Nach Hochwasser

Das Lachen ist längst zurückgekehrt

Können wieder lachen (v. l.): Daniela Grund, Thomas Grund und Barbara Olivi in der Produktionshalle An der Schlossfabrik.
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Können wieder lachen (v. l.): Daniela Grund, Thomas Grund und Barbara Olivi in der Produktionshalle An der Schlossfabrik.

Nach der Flut vor einem Jahr dachte Thomas Grund, dass sein Lebenswerk zerstört sei.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen. Er kann wieder lachen – Thomas Grund, Geschäftsführer von Grund-Planen, der seit weit mehr als 20 Jahren seine Geschäftsräume An der Schlossfabrik hat, hätte vor etwa einem Jahr nicht unbedingt damit gerechnet, dass das noch einmal möglich sein würde. Er erinnert sich genau an den 14. Juli 2021 zurück. „Das war ein ganz normaler Tag. Ich wollte eigentlich noch ein wenig länger arbeiten, aber meine Frau meinte, dass wir den Rest doch auch am nächsten Tag erledigen könnten. Also sind wir pünktlich nach Hause gegangen“, sagt der 58-Jährige.

Zwei Tage nach der Flut stand das Wasser beim Hückeswagener Unternehmen Grund-Planen noch 80 Zentimeter hoch.

Am nächsten Morgen sei er dann gegen 6 Uhr von Freunden angerufen worden. „Ich sollte mal zu meiner Firma schauen – die stünde unter Wasser“, sagt er. Und ergänzt: „Ich konnte zuerst nur von der Peterstraße runterblicken – dort unten war nur Wasser.“ Etwas später habe er dann versucht, die Eingangstür zu öffnen, das aber schnell wieder aufgegeben. „Das Wasser war von der Straße gekommen, im Inneren stand es 1,80 Meter hoch“, sagt Grund – und deutet auf eine noch sichtbare Wasserlinie unterhalb der Decke.

Am Freitag habe er dann ins Innere gehen können. „Ich dachte: Das war’s. Aus. Vorbei“, sagt der Unternehmer. Das Wasser sei aus der Tür ins Freie herausgeschossen, Treibgut und Unrat mit dabei, innen alles zerstört. Das ganze Ausmaß dieser Zerstörung habe er dann aber erst am Samstag wirklich begriffen, drei Tage nach der Flut. „Es war wirklich alles kaputt, nur ein Handschweißgerät, das unter der Decke hing, ist nicht zerstört worden“, sagt der 58-Jährige.

Das Gefühl, vor dem Nichts zu stehen – denn Grund war zum damaligen Zeitpunkt nicht gegen diese Art des Schadens versichert – muss schrecklich gewesen sein. Dann sei aber etwas geschehen, was ihm wieder Mut gemacht habe. „Plötzlich kamen Freunde und Verwandte auf den Hof – von sich aus, ich hatte niemandem Bescheid gesagt. Die sind einfach aufgetaucht und haben einfach angefangen zu helfen, den Müll und Schutt wegzufahren“, sagt Grund.

Auch sonst habe er allen Grund, dankbar zu sein. „Es gab viel Unterstützung durch Helfer – einmal kam etwa ein Mann, den ich nicht kannte, mit dem Trecker auf den Hof und fragte, was er denn wegbringen könnte -, dann Spenden durch die Mitbürger, und auch die Soforthilfe von Bund und Land hat geklappt“, sagt Grund. Wobei gerade Letzteres ein enormer bürokratischer und zeitlicher Aufwand gewesen sei.

„Ich habe mit dem Antrag im September 2021 angefangen – im Juli 2022 habe ich das Geld dann bekommen“, sagt er. Es sei ja sehr gut, dass es diese Soforthilfen gegeben hätte, denn auch wenn damit nicht alles hatte ersetzt werden können, so doch zumindest ein Großteil. „Aber der bürokratische Aufwand war schon enorm, das hätte man sicherlich etwas leichter machen können“, sagt Grund. Er sei zudem in der Lage gewesen, die Gelder vorzustrecken, damit er die Arbeit wieder hätte aufnehmen können.

Ein rundes halbes Jahr habe es gedauert, bis bei Grund-Planen wieder hätte vernünftig gearbeitet werden können. „Wobei vernünftig natürlich relativ ist – ich hatte vorher acht Nähmaschinen, jetzt sind es noch zwei. Aber ich will mich nicht beschweren“, sagt Grund. Denn es habe einen weiteren Faktor gegeben, der es ihm, seiner Frau Daniela und der Mitarbeiterin Barbara Olivi ermöglicht hätte, mittlerweile wieder richtig gut arbeiten zu können. „Die Lieferanten und Kunden haben uns die Treue gehalten. Das ist nicht selbstverständlich.“

Vor allem auch aus der Warte betrachtet, dass – abgesehen von dem erwähnten Handschweißgerät wirklich alles erneuert hätte werden müssen. „Ich arbeite mit Textilien, mit Leder – wenn da nur ein Wassertropfen drauf ist, kann man es nicht mehr verkaufen.“

Heute kann Thomas Grund wieder lachen – und wegen der Vielzahl an Hilfe und Unterstützung habe es auch gar nicht so lange gedauert, bis das wieder möglich gewesen sei. „Ich habe nur ganz kurz am Anfang gedacht, dass es nun vorbei sei, 23 Jahre über Nacht im Müllcontainer gelandet. Aber ich wollte hier nicht weg, habe auch keine Angst vor der Wupper. Das war fraglos ein Extremfall – und wenn wir etwas früher Bescheid bekommen hätten, was da auf uns zukommen wird, dann hätte ich am Mittwochabend alles, was transportabel ist, in Sicherheit gebracht. Das wäre eine ganze Menge gewesen“, sagt er. Thomas Grund will aber nicht zurückblicken, sondern nach vorne. Und dazu gehört auch das Lachen. „Wir haben Aufträge, wir haben Spaß bei der Arbeit und sind gesund – das ist doch die Hauptsache!“

Hintergrund

Firma: Die Hückeswagener Firma Grund-Planen fertigt auf Wunsch Planen, Werbebanner oder Abdeckungen an. Die Firma kann durch das Print&Cut-Verfahren auch eigene Werbung auf den Planen platzieren. Auch Reparaturen sind möglich.

Öffnungszeiten: Das Unternehmen hat für Publikumsverkehr geöffnet: Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr, Freitag von 8 bis 16 Uhr sowie auch Samstag nach Vereinbarung.

Kontakt: An der Schlossfabrik 16, 42499 Hückeswagen, Tel. (0 21 92) 93 55 32, E-Mail:

info@grund-planen.de

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