Projekt

Das Spielzeug der Rappelkiste hat Urlaub

Ohne Spielzeug ließen sich die Kinder trotzdem Kreatives einfallen und hantierten auch mal mit Pappkartons.
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Ohne Spielzeug ließen sich die Kinder trotzdem Kreatives einfallen und hantierten auch mal mit Pappkartons.

Im Kindergarten endet nächste Woche eine besondere Zeit.

Von Heike Karsten

Hückeswagen. Montags und mittwochs wird es spannend beim Morgenkreis der Rappelkisten-Kinder. Denn dann wird abgestimmt, welches Spielzeug zurückgeholt werden soll. Gespannt sitzen die Kinder auf den Bodenmatten und singen ein Morgenlied. Am Holzkalender wird der Tag eingestellt: Mittwoch. Das bedeutet: Ein weiteres Spielzeug kehrt aus dem Urlaub zurück. Seit Mitte März befindet sich der Kindergarten der Elterninitiative Rappelkiste an der Bachstraße in der spielzeugfreien Zeit.

„Das Angebot ist in unserem Konzept verankert und findet etwa alle vier Jahre statt“, sagt Kindergartenleiterin Sarah Herbold. Die spielzeugfreie Zeit wurde unter anderem zur Suchtprävention ins Leben gerufen – mit dem Ziel, einen Überfluss an Spielzeug zu verhindern, auf Dinge verzichten zu können und damit die Fantasie anzuregen.

Kinder bestimmen, welches Spielzeug zurück geholt wird

In der Rappelkiste können die Kinder mitbestimmen, welches Spielzeug weggepackt und welches zurückgeholt wird. In den ersten vier Wochen werden Spielbereiche nacheinander weggeräumt. Die nächsten vier Wochen werden ohne vorgefertigtes Spielzeug verbracht, bevor in den letzten vier Wochen die Bausteine, Bälle, Hüpftiere und Autos wieder einziehen dürfen. „Es ist eine Entwöhnung Schritt für Schritt. Die Kinder müssen sich aus eigenem Antrieb heraus etwas zum Spielen suchen“, erklärt die 33-jährige Erzieherin.

Als erstes weggeräumt wurden die Regelspiele und Puzzle. „Das war aber auch das Erste, was wieder zurückgeholt wurde“, berichtet die Erzieherin. Die Kinder entscheiden sich für einen Spielbereich, indem sie einen ihrer Hausschuhe neben das für diesen Bereich symbolisch auf dem Boden liegende Spielzeug legen.

Am Mittwoch liegen die meisten Schuhe am Gymnastikball, der den Nebenraum steht, der mit Matten, Sprossen- und Kletterwand ausgestattet ist. Die Erzieher holen Bälle, Reifen, Schaumstoffwürfel und ein Hüpftier zurück. „Den Nebenraum habe ich am meisten vermisst“, freut sich Siri. Spielkameradin Charlotte weiß genau, womit sie gerne spielt und womit nicht: „Die Schleich-Tiere habe ich nicht vermisst.“ Zu spielen gibt es auch in den vier Wochen der spielzeugfreien Zeit genug. „Die Kinder haben Stöcke und Tannenzapfen gesammelt. Und wir hatten auch noch Kastanien“, zählt Sarah Herbold auf. Der Renner unter den alternativen Spielsachen sind jedoch Kartons und Papp-Rollen. Daraus bauen die 21 Kindergartenkinder der Rappelkiste zwischen zwei und sechs Jahre Häuser, Fabriken, Raketen und Hundehütten. „Die älteren Kinder bemalen die Kartons und die Jüngeren spielen darin am liebsten Verstecken“, berichtet die Leiterin. Überhaupt versucht das Erzieher-Team, den Kindern möglichst viele Freiräume fürs kreative Spiel zu geben. Bewegung sei dabei ein Thema, das an Bedeutung gewonnen hat. Eine Ausnahme gibt es dann doch bei dem Projekt: Die Bilderbücher und Malutensilien dürfen während des gesamten Projekts bleiben.

Hintergrund

Beobachten: Statt zu lenken, unterstützen die Erzieher die Kinder lediglich bei ihren Aktivitäten. Dabei spielt die Beobachtung der Kinder eine wichtige Rolle.

Inspiration: Die Mädchen und Jungen sind dazu angehalten, sich mit sich selbst zu beschäftigen, da die Erzieher Spielideen und Aktivitäten nicht mehr vorgeben. 

Konzept: Das Konzept zählt zu den effektivsten Modellprojekten in ganz Europa. Jeder Kindergarten kann dabei für sich ganz individuell entscheiden, in welchem Maße dieses Konzept in der Einrichtung Anwendung findet.

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