Buch

Bergische erforschen Bahnstrecke

Thomas Kugel (l.) und Kurt Kaiß im gemeinsamen Stadtarchiv Wipperfürth-Hückeswagen mit dem Buch „Von Lennep bis ins Oberbergische“.
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Thomas Kugel (l.) und Kurt Kaiß im gemeinsamen Stadtarchiv Wipperfürth-Hückeswagen mit dem Buch „Von Lennep bis ins Oberbergische“.

Thomas Kugel und Kurt Kaiß haben das Buch „Von Lennep ins Oberbergische“ herausgebracht.

Von Sven Schlickowey

Mehr als 100 Jahre lang verkehrte zwischen Lennep und Wipperfürth die Bahn. Wo heute Radfahrer, Inline-Skater und Wanderer unterwegs sind, wurden einst Menschen und Güter über die Schiene transportiert. Auf einer Strecke, die „eine ganze Region geprägt hat“, wie Bahn-Fan Thomas Kugel sagt. „Ich wage zu behaupten, dass Hückeswagen und Wipperfürth heute nicht das wären, was sie sind, wenn es die Bahn nicht gegeben hätte“, sagt der Hückeswagener, der gemeinsam mit zwei weiteren Autoren ein Buch über die Bahnlinie geschrieben hat.

Standpunkt von Sven Schlickowey

Vorgestellt wurde das nun im gemeinsamen Stadtarchiv von Hückeswagen und Wipperfürth, in dem Kugler gemeinsam mit Lokführer Michael Peplies und Hauptautor Kurt Kaiß auch einen Großteil der Recherchearbeit erledigt hat. Dabei gaben die Autoren nicht nur Einblicke in ihre Arbeit, sondern auch in die Geschichte der Strecke.

1876 als private Bahn zwischen Lennep und Hückeswagen eröffnet und ein Jahr später bis Wipperfürth erweitert, wurde diese 1902 – inzwischen verstaatlicht – bis Marienheide ausgebaut. Als sogenannte Meliorationsbahn zur Erschließung wirtschaftsschwacher Regionen. 1986 endete schließlich der Personenverkehr auf dem Abschnitt. Am 31. Dezember 1995 wurde die Strecke dann ganz aufgegeben – kurz nach der Privatisierung der Bundesbahn.

Kurt Kaiß befasst sich seit vielen Jahren mit der Geschichte der Eisenbahn im Bergischen. Der pensionierte Lehrer aus Leichlingen, der 25 Jahre am Remscheider Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium unterrichtet hat, ist Autor zahlreicher Publikationen zum Thema. Die Idee, sich der Strecke zwischen Lennep und Marienheide zu widmen, sei ihm bei einer Tour durchs Oberbergische gekommen. „Weil es hier so schön ist.“ Eigentlich hatte er ein „Heftchen“ mit knapp über 100 Seiten geplant, sagt er. Aber die Quellenlage sei so gut gewesen, dass das Projekt immer weiter wuchs. Bis nun ein richtiges Buch mit mehr als 180 Seiten herauskam. „Aber wir hätten auch problemlos 250 oder 260 Seiten füllen können“, sagt Kaiß.

Dabei, das betonen die Autoren, sei das Buch nicht nur für Eisenbahnfreunde geeignet. Vielmehr spiegle die Geschichte der Bahnstrecke die gesellschaftliche Entwicklung wider. So wie beim Plan der Stadt Hückeswagen, um 1920 ihre Firmen über ein privates Nebengleis vom Bahnhof aus bis Kobeshofen an die Bahn anzuschließen.

Aufruf im RGA verhalf den Autoren zu Ansprechpartnern

„Das war damals nichts anderes, als wenn heute eine Stadt ein Industriegebiet auf der grünen Wiese plant: Es regte sich schnell Widerstand“, sagt Kugler, der dem „Industriebahn-Projekt“ ein eigenes Kapitel widmete. Angeführt von einem Bäcker aus der Peterstraße, organisierten sich die Gegner und brachten das Vorhaben zum Erliegen. Erst 1934 bekamen die beiden Unternehmen Beché & Grohs und Klingelnberg doch noch eigene Anschlüsse. Die bis 1995 sporadisch genutzt wurden.

Knapp drei Jahre forschten und schrieben Kugel, Peplies und Kaiß an dem Buch. „Seit Januar jeden Tag sieben bis acht Stunden“, wie Kurt Klaiß sagt. „Wir hatten ja den Termin mit der Druckerei.“ Nachdem sie eigene Quellen ausgeschöpft und Bekannte befragt hatten, suchten sie im Landesarchiv in Duisburg weiter, wo sie allerdings feststellen mussten, dass viele Aufzeichnungen zu der Strecke um 1910 enden.

DAS BUCH

DATEN „Von Lennep bis ins Oberbergische“ ist das achte Buch der Reihe „Rheinisch-Bergische Eisenbahngeschichte“, die im Leichlinger Verlag A. Kaiß erscheint. Weitere Teile widmen sich der Bahnlinie Solingen-Remscheid oder dem sogenannten „Balkanexpress“ zwischen Lennep und Opladen. Das Buch ist für 20 Euro im örtlichen Buchhandel erhältlich, zu finden unter der ISBN-Nummer 978-3981834505.

So starteten sie schließlich vor knapp zwei Jahren einen Aufruf im RGA. Und fanden so nicht nur Kontakt zu verschiedenen Geschichtsvereinen in Hückeswagen, Wipperfürth und Marienheide, sondern auch zu ehemaligen Fahrdienstleitern und Lokführern.

Der Schluss des Buches widmet sich dem Ende der Strecke. Der Radweg, der heute über die ehemalige Bahntrasse führt, sei ein „voller Erfolg“, schreiben die Autoren. „Nichtsdestotrotz hätte die KBS 412 reanimiert werden können, ja, nach heutigem Verständnis sogar müssen.“ Passieren wird das wohl nie. Aber ein Denkmal in Form eines Buches hat die Strecke nun bekommen. » Standpunkt

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