Ganze Flächen sind kahl

„Dass etwas getan werden muss, ist klar“

Die Reste von einst stolzen Fichtenwäldern: Holzstapel, gerodete Flächen und abgestorbene Fichten, wie hier bei Wipperfürth-Wingenbach
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Die Reste von einst stolzen Fichtenwäldern: Holzstapel, gerodete Flächen und abgestorbene Fichten, wie hier bei Wipperfürth-Wingenbach

Trockenheit und Borkenkäfer haben dem Wald arg zugesetzt.

Von Stephan Büllesbach

Beim Spaziergang in den heimischen Wäldern wird schnell deutlich, dass es schlecht um sie bestellt ist. Die extreme Trockenheit der vorigen Jahre, in der Folge Borkenkäferbefall und Unwetter haben ihnen zugesetzt. „Dass etwas getan werden muss, ist klar“, sagt Jessica Schöler von der Pressestelle der Kreisverwaltung. Dabei stellen sich allerdings viele Fragen, auf die Forstwirtschaft, Naturschutz und Jagd unterschiedlich antworten: Wie werden die Wälder künftig aussehen? Welche Baumarten werden dort wachsen? Was müssen wir dafür konkret tun? Wie verändert sich die Waldwirtschaft?

„Die Interessenverbände im Oberbergischen Kreis eint die Erkenntnis, dass sich die großen Herausforderungen des Klimawandels nur gemeinsam lösen lassen“, berichtet sie. Daher gründete sich unter Federführung des Kreises der Arbeitskreis „Waldwirtschaft, Naturschutz und Jagd im Oberbergischen Kreis“. In den ersten Sitzungen tauschten sich Vertreter aus Forstwirtschaft, Naturschutz (darunter der Hückeswagener Waldbauer Hans-Friedrich Hardt), Jagd und von Fachinstitutionen über die Wiederbewaldung aus. Einzelne Punkte, wie die Auswahl der künftig eingesetzten Baumarten, wurden kontrovers diskutiert. Dennoch wurde die gemeinsame, freiwillige „Oberbergische Vereinbarung Wiederbewaldung, Naturschutz und Jagd“ erzielt, die von allen mitgetragen wird.

„Ein Patentrezept für die Wiederbewaldung gibt es nicht“, stellte Kreisdirektor Klaus Grootens klar. „Umso froher bin ich, dass es im Oberbergischen Kreis dennoch gelungen ist, zu einem Konsens zu gelangen.“

Die Mitglieder des Arbeitskreises erarbeiteten sieben Leitsätze.

1. Entwicklung neuer Wälder auf den Schadflächen: Die neu entstehenden Wälder sollen stabil und widerstandsfähig sein, um den klimatischen Veränderungen dauerhaft standzuhalten und die verschiedenen Waldfunktionen erfüllen zu können.

2. Vereinbarkeit von Ökonomie und Ökologie: Der Arbeitskreis bekennt sich zu einer gleichermaßen ökonomisch wie ökologisch nachhaltigen Bewirtschaftung des oberbergischen Waldes. 

3. Wald als Lebensraum: Der oberbergische Wald ist als Lebensraum der heimischen Tier- und Pflanzenwelt von großer Bedeutung. Dieser Bedeutung müssen die Maßnahmen zur Wiederbewaldung, Pflege und Bewirtschaftung gerecht werden. 

4. Baumarten-Vielfalt: Die Vielfalt der heimischen, mitteleuropäischen Baumarten ist das Rückgrat der Begründung artenreicher Mischwälder im Klimawandel. Nicht heimische Baumarten können eine Ergänzung darstellen, wenn sie an geeigneter Stelle in ein Grundgerüst heimscher Baumarten eingebracht werden.

5. Pflege und Mischwuchsregulierung: Um einen stabilen und baumartenreichen Mischwald heranziehen zu können, ist in den nächsten Jahrzehnten die Beobachtung und Pflege der Bestände durch Mischwuchs- und Standraumregulierung aber auch durch Wildschutzmaßnahmen gegen Verbiss-, Fege- sowie in späteren Jahren auch Schälschäden dringend erforderlich. 

6. Jagd und Waldentwicklung: Eine an den Bedürfnissen des Waldes ausgerichtete Jagd auf Schalenwild ist entscheidend für die Entwicklung der zukünftigen Wälder.

7. Zusammenarbeit: Die Mitglieder des Arbeitskreises wollen die vereinbarten Leitsätze bei ihrer Arbeit künftig berücksichtigten. Die Vereinbarung sei eine gute Empfehlung, auf deren Basis weitergearbeitet werden soll, erklärten sie.

Hintergrund

Die Vereinbarung mit allen Details und eine zusammenfassende Broschüre können auf der Internetseite des Kreises abgerufen und heruntergeladen werden. Die Empfehlungen können auch für private Waldbesitzer hilfreich sein, teilt der Kreis mit.

obk.de/waldvereinbarung

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