Bundestagswahl 2021

Backstube oder Bundestag, das ist hier die Frage

Die drei Briefwahlvorstände begannen ihre Arbeit bereits am Nachmittag. Das Interesse an der Präsentation im Glaspalast der Wahlergebnisse hielt sich diesmal in Grenzen. Die Vertreter der SPD waren so gut gelaunt, dass das sogar Bürgermeister Dietmar Persian im Bild festhalten musste. Die Grünen feierten vor dem Eiscafé, mit Unterstützung des SC Heide. Fotos: Sven Schlickowey
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Die drei Briefwahlvorstände begannen ihre Arbeit bereits am Nachmittag. Das Interesse an der Präsentation im Glaspalast der Wahlergebnisse hielt sich diesmal in Grenzen. Die Vertreter der SPD waren so gut gelaunt, dass das sogar Bürgermeister Dietmar Persian im Bild festhalten musste. Die Grünen feierten vor dem Eiscafé, mit Unterstützung des SC Heide.

Die Wahlabend in Hückeswagen: SPD und Grüne feiern, FDP-Kandidat hofft, CDU freut sich für ihren Kandidaten.

Von Sven Schlickowey

Es war der Satz des Abends im Hückeswagener Glaspalast, der nach der Präsentation der ersten Prognosen nahezu im Minuten-Rhythmus fiel: „Das wird eine lange Nacht“, waren sich Bürgermeister, Parteivorsitzende und auch nahezu alle anderen politisch interessierten Bürger, die es diesmal nicht ganz so zahlreich vor das Bürgerbüro zog, einig. Denn es gab zwar klare Sieger und Verlierer an diesem Wahlabend. Was man aus dem Ergebnis aber machen soll, das war nicht ganz so eindeutig.

Bundestagswahl 2021: Die Einzelergebnisse aus 15 Wahllokalen in Hückeswagen

„Die Regierungsbildung wird sich wohl lange hinziehen“, fasste es der Hückeswagener CDU-Vorsitzende Marc von der Neyen knapp zusammen. Dabei seien FDP und Grüne wohl das Zünglein an der Waage. Und wenn es doch wieder auf eine Große Koalition hinaus liefe? „Dann ist das so“, blieb von der Neyen pragmatisch. „Allerdings müssen wir erst sehen, ob das Tischtuch nach diesem Wahlkampf nicht endgültig zerschnitten ist.“

„Wir könnten heute drei Wahlen an einem Tag gewinnen. Ich weiß noch nicht mal, wie es ist, eine zu gewinnen.“

Leon Gräbner, Juso-Vorsitzender

Das Ergebnis seiner Partei im Bund sei sicherlich kein Grund zur Freude, gab der Hückeswagener CDU-Chef zu. Doch der Blick nach Gummersbach stimmte ihn froh. Weil dort die SPD bei den Zweitstimmen nahezu gleich auf mit den Christdemokraten lag, deren Direktkandidat Dr. Carsten Brodesser hingegen einen etwas größeren Vorsprung hatte: „Das zeigt, dass Carsten sehr beliebt ist im Kreis.“
Hier geht´s zu den Ergebnissen: Brodesser holt Wahlkreis, Engelmeier muss bangen

Bei einem durchaus vergleichbaren Ergebnis sehr viel besser gelaunt präsentierte sich Horst Fink, der Vorsitzende der Hückeswagener SPD: „Heute gibt es endlich wieder mal etwas zu feiern.“ Wohl auch, weil die Sozialdemokraten ihren besten Kanzlerkandidaten aufgestellt hätten, so Fink: „Da bin ich mir bei den anderen nicht so sicher.“

Wie sehr die alte Tante SPD nach diesem Erfolg gelechzt hatte, auch in der Schloss-Stadt, zeigte der Juso-Vorsitzende Leon Gräbner. Der Chef des sozialdemokratischen Nachwuchses in Hückeswagen sagte mit Blick auf die beiden parallel stattfindenden Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin: „Wir könnten heute drei Wahlen an einem Tag gewinnen. Ich weiß noch nicht mal, wie es ist, eine zu gewinnen.“

Eine lange Nacht wurde es auch für Jörg von Pohlheim. Der Hückeswagener Bäckermeister konnte sich angesichts der ersten Prognosen gute Chancen ausrechnen, erneut für die FDP in den Bundestag einzuziehen, wie schon 2012, als er bis zum Ende der Legislaturperiode nachrückte. Landeslistenplatz 27 könnte reichen – insbesondere wenn das Parlament durch Überhangmandate weiter wächst. „Ob es geklappt hat, weiß ich wohl erst morgen früh, wenn ich schon wieder in der Backstube stehe“, sagte von Pohlheim, bevor er sich ins Gummersbacher Kreishaus aufmachte.

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Und auch die Grünen hatten sich auf eine lange Nacht eingerichtet, allerdings nicht im Glaspalast, sondern nebenan im Eiscafé. „Wir haben gesagt: Egal, was kommt, wir machen eine Party“, erklärte die Vorsitzende Shirley Finster. Schließlich sei das Ergebnis ihrer Partei Grund zur Freude: „Und das, nachdem kübelweise Hass und Hetze über uns ausgegossen wurden.“ Wochenlang habe man über die Lebenslauf von Annalena Baerbock geredet. „Aber nicht einmal zwei Tage über Cum-Ex.“ Es brauche starke Grüne in der Regierung, um eine gute Umweltpolitik zu machen, so Finster. Ziel sei nun eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP – „wenn Lindner nicht wieder das Handtuch wirft“.

Mit den Grünen feierte auch eine kleine Abordnung des SC Heide, wohl nicht nur, weil Grün zu den Vereinsfarben des Fußballclubs gehört. Die Spieler hatten ein Transparent mitgebracht, auf dem „No to Racism!“ zu lesen war. „Für den Fall, dass sich hier jemand von der AfD blicken lässt“, wie sie erklärten. Als Markus Lietza, Fraktionsvorsitzender der AfD im Hückeswagener Stadtrat, am Glaspalast eintraf, waren die Fußballer allerdings bereits nach nebenan auf die Grünen-Party gegangen.

Hintergrund: Wahl in Hückeswagen

In 15 Wahllokalen verteilt über das ganze Stadtgebiet konnten die Hückeswagener ihre Stimmen abgeben. Zudem gab es noch drei Briefwahlvorstände. Denn rund 3900 Stimmen und damit mehr als 40 Prozent aller 9170 abgegebenen landeten diesmal per Briefwahl in den Urnen. Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren lag der Anteil der Briefwähler bei ähnlicher Wahlbeteiligung mit 2133 noch deutlich niedriger.

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