Historisches Foto

In der Bahn konnte man abschreiben

Der Bahnhof mit Verladerampe. Foto: RGA-Archiv/Rudi Honsberg
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Der Bahnhof mit Verladerampe.
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Das abgerissene Bahnhofsgebäude zeigte das historische Foto vergangene Woche.

Von Wolfgang Stüwe und Karsten Mittelstädt

Den alten Hückeswagener Bahnhof und die dazugehörigen Güterschuppen mit Laderampe zeigte das historische Foto der vergangenen Woche. „Das ist der Bahnhof mit der Gaststätte“, berichtete Brigitte Rausch am Telefon. „Ich bin da sehr oft gewesen.“ Für sie war es kein Problem, das historische Foto richtig zuzuordnen. „Ich habe in Lennep gearbeitet und bin bis Ende der 1960er Jahre mit dem Schienenbus zur Arbeit gefahren“, erzählte sie. „Schade, dass das alte Bahnhofsgebäude abgerissen wurde.“

Die Laderampe mit der dahinterliegenden Gaststätte erkannte auch Klaus Pütz sofort wieder. Er erinnert sich noch sehr gut, wie er 1987 sein Moped über diese Laderampe mit der Bahn Richtung Oberstdorf verschickte. Damals war der Güterverkehr noch in Betrieb.

Sehr viele Erinnerungen verbindet auch Ingo Hess mit dem früheren Hückeswagener Bahnhof. „Ich bin viele Jahre mit dem Schienenbus zur Schule gefahren“, erzählt Hess, den viele Hückeswagener als langjährigen Leiter des Chores Modern Generation kennen dürften. 1981 wechselte er von der Städtischen Realschule zur Höheren Handelsschule nach Wipperfürth. „Ich bin damals täglich nach Wipperfürth gefahren.“ Die Fahrt im Schienenbus hatte einen wesentlichen Vorteil gegenüber der Busverbindung nach Wipperfürth. „Im Zug konnte man noch prima abschreiben“, sagte Hess.

Generationen von Schülern nutzten das, bis der Personenverkehr auf der Bahnlinie Lennep-Marienheide schrittweise eingestellt wurde. Veränderungen gab es schon 1975, als einer großen Stückgutreform der Bahn mehrere Verladestellen zum Opfer fielen.

Als das historische Foto 1978 entstand, war von Stilllegung noch nicht die Rede. Im Gegenteil. Anlass für das Foto waren die Pläne, den Bahnhofsplatz neu zu gestalten. Nach Gesprächen mit der Bahn erklärte der damalige stellvertretende Stadtdirektor Hans-Jürgen Pauck im Planungsausschuss, dass man mit 2,7 Millionen Mark für die Umgestaltung auskommen werde. Drei Gleise sollten wegfallen und durch zwei neue ersetzt werden, denn die Bahn wolle die Hückeswagener Umschlagstelle für den Güterverkehr erhalten. Es kam anders.

Am 13. Mai 1876 wurde die Wipptalbahn eröffnet. 1893 wurden der Bahnhof in Winterhagen und die Haltestelle Hämmern errichtet. Hückeswagen und die angrenzenden Städte erlebten auch dadurch wirtschaftlichen Aufschwung. 1952 und 1955 wurden noch neue Haltestellen eingerichtet, unter anderem die Haltestelle Bevertalsperre. Ab 1960 Begann der Niedergang. Damals wurde die Stückgutabfertigung in Winterhagen eingestellt. Ab 1980 fuhr der Zug nur noch von Lennep bis Marienheide und nicht darüber hinaus. 1982 wurde der Bahnhof Hückeswagen zur Haltestelle degradiert. 1985 folgte die Einstellung des Güter- und Personenverkehrs zwischen Marienheide und Wipperfürth. Wegen des Schülerverkehrs fuhr der Personenzug zwischen Lennep und Wipperfürth-Ost noch weiter. Am 31. Mai 1986 wurde der Zugverkehr nach 110 Jahren eingestellt. 1998 endete die Sicherung der Trasse, der Panoramaradweg wurde darauf erstellt.

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