Bildung

Cluster-Konzept hat sich durchgesetzt

Herzstück eines jeden Clusters bildet der sogenannte Marktplatz. Dieser kann in Pausen, für offene Unterrichtsformen oder als Versammlungsraum genutzt werden.
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Herzstück eines jeden Clusters bildet der sogenannte Marktplatz. Dieser kann in Pausen, für offene Unterrichtsformen oder als Versammlungsraum genutzt werden.

Löwen-Grundschule geht pädagogisch neue Wege: Weg vom klassischen Frontalunterricht, hin zu offenen Lernräumen.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Löwe Ludwig wacht über die Grundschule im Brunsbachtal. Wenn man sie betritt, riecht man sofort das neue Gebäude. Genauso neu wie die Schule ist auch das Konzept, nach dem sie betrieben wird. Denn während die allermeisten Grundschulen als klassische Flurschulen aufgebaut sind – ein langer Flur, von dem links und rechts die Klassenräume abgehen –, ist die Löwen-Grundschule nach dem Cluster-Prinzip gebaut worden.

„Als nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid im April 2018 klar war, dass wir einen Neubau bekommen würden, haben wir sofort mit der Planung angefangen“, erinnert sich Nadine Aufgebauer aus dem Schulleitungsteam. Und bei einem Neubau stehen ja alle Möglichkeiten erst einmal offen vor einem. „Es war vor allem sehr schön, dass die Stadtverwaltung uns immer unterstützt hat und unseren Ideen, Vorstellungen und Wünschen offen gegenüberstand“, betont Nadine Aufgebauer.

Es habe eine Zeit der intensiven Recherche begonnen. „Klar war von Anfang an, dass wir keine Flurschule haben wollten. Das Konzept ist pädagogisch nicht mehr zeitgemäß“, sagt die Grundschullehrerin. Traditionell sind skandinavischen Länder die pädagogische Vorreiter in Europa. Entsprechend sei der Blick auch gen Norden gegangen. „Wir haben aber auch in der Schweiz die eine oder andere Schule mit Cluster-Konzept entdeckt – und sogar in Deutschland“, sagt Nadine Aufgebauer. Letztere seien auch besucht worden. „Man hat vor gut vier Jahren unterschiedliche, neue Konzepte für Schulen im Internet gefunden.

Aber mittlerweile hat sich das Cluster-Konzept offensichtlich durchgesetzt“, sagt sie. „Es bedeutet, dass einzelne Einheiten zu einem größeren Bereich – dem sogenannten Cluster – zusammengefasst werden“, sagt Nadine Aufgebauer.

Lehrerin Nadine Aufgebauer mit Johanna (l.) und Laura bei der Hausaufgabenbetreuung im Teamarbeitsraum, der den Cluster ergänzt.

Diese Einheiten sind in der Löwen-Grundschule die Klassenräume, aber auch die Toiletten, Garderoben, die Teamstation, Aufenthaltsräume, Lagerräume, der Differenzierungsraum und der OGS-Raum. Während die Klassenräume noch mit Stuhl, Tisch und Tafel aufgebaut sind, sind die Aufenthaltsräume sehr offen – mit Sitz- und Spielgelegenheiten, aber auch einem Sofa, auf dem die Kinder sich hinlegen können. „Es gibt vier Cluster – für jede Jahrgangsstufe einen, der auch jeweils eine unterschiedliche Farbe bekommen hat“, sagt Nadine Aufgebauer.

„Die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler haben sich geändert, genau wie das schulische Arbeiten“, sagt Nadine Aufgebauer. Der Frontalunterricht – die Lehrkraft steht vorne – sei nicht mehr das pädagogische Maß der Dinge. „Wir bewegen uns hin zu offenen Lernräumen. Kinder nutzen die unterschiedlichen Arbeitsformen in der Lernzeit nicht mehr nur in ihrem Klassenraum“, sagt die Lehrerin.

Natürlich gebe es aber auch weiterhin Phasen des Frontalunterrichts, bestätigt sie. „Aber wenn die Kinder beispielsweise in Kleingruppen arbeiten sollen, dann können sie sich dafür aus dem Klassenraum zurückziehen, um zum einen Ruhe zu haben, aber auch um die anderen nicht zu stören“, sagt Nadine Aufgebauer.

Konzept funktioniere sogar besser als erwartet

Das Konzept des aufgeteilten Unterrichts sei nicht neu. „Wir haben das auch in der alten Schule immer wieder schon gemacht. Aber es hat den Unterricht immer irgendwie gestoppt und unterbrochen“, sagt Nadine Aufgebauer. Was nützt aber alle Theorie, wenn es in der Praxis nicht umgesetzt werden kann ? Insofern ist der Beginn des neuen Schuljahres ein Lackmustest für das neue Konzept gewesen. „Jetzt ist etwa ein Vierteljahr vergangen – und ich muss sagen, es funktioniert noch besser, als wir es uns vorgestellt haben“, sagt Nadine Aufgebauer.

Sie vergleiche die neue Schule gerne mit einem neuen Auto: „Es riecht neu, es hat ganz tolle, neue Features, man kennt noch nicht jeden Knopf – aber es sind sehr viele Sachen dabei, die auch schon wunderbar funktionieren.“ Und man könne noch viel entdecken. „Perspektivisch sind hier noch ganz viele Dinge möglich“, ergänzt sie.

Am wichtigsten sei die Tatsache, dass das Konzept auch bei den Schülern sehr gut ankomme. „Das kann man auf jeden Fall so sagen – und das beobachte ich auch immer, wenn ich in den Lernzeiten durch unser Cluster gehe, um nach dem Rechten zu sehen“, sagt Nadine Aufgebauer zufrieden.

Hintergrund

Konzept: 2018 wurden in der bayerischen Landeshauptstadt vier Grundschule entworfen, die auf einem Cluster-Prinzip beruhten. Auch in Berlin gibt es schon früh solche Cluster-Grundschulen.

Schule: Die neue Löwen-Grundschule wurde nach rund zwei Jahren Bauzeit pünktlich zum Beginn des neuen Schuljahres am 10. August von den Kindern in Besitz genommen. Bei einem Tag der offenen Tür konnten die Hückeswagener sich das 20-Millionen-Euro-Projekt Anfang September in aller Ruhe ansehen.

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