beplankt werden. Notausgänge müssen ertüchtigt werden und erhalten zum Teil neue Türelemente. „Nach gültiger Landesbauordnung müssen die tragenden Bauteile eine Feuerwiderstandsdauer von 30 Minuten haben. Dies gilt auch für die Holzbinder und aussteifenden Bauteile. Dies ist momentan nicht der Fall, daher müssen umfangreiche Brandschutzverkleidungen der Holzbinder und der Dachflächen des Kuppeldachs vorgenommen werden. Die endgültige Ausführung befindet sich noch in der Abstimmung zwischen Statiker und Brandschutzingenieur und ist mit verschiedenen Problemen behaftet“, kündigt die Verwaltung an. Für die Verkleidungen sei ein flächendeckendes Gerüst in der Halle notwendig. Die Lichtbänder im Kuppeldach erfüllten ebenfalls die Brandschutzvorschriften nicht und müssten gegen neue Lichtbänder mit Rauchabzügen ausgetauscht werden. Nach Aufbau des Flächengerüstes sei eine Überprüfung der Holzbinder in den oberen bisher nicht zugänglichen Bereichen durchzuführen.

Das Wasser im Becken wurde abgelassen. „Es wurde deutlich, dass die Verfugung des großen Schwimmbeckens komplett erneuert werden muss. Ob auch eine stellenweise Sanierung des Betons im Bereich der Überlaufrinnen nötig ist, wird noch geprüft“, schreibt die Stadt. Für den Beginn der Sanierungsarbeiten müsse zunächst die Baugenehmigung abgewartet werden. Die Flachdachsanierung sei allerdings nur in der trockenen Jahreszeit möglich. Aufgrund des Umfangs der Arbeiten geht die Stadt derzeit davon aus, dass die Sanierung bis Ende 2023 dauern würde.

Hintergrund

Kosten: Die Stadtverwaltung geht aktuell von einem Gesamtvolumen für die Badsanierung von 2,5 bis drei Millionen Euro aus.

Energie: Das Hallenbad verbraucht enorm viel Energie: 2019, also vor Corona, waren es 3,7 Millionen Kilowattstunden Gas pro Jahr – etwa 45 Prozent des Gasverbrauchs aller Gebäude im Eigentum der Stadt und der HEG. Die Gaskosten des Bades für 2019 lagen bei 194 000 Euro. Mit dem aktuellen Preis lägen die Gaskosten bei 582 000 Euro pro Jahr. Und die weitere Preisentwicklung ist derzeit nicht abzuschätzen. Durch die Maßnahmen wird nur durch die Flachdachsanierung eine Energieeinsparung erwartet – und zwar von etwa fünf Prozent.

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