Nachbau

Castel del Monte ist in Hückeswagen entstanden

Auf einem Foto-Kalender zeigt Jürgen Dickentmann das Vorbild seines Nachbaus. Fotos: Stephanie Licciardi
+
Auf einem Foto-Kalender zeigt Jürgen Dickentmann das Vorbild seines Nachbaus.

Jürgen Dickentmann hat das berühmte Schloss des Stauferkönigs Friedrich II. nachgebaut

Von Stephanie Licciardi

Hückeswagen. Stauferkönig Friedrich II. hätte nicht stolzer sein können. In der Werkstatt von Jürgen Dickentmann steht sein berühmtes Refugium, das Castel del Monte, ganz aus Holz. Doch die Werkstatt liegt nicht – wie das Original – im sonnigen Süditalien, sondern im Herzen des Oberbergischen Landes an der Ringstraße in Hückeswagen.

Vor fast zehn Jahren fing Jürgen Dickentmanns Interesse für das Castel del Monte und die Staufer an. „In Mannheim hatte ich eine Ausstellung über die Staufer besucht. Dort hörte ich von Friedrich II. und seinem Schloss in Apulien“, erzählt der Hückeswagener. Das Oktogon fand er architektonisch so spannend, dass ihm die Idee kam, das Schloss nachzubauen. Als gelernter Schreiner und – bis zu seiner Pension – Cembalobauer kannte Dickentmann sich mit Hölzern aus. „Denn für mich stand fest, wenn ich das Castel del Monte nachbaue, dann aus Holz.“

„Ich wünsche mir, dass das Modell im Bergischen Museum Schloss Burg ausgestellt wird.“

Jürgen Dickentmann

Anfangs sei das Projekt eine Herausforderung gewesen. Trotz Reisen nach Sizilien, wo der Stauferkaiser begraben liegt, und Stippvisiten in die Toskana, hat Dickentmann das Schloss noch nie gesehen. Das sei aber kein Problem für den Geschichtsinteressierten gewesen. Kurzerhand besorgte er sich Literatur über die Staufer und das Castel del Monte. „Die Funktion des Gebäudes ist kaum erforscht“, weiß der Hückeswagener.

Richtig Blut geleckt habe der frühere Schreiner aber, als sich herausstellte, dass im Mittelalter eine Verbindung der Staufer zum Bergischen Land bestand. „Allein die Zeitspanne von 150 Jahren ist sehr interessant“, erzählt der 73-Jährige: „Etwa die Verbindung von Engelbert von Berg zu der Stauferfamilie.“

Schritt für Schritt ist der Nachbau des Staufer-Schlosses entstanden.

In der heimischen Werkstatt machte sich Dickentmann in seiner Freizeit an die Arbeit. Mit Werkzeugen wie Skalpellen, einer Japansäge und Stecheisen bearbeitete er verschiedene Hölzer, unter anderem Massiveiche, Ahorn und Pyramidenmahagoni. Er zeichnete Pläne, fertigte einzelne Modelle an, probierte aus, verwarf manche Idee und studierte immer wieder das Castel anhand von Aufzeichnungen und Fotomaterial.

Geholfen habe ihm der Kontakt zu Professor Wulf Schirmer, der in den 1990er Jahren an der Bauforschung des berühmten Bauwerks beteiligt war. „Anhand der Erkenntnisse im Zuge der Vermessungen habe ich versucht, mich zu orientieren“, sagt Dickentmann. So manche Nacht habe er wach gelegen und sich Gedanken zu seinem Vorhaben gemacht. „Einfach war es nicht“, sagt er lachend. Doch der Spaß am Arbeiten mit Holz und nicht zuletzt seine Familie motivierten ihn: „Meine Frau und mein Enkel verfolgten die Arbeiten immer mit großem Interesse.“

Der 73-Jährige fertigte – vom Grundriss bis zu detailgetreuen Wänden mit Fenstern, beweglichen Türen und Säulen mit Kapitälchen – Schritt für Schritt das Castel nach. Viel Wert legte er als früherer Schreiner auf kleinste Details; so entstanden insgesamt acht Innenräume im Unter- und Obergeschoss sowie der Ausbau der Türme. Einem der Kaminzimmer hauchte Dickentmann wieder Leben ein.

Auf einem Podest im Keller thront nun der hölzerne Miniaturnachbau. Was mit dem Modell in Zukunft passiert, weiß Jürgen Dickentmann noch nicht. „Ich wünsche mir, dass das Modell im Bergischen Museum Schloss Burg ausgestellt wird. Das wäre schön. Und mein Enkel wird das Modell eines Tages erben“, sagt er schmunzelnd.

Castel del Monte

Schloss: Das Castrum Santa Maria de Monte, das heute unter dem Namen Castel del Monte bekannt ist, liegt im süditalienischen Apulien, unweit der Stadt Bari. Das Bauwerk, ein Oktogon, wurde vom Stauferkaiser Friedrich II. zwischen 1240 und 1250 errichtet; jedoch ist das Schloss, nach aktuellem Forschungsstand, nie vollendet worden.

Oktogon: Das Oktogon ist ein seit der Antike in der Architektur verbreitetes Bauwerk in Form eines regelmäßigen Achtecks. Neben dem Castel del Monte ist ein weiteres Oktogon im Aachener Dom, der früheren Pfalzkapelle zu finden.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Kommentar: Erst reden, dann handeln
Kommentar: Erst reden, dann handeln
Kommentar: Erst reden, dann handeln

Kommentare