Stromversorgung

BEW ist für Krisen besser gewappnet

Das Umspannwerk der BEW am Kleineichenweg nahe des Radwegs versorgt ganz Hückeswagen mit Strom.
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Das Umspannwerk der BEW am Kleineichenweg nahe des Radwegs versorgt ganz Hückeswagen mit Strom.

Das Umspannwerk in Kleineichen versorgt ganz Hückeswagen. Die Lage in der Flutnacht war dramatisch.

Von Stephan Büllesbach

Hückeswagen. Viel hatte in der Nacht zum 15. Juli 2021 nicht mehr gefehlt, dann hätte es neben der Hochwasser- auch noch eine andere Katastrophe gegeben. Denn wäre der Damm des Beverteichs gebrochen und hätten sich dessen Wassermassen in der Folge auch noch in den Bereich Kleineichen, Hartkopsbever und An der Schlossfabrik ergossen, hätte das Umspannwerk der Bergischen Energie- und Wasser-GmbH (BEW) am Ende des Kleineichenwegs abgeschaltet werden müssen. Das wiederum hätte einen kompletten Blackout für Hückeswagen bedeutet. Aber auch so war das Wasser durch den immensen Regen erst wenige Meter vor der Anlage zum Stillstand gekommen. Letztlich war die Stromversorgung jedoch zu keiner Zeit gefährdet gewesen, versichert die BEW.

Welche Funktion hat dasUmspannwerk Kleineichen?

Sebastian Kersten ist seit 1. Juni Prokurist der BEW Netze und neuer Abteilungsleiter Netzbau und -betrieb.

Die Schloss-Stadt und ein Teil Wipperfürths werden darüber mit Strom versorgt. „Vorgelagert ist dem Verteilnetz der BEW Netze das 110-kV-Hochspannungsnetz der Westnetz“, berichtet BEW-Prokurist Sebastian Kersten, Abteilungsleiter Netzbau und -betrieb. In der Umspannanlage, die vom Radweg aus gut zu sehen ist, wird der Strom dann von 110 kV Hochspannung auf 10 kV Mittelspannung heruntertransformiert. „Die BEW Netze ist Betreiber der Verteilnetze auf Mittel- und Niederspannungsebene“, erläutert Kersten. „Das heißt, vom Umspannwerk aus wird der Strom über 130 Trafohäuschen und Kompaktstationen in Hückeswagen und in die Haushalte verteilt.“

Wie war die Lagein der Flutnacht?

Auf dem Gelände in Kleineichen hatten in der Nacht auf den 15. Juli 2021 ungefähr 15 Zentimeter Wasser gestanden. „Etwas Wasser war auch in unser Stationsgebäude eingedrungen“, blickt der Prokurist zurück. Die Schalteinrichtungen darin seien allerdings so hoch installiert, dass es nicht zu Gefährdungen beziehungsweise Einschränkungen gekommen sei. „Gegen Mitternacht wurden wir vom Kreis informiert, dass der Damm des Beverteichs zu brechen droht.“ Vorsorglich wurde daraufhin mit der Westnetz alles vorbereitet, um die Anlage kurzfristig abschalten zu können. „Die Abschaltung wäre eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen, um bei einer Überflutung des unteren Bevertals insbesondere Personen- und Folgeschäden am Umspannwerk selbst auszuschließen“, betont Kersten.

Uns ist besonders bewusst geworden, wie wichtig das Zusammenspiel zwischen, Stadt, Kreis, Hilfsorganisationen und dem Elektro-Handwerk ist.

Sebastian Kersten, Bergische Energie und Wasser

Welche Auswirkungen gab es noch?

Vor allem entlang der Wupper und der Bachläufe waren in der Nacht zu Donnerstag viele Keller mit Wasser vollgelaufen, weswegen die BEW im gesamten Netzgebiet Ortsnetz- und Kundenstationen sowie zahlreiche Hausanschlüsse abschalten musste – mehr als 200 Haushalte und zahlreiche Industrie- und Gewerbekunden waren ohne Strom. „Durch den Dauereinsatz aller Kollegen konnten bereits am Donnerstagabend fast alle Haushalte wieder mit Strom versorgt werden“, zeigt sich Kersten stolz auf das Team. Doch auch in den Wochen danach waren die Mitarbeiter im Dauereinsatz: Stationen, Hausanschlusskästen und Kabelverteilerschränke mussten gereinigt und gewartet sowie Stromzähler getauscht werden.

Welche Maßnahmen wurden nach der Flut getroffen?

Damit eine solche Gefahrensituation zukünftig nicht mehr entstehen kann, wurde in der Woche nach der Flut das Wehr am Beverteich auf Anordnung des Kreises um 1,20 Meter abgetragen und so der Füllstand des Teichs abgesenkt. Das Stationsgebäude erhält einen Hochwasserschutz in Form von Spundwänden, ebenso wird die Westnetz ein neues Gebäude für Schutz- und Leittechnik der Umspannanlage mit entsprechendem Hochwasserschutz errichten.

Welche Lehre hat die BEW aus der Flutnacht Mitte gezogen?

„Erst einmal, dass unsere Krisenorganisation gut funktioniert und sich das BEW-Team in dieser Extremsituation wieder sehr bewährt hat“, zeigt sich der Prokurist selbstbewusst. Natürlich habe dieses Hochwasserereignis aber auch gezeigt, dass es an der einen oder anderen Stelle noch Schwachstellen und Verbesserungspotenzial gibt. Daher will die BEW in der Netzplanung künftig noch stärker darauf achten, wie in hochwassergefährdeten Zonen die Standorte für Stationen und sensible Knotenpunkte ausgewählt werden.

Auch soll bei Netzanschlüssen in hochwassergefährdeten Bereichen darauf geachtet werden, diese, sofern es möglich ist, überirdisch zu installieren. „Besonders bewusst ist uns auch geworden, wie wichtig das Zusammenspiel zwischen Stadt, Kreis, THW, Feuerwehr, DLRG und dem örtlichen Elektro-Handwerk ist“, stellt Kersten heraus. In der Katastrophennacht habe das sehr gut funktioniert. „Dennoch möchten wir den Kontakt mit allen Akteuren weiter stärken, damit auch zukünftig diese Zusammenarbeit genauso erfolgreich ist.“

Seit wann gibt es das Umspannwerk in Kleineichen?

Die Anlage wurde am 21. September 1931 von der RWE in Betrieb genommen, wie aus dem Aufsatz „Elektrische Kraft (Strom) für Hückeswagen“ des im April verstorbenen Historikers Siegfried Berg zu entnehmen ist. Kleineichen war dabei eine der ersten Umspannanlagen für das Bergische Land. Die aus Wuppertal-Ronsdorf kommenden Hochspannungsleitungen wurden dort übernommen und dann über Mittelspannungs- und Niederspannungsleitungen weiterverteilt. Bereits seit dem Jahr 1912 hatte es an dieser Stelle ein Transformatorenhäuschen der Bergischen Licht und Kraft AG gegeben.

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