Redner

Der Trauer eine Stimme geben

Der Hückeswagener Markus Saxert hat sich zum Trauerredner ausbilden lassen.
+
Der Hückeswagener Markus Saxert hat sich zum Trauerredner ausbilden lassen.

Markus Saxert ist bekannt als DJ und Moderator, der Hückeswagener ist aber auch anderweitig im Einsatz

Von Heike Karsten

Hückeswagen. Die letzten Worte am Grab oder am Urnenfach, ein kurzer Abschiedsgruß, ein Lied oder ein Gebet – das sind die Momente, in denen auch Markus Saxert gelegentlich die Tränen kommen. Dazu muss er den Verstorbenen gar nicht gekannt haben. Der 54-Jährige hat ihn dennoch kennengelernt – durch die Erzählungen der Hinterbliebenen.

Für den Hückeswagener sind die Themen Tod und Trauer zum beruflichen Alltag geworden, wobei es die Bezeichnung „Berufung“ besser trifft. Seit Januar ist der Moderator und Discjockey, der ansonsten fröhliche Familienfeiern wie Hochzeiten oder auch große Firmen- und Stadtfeste begleitet, parallel dazu als Trauerredner im Einsatz. Ob das zusammenpasst, wird er oft gefragt. „Ja, das geht. Und zwar indem man jede Veranstaltung, gleich welcher Art, gewissenhaft vorbereitet und professionell durchführt“, ist Markus Saxert überzeugt.

Eine Trauerrede zu halten, ist nicht jedermanns Sache. Der Hückeswagener besitzt jedoch das entsprechende Fingerspitzengefühl für eine pietätvolle Abschiedsfeier. „Mich reizt diese Aufgabe. Und es ist mir jedes Mal ein besonderes Anliegen, für einen Menschen, der nicht mehr unter uns weilt, eine Rede zu halten“, erläutert der Trauerredner.

Und die ist immer sehr persönlich, denn Saxert kann auch zuhören, wenn die Angehörigen ihm von dem Verstorbenen erzählen. Bei dem Vorgespräch notiert er sich alles Relevante, was in der Trauerrede vorkommen soll. Bei den Gesprächen, bei denen viele Erinnerungen hochkommen, kann es auch schöne und fröhliche Momente geben. „Aber ich kann auch Stille aushalten“, versichert Saxert.

Nach dem Vorgespräch feilt der 54-Jährige oft mehrere Stunden an der Rede. Anders als bei seinen Einsätzen als Moderator, wo ihm in der Regel Stichworte reichen, formuliert er seine Trauerreden vollständig aus. Selbst eine Prise Humor integriert er geschickt in die Rede, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten schon für Späße gesorgt hat.

„Jede Rede ist anders und individuell. Ich verlese keinen Lebenslauf, sondern grätsche direkt in das Leben des Verstorbenen und folge danach einem roten Faden“, sagt der weltliche Trauerredner.

Einen großen emotionalen Anteil an einer Trauerfeier hat die Auswahl der gespielten Musikstücke. Dazu hat sich der Discjockey ein großes Musikarchiv mit mehr als 450 Titeln für Trauerfeiern zusammengestellt. „Darunter allein zehn verschiedene Versionen des Titels ‚Time to say goodbye‘“, schildert er. Bei der Auswahl der Lieder gibt es keinerlei Beschränkung. „Musik hat ihre eigene Sprache“, weiß Saxert. Hierbei profitiert er von seinem großen Interesse an Musik und dem umfangreichen Archiv – ein weiterer Schnittpunkt zwischen dem Beruf als Discjockey und dem Einsatz als Trauerredner in der Friedhofskapelle oder im Kolumbarium.

Manchmal werden aber auch außergewöhnliche Wünsche an ihn herangetragen. So hatte ein Verstorbener zu Lebzeiten gesagt: „Wenn ich irgendwann sterbe, dann müsst ihr an meinem Grab einen Obstler auf mich trinken.“ Der Trauerredner sorgte auf Wunsch der Hinterbliebenen für die Umsetzung. Nach dem vorgetragenen Fünfzeiler am Grab servierte er den Trauernden die gefüllten Pinnchen auf einem Tablett.

Dass solche Wünsche keine Ausnahmen sind, kann Saxert schon nach einem Dreivierteljahr im Einsatz bestätigen. Denn auch die letzten zwei Flaschen selbst gemachten Himbeerlikör einer verstorbenen älteren Dame wurden mit zur Trauerfeier gebracht und verköstigt. „Wir dürfen sowas, da wir uns nicht nach kirchlich vorgegebenen Regeln richten müssen“, erklärt er.

Zu dem Beruf des Trauerredners kam der 54-Jährige über seine Einsätze als Sargträger. Im Januar nahm er zum ersten Mal an einem Seminar des Trauerredners und Ausbilders Daniel Mossa teil. „Im März habe ich schon meine erste eigene Rede bei einer Beerdigung gehalten und gemerkt, dass mir das liegt und mir auch persönlich etwas bringt“, erinnert er sich.

Mittlerweile hat Saxert schon viele Einsätze als Trauerredner hinter sich und auch viele positive Rückmeldungen erhalten, die ihn in seiner Arbeit bestärken. Selbst mit schwierigen Situationen, wie beispielsweise bei Tod durch Suizid, hat er gelernt umzugehen. Das betrifft das Verhalten beim Vorgespräch mit den Angehörigen ebenso wie den Inhalt der Rede.

Und wie geht ein Trauerredner mit Störenfrieden bei einer Trauerfeier um? Auch das hat er in einer Weiterbildung erfahren können. Die richtigen Worte zur richtigen Zeit finden ist das, was ein Trauerredner können und vor allem im Gespür haben muss. So erhält die Trauer eine Stimme.

Hintergrund

Rede. Ein Trauerredner kann neben der Rede auch persönliche Wünsche mit in die Gestaltung der Trauerfeier einfließen lassen, in Absprache mit dem beauftragten Bestattungsinstitut und, bei kirchlichen Bestattungen, auch mit dem Pfarrer.

Vorgespräch. Bei einem persönlichen Gespräch mit den Hinterbliebenen wird der Grundstein für eine persönliche Trauerrede gelegt.

Musik: Bei der Auswahl der Lieder können auch musikalische Vorlieben des Verstorbenen berücksichtigt werden.

Kontakt: Trauerredner Markus Saxert, Nelkenweg 19, Hückeswagen, Tel. 02192/931419

www.trauerredner-hueckeswagen.de

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Schnafftival: Einfach hingehen
Schnafftival: Einfach hingehen
Schnafftival: Einfach hingehen
TBH bietet Badminton-Schnupperkurs für Jugendliche ab 14 Jahren an
TBH bietet Badminton-Schnupperkurs für Jugendliche ab 14 Jahren an
TBH bietet Badminton-Schnupperkurs für Jugendliche ab 14 Jahren an
Island ist für Radfahrer in beide Richtungen frei
Island ist für Radfahrer in beide Richtungen frei
Island ist für Radfahrer in beide Richtungen frei
 Jenkner zieht von Wipperfürth nach West 3
 Jenkner zieht von Wipperfürth nach West 3
 Jenkner zieht von Wipperfürth nach West 3

Kommentare