Bundestagswahl

Bernd Rummler (AfD): „Höcke ist Geschmackssache“

Bernd Rummler vor seinem Haus in Lieberhausen. Seit elf Jahren lebt er in dem Örtchen, das bekannt ist für seine fünf „Bonten Kerken“. Foto: Stephan Büllesbach
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Bernd Rummler vor seinem Haus in Lieberhausen. Seit elf Jahren lebt er in dem Örtchen, das bekannt ist für seine fünf „Bonten Kerken“.
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Bernd Rummler bewirbt sich für die AfD um ein Bundestagsdirektmandat

Von Axel Richter

Oberberg. Höcke oder Meuthen? Bernd Rummler legt sich nicht fest. „Wer mich kennt, der weiß, dass ich harte populistische Töne nicht mag“, sagt der Direktkandidat der AfD im Wahlkreis Oberberg. Höckes Jargon ist deshalb nicht seiner. Dennoch distanziert er sich nicht von dem bekanntesten Rechtsausleger seiner Partei. „Höcke ist Geschmackssache“, sag Rummler im RGA-Gespräch. Und er sei auszuhalten. Wie einst Thilo Sarrazin in der SPD oder Hans-Georg Maaßen in der CDU.

Bernd Rummler (51) lebt in Lieberhausen. Die Schönste der fünf Bonten Kerken liegt nur wenige Schritte von seinem Haus entfernt. Vor elf Jahren ist der Leverkusener mit der Familie dort hingezogen. Er ist Mitglied im Schützenverein und im Heimatverein Hicksland. Radevormwald kennt er vom Unterschriften sammeln auf dem Marktplatz.

Rummler nennt sich liberal und konservativ. 17 Jahre war er Hotelier und selbstständig. Seine politische Heimat sah er viele Jahre bei der FDP. Rummler mochte Politiker wie Jürgen Möllemann und Guido Westerwelle. Und einen wie Helmut Schmidt, auch wenn der bei der SPD war. Dann kam die Eurorettung, und „seine“ FDP stimmte mit für die Finanzhilfen für Griechenland. „Das war der Verrat an den Grundsätzen dieser liberalen Partei“, sagt Rummler. 2014 trat er aus der FDP aus und bei der AfD ein.

Wie er heute zur Europäischen Union steht? Die AfD will, dass Deutschland die EU verlässt, den Euro abschaffen und die nationalen Währungen zurück. So steht es im Wahlprogramm, auch wenn alle Ökonomen sagen, dass die Exportnation Deutschland am meisten vom Euro profitiert. Ein Austritt aus der Union geht auch Rummler zu weit. Stattdessen will er „die EU reformieren und etwas Neues schaffen“.

Stichwort Klimawandel: Den habe es immer schon gegeben. Was stimmt: Die aktuelle Phase sei gleichwohl menschengemacht, sagen Wissenschaftler rund um den Globus. Bernd Rummler aus Lieberhausen sagt das nicht. Und selbst wenn es so wäre: „Vielleicht zwei Prozent der weltweiten Immissionen entfallen auf Deutschland“, sagt er. Mit anderen Worten: Was Deutschland auch unternehme, spiele für die klimatische Zukunft des Planeten bestenfalls eine untergeordnete Rolle.

Ohnehin sieht der Kandidat alternative Energiequellen kritisch. Windräder zum Beispiel. Rummler spricht von „riesigen Betonklötzen“, die in die Natur gebaut werden - die Fundamente der Anlagen. Und von Rotorblättern, die weil sie nicht recycelbar sind, „in der afrikanischen Wüste vergraben“ werden. Stattdessen will er das neue Kohlekraftwerk Datteln IV am Netz belassen und die Forschung an neuen Reaktortypen zur Nutzung der Atomenergie nicht aufgeben. „Es macht keinen Sinn, unsere Kernkraftwerke abzuschalten, wenn zeitgleich in Polen sechs neue gebaut werden“, sagt er. Andere wollen das starke Deutschland als Vorreiter beim Klimaschutz, Rummlers Sache ist das nicht.

„Das verrate ich nicht. Ich lasse mich aber gerne testen.“

Bernd Rummler auf die Frage, ob er gegen Corona geimpft sei

Ob er geimpft ist gegen Corona? „Das verrate ich nicht“, sagt er. „Ich lasse mich aber gerne testen.“ Wobei: Dass Ungeimpfte in Zukunft ihre Tests selbst bezahlen müssen, lehnt er ab. Stattdessen soll der Steuerzahler für sie aufkommen. „Ich finde diesen ganzen Impfdruck nicht in Ordnung“, erklärt Bernd Rummler. Und noch etwas: „Die Dauertests für Kinder halte ich für überflüssig.“ Wer mit den Gesundheitsämtern vor Ort spricht, erfährt, dass nach deren Beobachtung gerade die Tests dafür sorgen, dass sich die Coronaausbrüche an den Schulen in Grenzen halten.

Bernd Rummler steht nicht auf der Landesliste der AfD. Er könnte nur über das Direktmandat in den Bundestag einziehen. Wahrscheinlich ist das nicht. Ohnehin aber habe er nie eine politische Karriere angestrebt, sagt er. Es kam anders. Der gelernte Koch und ehemalige Hotelier verdient sei Geld heute als Referent für Öffentlichkeitsarbeit der AfD-Landtagsfraktion.

Zur Person

Bernd Rummler wurde am 23. September 1969 in Leverkusen geboren. Er ist verheiratet und hat drei Kinder (26, 18, 15 Jahre alt). Nach der Realschule absolvierte er eine Ausbildung als Koch und Hotelkaufmann und bildete sich zum Vertriebs- & Marketingmanager fort. Aktuell ist er Referent für Öffentlichkeitsarbeit der AfD-Landtagsfraktion. Seit 2014 ist er Mitglied der AfD.

Er ist AfD-Sprecher (Vorsitzender) für Oberberg, Beisitzer im Vorstand Bezirk Köln und Vorsitzender der AfD-Fraktion im Gummersbacher Stadtrat und im Kreistag.

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