Städtepartnerschaft

Bürgermeister weihen Friedens-Stele ein

Der Zwilling der Hückeswagener Friedens-Stele steht nun gegenüber dem Bahnhofsgebäude in Etaples.
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Der Zwilling der Hückeswagener Friedens-Stele steht nun gegenüber dem Bahnhofsgebäude in Etaples.

50 Hückeswagener reisten zu den Feierlichkeiten in die Partnerstadt Étaples-sur-Mer.

Von Axel Bornkessel

Hückeswagen. Das Wetter in Étaples-sur-Mer meinte es gut mit den 40 Angereisten aus Hückeswagen, die das Partnerschaftskomitee der Schloss-Stadt zur diesjährigen Bürgerfahrt zusammengebracht hatte. Gemeinsam mit den französischen Freunden versammelte man sich am vergangenen Samstagvormittag bei herrlichem Sonnenschein und einer frischen Meeresbrise am Bahnhof des Fischerortes.

Hier fand ein besonderer Akt statt, der in die Geschichte der Städteverbindung eingehen wird: Bürgermeister Philippe Fait weihte im Beisein seines Amtskollegen Dietmar Persian die Friedens-Stele von Bernhard Guski ein. Nun steht endlich, wie vom Künstler schon so lange gewünscht, ein Zwillingsobjekt der Hückeswagener Stele auf französischem Boden – als ein Geschenk der Schloss-Stadt, finanziell gefördert von der Firma Pflitsch. Nur eines unterscheidet die beiden: Die Friedenstaube auf der Spitze hier weist nach Osten, in Richtung Bergisches Land, so, wie der Vogel auf dem zentralen Hückeswagener Parkplatz nach Westen, zur Küste ans Meer blickt.

Die Einweihung des Denkmals auf einem kleinen begrünten Platz gegenüber dem Bahnhofsgebäude war sicherlich ein erster Höhepunkt in diesem Jahr, in dem an die Anfänge der Jumelage 1972 vor 50 Jahren erinnert wird. Damals hatte Bürgermeister Weyer mit seinem französischen Amtskollegen eine Art Freundschaftsversprechen abgeschlossen – wie das nach den Katastrophen zweier Weltkriege in den Nachkriegsjahren auch in Hunderten anderer Städte beiderseits des Rheines stattfand. In der Folgezeit lernten sich Generationen von Deutschen und Franzosen näher kennen, sie verstanden und schätzten einander. Viele, die jetzt nach Etaples gereist waren, begrüßten dort langjährige Freunde, mit denen sie einst gemeinsam Ferien am Meer verbracht hatten.

Das Besuchsprogramm hatte am Freitagmorgen damit begonnen, dass die Hückeswagener Gruppe einen Ausflug ins hundert Kilometer entfernte Amiens machte, wo vor allem die Besichtigung der Kathedrale anstand. Am Abend dann erlebte Etaples, das seine deutschen Gäste artig mit Begrüßungsplakaten schon außerhalb der Stadt empfing, einen ersten Höhepunkt: Während vor dem Rathaus das städtische Musikensemble sich ausnahmsweise mit rheinischen Stimmungsweisen warmspielte, trafen zehn Radfahrer um Detlef Richelshagen dort ein.

Der Tag wurde per Video festgehalten

Per Video festgehalten wurde der Einzug von einer Gruppe um Thorsten Kemper, die in ihrer Eigenschaft als Social-Media-Team der Stadt eigens nach Etaples gereist war und für Facebook-Benutzer Interviews führte und Impressionen aus der Stadt an der Canche festhielt. Eine Idee, die in Zukunft besonders jüngere Nutzer einladen soll, etwas mehr über die Partnerstadt an der Kanalküste zu erfahren.

Die Radfahrer, alle im besten Mannesalter, waren am vergangenen Sonntag in Hückeswagen gestartet und hatten sechs Etappen von jeweils 60 bis 120 Kilometern Länge durch Belgien und Nordfrankreich passiert. Nun umrundeten sie, von der Gendarmerie in die Stadt eskortiert, in strahlender Laune den Platz, wo die beiden Bürgermeister sie empfingen. Wer wollte, konnte in diesen Tagen Kommentare und Bilder von ihrer Goodwill-Tour auf Youtube abfragen.

Im Rathaus folgte dann ein anderer, für die Anwesenden nicht weniger strapaziöser Parcours. In einer Folge von Ansprachen, eingebettet in Übersetzungen von Joëlle Callsen-Lemoult, wurde immer wieder die Freundschaft, ja die Liebe zwischen den beiden Städten beschworen, die nun, wie in einer alten Ehe üblich, in eine Feier der Goldenen Hochzeit mündete. Anlass also, Geschenke auszutauschen, einander zu loben, Dankesworte zu sagen, wobei viel Rührung unter den überwiegend in die Jahre gekommenen Honoratioren und Anwesenden aufkam.

Ebenso viel emotionale Bewegtheit gab es dann auch bei der Einweihung der Friedens-Stele. Bernhard Guski, wie viele im Publikum, ein Nachkriegskind, nahm den Dank der Etapler entgegen, und wieder wurde die gewachsene Freundschaft zwischen zwei großen Völkern beschworen, auf deren Kontinent nun aufs Neue ein Krieg entbrannt ist und der auf beklemmende Weise diese Geste zwischen Deutschen und Franzosen unterstrich.

Die festliche Einweihung bot den Rahmen dafür, dass die beiden Bürgermeister zwei Urkunden unterzeichneten, in denen sich die beiden Städte feierlich auch weiterhin zu freundschaftlichem Umgang und gegenseitigem gesellschaftlichen wie kulturellen Austausch verpflichteten.

Die französischen Organisatoren in den Komitees um Jean-Luc Leprêtre und seiner deutschen Kollegin Joëlle Callsen-Lemoult hatten es nicht leicht, im sommerlichen Etaples, dessen Küstenstraßen an diesen Brückentagen mit Autos verstopft waren, die Gäste aus Hückeswagen per Bus von den offiziellen Treffpunkten zu Orten der Ruhe und Entspannung transportieren. Das war möglich in einem Restaurant in der Nähe des kommunalen Campingplatzes, wo man zusammensitzen, essen, trinken und alte Erinnerungen auffrischen konnte.

Ob sich dabei auch neue Ideen und Projekte für die Zukunft auftaten – man wird sehen, vielleicht schon dann, wenn die Etapler im August zum Gegenbesuch nach Hückeswagen kommen.

Kunstwerk

Das von Bernhard Guski entworfene Konzept einer Friedens-Stele besteht aus zwei einander gleichenden Skulpturen. Sie haben eine Höhe von 390 cm und 110 cm Breite. Jede ist konstruiert aus sechs pulverbeschichteten Stäben in den Komplementärfarben. Sie versinnbildlichen die unterschiedlichen Kontinente, wobei das Weiß die Antarktis meint. Auf einem sechseckigen Stahlring, der die Stäbe am oberen Ende umfängt, steht auf dem blauen, den Erdteil Europa vertreten Stab, stark abstrahiert, jeweils ein Taube als Friedenssymbol. Beide sind ausgerichtet in die Himmelsrichtungen Ost bzw. West.

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