Herbstmühle

Beratungsstelle sucht Familienpaten

Vera Orbach (l.), Projektleiterin, und Familienpatin Manuela Stehr-Richelshagen aus Hückeswagen: Sie geht in Familien, betreut und spielt mit dem Nachwuchs. Foto: Claudia Radzwill
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Vera Orbach (l.), Projektleiterin, und Familienpatin Manuela Stehr-Richelshagen aus Hückeswagen: Sie geht in Familien, betreut und spielt mit dem Nachwuchs.

Projekt der Herbstmühle gibt es seit 2012.

Von Claudia Radzwill

Wipperfürth. Manuela Stehr-Richelshagen aus Hückeswagen ist seit zehn Jahren Familienpatin für die Beratungsstelle Herbstmühle. „Das Angebot richtet sich an Eltern, denen ein soziales Netzwerk fehlt, das sie auffängt - wie Großeltern oder Freunde“, sagt Vera Orbach, Leiterin des Projektes Familienpaten. „Die Ehrenamtlichen gehen in Familien, unterstützen dort im Alltag - bei der Kinderbetreuung oder durch Gespräche.“

Ansprechpartner, Freund, Helfer und Vertrauensperson sind die Paten, sagt Vera Orbach. Sie lernt die Familien zuvor kennen, schaut, mit welchen Paten „die Chemie stimmen könnte“. „Das ist ganz wichtig“, sagt sie. Wenn es nicht passt, könne jederzeit der Familienpate wie auch die Familie die Beziehung wieder auflösen.

Bei Manuela Stehr-Richelshagen war dies noch nie der Fall. Schon während ihrer Arbeit bei der Stadtverwaltung hat sich die 66-jährige Hückeswagenerin als Familienpatin engagiert. Derzeit unterstützt sie ein Elternpaar aus Rade mit einem herzkranken Baby, die sonst niemanden haben. „Die Operation ist gut verlaufen. Doch es gibt Ängste, da bin ich Gesprächspartnerin. Ich spiele auch mit dem Kind, gehe mit ihm spazieren. Damit die Mutter durchatmen kann, Zeit für sich hat.“ Es ist ihre fünfte Familie, die sie begleitet. „Ein bis zwei Jahre bleibt man meist in einer Familie. Einmal die Woche besuche ich sie, für zwei bis drei Stunden“, schildert Manuela Stehr-Richelshagen.

2012 ist das Projekt Familienpaten gestartet. Jutta Müller hat es ins Leben gerufen, die heutige Stellvertreterin von Vera Orbach. Die Familienberatungsstelle Herbstmühle mit Sitz in Wipperfürth vermittelt Paten in der Hansestadt, in Lindlar, Hückeswagen und Radevormwald. Im Fokus standen dabei zunächst Familien mit Kindern bis drei Jahre.

Durch die Pandemie hat sich die Nachfrage noch verstärkt.

Vera Orbach, Projektleiterin

„Das Angebot ist nun erweitert worden, Familien mit Kindern bis maximal fünf Jahre“, sagt Vera Orbach. Es gehe um die präventive Stärkung von Netzen und Alltagsbezügen. Wenn die Probleme schon tiefer seien, das ‘Kind in den Brunnen gefallen sei’, dann müssen professionelle Dienste aufgesucht werden.

Noch heute hat Manuela Stehr-Richelshagen zu von ihr einst betreuten Familien Kontakt. „Mit einer Mutter verbindet mich sogar eine Freundschaft.“ Was ihre Motivation ist, als Familienpatin zu wirken? „Es ist mir ein Bedürfnis“, sagt Manuela Stehr-Richelshagen mit einem Lächeln. „Es liegt in meiner Natur.“ Vera Orbach weiß aus Gesprächen mit Familienpaten, dass dies oft Menschen sind, die selbst viel Unterstützung bekommen haben und etwas von dieser Erfahrung weitergeben wollen. „Oder es sind Menschen, die selbst wenig Unterstützung hatten, die Situation nachempfinden können und helfen möchten.“

In der Coronazeit hat die Arbeit der Familienpaten geruht. Das niederschwellige Angebot der Herbstmühle für Familien musste lange pausieren. „In einer Zeit, wo gerade Familie eigentlich Hilfe bräuchten“, sagt Vera Orbach. Im Herbst 2021 konnte das Projekt wieder starten. Doch leider: „Die Paten sind uns weggebrochen.“ Einige haben Ängste um die Gesundheit in der Pandemie. Andere müssten sich zwischenzeitlich um Pflegefälle in der eigenen Familie kümmern. Fünf aktive Helferinnen sind momentan im Einsatz, eine neue kommt hinzu. Zwei pausieren. Vera Orbach würde sich über mehr Ehrenamtler freuen. Sie hat eine Warteliste von Familien: „Durch die Pandemie hat sich die Nachfrage noch verstärkt“, berichtet sie.

Die Familien, die sich bei ihr melden, kommen aus allen sozialen Schichten, sagt die Projektleiterin. Es sind Alleinerziehende, Familien mit vielen Kindern, junge Familien. Die Gründe, warum kein soziales Netzwerk sie auffängt, seien so unterschiedlich wie die Familien selbst.

Hintergrund

Familienpaten: Paten schenken Kindern Zeit und sind Gesprächspartner der Eltern. Mitbringen sollten Paten Toleranz, Belastbarkeit, Alltagspraktisches und erzieherisches Erfahrungswissen. Wer Interesse hat, Familienpate zu werden, der kann sich unter Tel. (01 76) 55 74 35 24 oder per E-Mail bei Vera Orbach melden.

familienpatenbetreuung@ gmw.de

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