Pfarrcäcilienchor

Aus für den Chor nach 217 Jahren

2005 hatte der Pfarrcäcilienchor zum 200-jährigen Bestehen einige Glanzlichter gesetzt.
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2005 hatte der Pfarrcäcilienchor zum 200-jährigen Bestehen einige Glanzlichter gesetzt.

Mitte August wird beim katholischen Pfarrcäcilienchor intern Abschied gefeiert.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen. Nach 217 Jahren fällt beim katholischen Pfarrcäcilienchor der letzte Vorhang, die zuletzt nur noch etwa 17 Sängerinnen und Sänger des Traditionschors haben bei der jüngsten Mitgliederversammlung beschlossen, Pfarrer Marc D. Klein um die Auflösung des Vereins und damit des Kirchenchors zu bitten. Seitdem die langjährige Chorleiterin Inga Kuhnert zum 31. Januar 2017 ihr Arbeitsverhältnis gekündigt hatte, war der Pfarrcäcilienchor nie wieder richtig auf die Beine gekommen. 13 Jahre hatte die heutige Kantorin der Evangelischen Kirchengemeinde den katholischen Chor geleitet und dabei so manches eindrucksvolle Konzert mit den Sängerinnen und Sängern auf die Beine gestellt.

Die Nachfolgersuche habe sich schwierig gestaltet, sagen die Vorsitzende Ursula Klatt und ihre Stellvertreterin Claudia Pille, beide seit 35 bzw. etwa zehn Jahren im Chor. „Wir haben sehr intensiv und auf allen uns möglichen Kanälen nach einer Nachfolge für Christine Langmaack gesucht“, versichert Ursula Klatt.

Christine Langmaack war im April 2018 auf Carsten Homberg gefolgt. Den Lindlarer hatte der Kirchenchor Mitte 2017 via Ebay-Suchanzeige gefunden, die Zusammenarbeit hielt jedoch kein halbes Jahr. Mit Christine Langmaack war dann, so hatte es zumindest den Anschein gehabt, wieder Ruhe und Beständigkeit eingekehrt. Allerdings hatte die diplomierte Opernsängerin nach einem an sich sehr harmonischen Konzert im November 2019 kurze Zeit später ebenfalls gekündigt. „Danach sind einige Chormitglieder ausgestiegen – und dann kam Corona“, sagt Claudia Pille.

Die Entscheidung fiel einstimmig

Natürlich habe dann erst einmal alles geruht, wie auch bei allen anderen Chören. Eine Nachfolge zu finden sei dadurch aber auch nicht einfacher geworden. „Das Problem ist, dass Chorleiterinnen und -leiter in aller Regel nicht nur einen Chor betreuen. Und jeder, der neu dazu kommt, muss sich erst einmal unterordnen“, sagt Ursula Klatt.

„Wir wollten aber schon die Liturgie begleiten, wir sind schließlich ein Kirchenchor.“ Wenn ein Dirigent dann bereits einen Kirchenchor leitet, sind Terminschwierigkeiten programmiert. „Wir waren im Gespräch mit einem Kirchenmusiker aus Kürten, der auch ein paar Proben geleitet hat. Und letztlich ist es dann genau daran gescheitert“, erzählt Claudia Pille. Sie selbst habe die Vize-Chorleiterinnenausbildung gemacht und hätte zur Überbrückung die Leitung übernehmen können. „Aber nur, wenn da eine Perspektive gewesen wäre.“

Schweren Herzens habe man sich dann dazu entschlossen, den Chor aufzulösen. „Wir haben das einstimmig beschlossen. Eben auch, weil gut die Hälfte der noch verbliebenen Sängerinnen und Sänger schon über 80 Jahre alt ist“, betont Ursula Klatt.

Neben der fehlenden Leitung sei der Nachwuchsmangel das zweite große Problem. „Früher gab es die ,Schlossspatzen‘, daraus ist dann der Nachwuchs für den Kirchenchor gekommen“, erinnert sich Ursula Klatt. Ein solches Engagement habe der Stellenumfang der Chorleitung letztlich nicht zugelassen. Auch Biggi Tilch, seit gut einem Jahr Küsterin, Organistin und Nachfolgerin von Hans-Peter Arnold in der Kirchengemeinde, konnte die Chorleitung nicht übernehmen. Die Gemeinde selbst, betonen sowohl Ursula Klatt als auch Claudia Pille, habe sehr hinter dem Chor gestanden. „Wir wurden sehr oft gefragt, wann wir denn wieder singen würden“, sagt Ursula Klatt. Allerdings habe ihr mehr Unterstützung von offizieller Seite der Kirchengemeinde gefehlt. Zwar sei eine Anzeige geschaltet worden, aber mehr auch nicht. „Das macht mich schon traurig“, stellt sie klar. Zum Abschluss habe man noch eine weitere liebgewonnene Tradition des Pfarrcäcilienchors gemacht – eine gemeinsame Fahrt. „Wir waren sowohl in Süd-, aber auch in Nord- und Ostdeutschland. Und jetzt waren wir Mitte Mai noch einmal für drei Tage in Dresden – mit einem schönen Programm“, berichtet Claudia Pille. Das Ende hätten alle verbliebenen Mitglieder da schon vor Augen gehabt. „Auch in diesem Wissen ist das eine schöne Fahrt gewesen“, betont Ursula Klatt.

Was nun bleibe, seien zum einen die Erinnerungen an diese Fahrten und Ausflüge. Aber auch an die vielen und oft auch großen Konzerte. Etwa das „Utrechter Tedeum“ von Georg Friedrich Händel 2008, die Konzerte im Jubiläumsjahr 2005 oder auch die Teilnahme am Pop-Oratorium „Die 10 Gebote“ in Wipperfürth 2014. Was fehlen werde, sei die Gemeinschaft. Da sind sich beide ehemaligen Cäcilianerinnen einig: „Singen bildet Gemeinschaft und verbindet“, sagt Ursula Klatt – und klingt dabei ein wenig traurig.

Hintergrund

Feier: Zu einer Abschiedsfeier im Kolpinghaus lädt der Vorstand des Pfarrcäcilienchors die ehemaligen Sängerinnen und Sänger für Donnerstag, 25. August, 18 Uhr, ein. „Niemals geht man so ganz“, habe sich der Vorstand gesagt, und so könne man an einem Abend noch einmal in Erinnerungen an Aufführungen und gemeinsame Ausflüge schwelgen.

Chor: Mit dem Ende des Pfarrcäcilienchors gibt es in der Katholischen Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt keinen Chor mehr. Gegründet wurde der Chor bereits 1805.

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