Partnerschaft

Aus Fremden sind Freunde geworden

Die Stimmung auf dem Schloss-Platz war ausgezeichnet. Bürgermeister Dietmar Persian (mit Amtskette) hat seinen Amtskollegen Franck Tindiller (l.) und dessen Vorgänger Philippe Fait (r.). untergehakt. Mit anderen Gästen wurde zu französischen Melodien geschunkelt.
+
Die Stimmung auf dem Schloss-Platz war ausgezeichnet. Bürgermeister Dietmar Persian (mit Amtskette) hat seinen Amtskollegen Franck Tindiller (l.) und dessen Vorgänger Philippe Fait (r.). untergehakt. Mit anderen Gästen wurde zu französischen Melodien geschunkelt.

Mit einem rauschenden Festwochenende krönen die Städte Etaples und Hückeswagen das goldene Jubiläum ihrer Partnerschaft.

Von Theresa Demski

Kaum sind die letzten Worte der Festreden verhallt, stimmt die französische Musikgruppe eine Melodie an. Und kaum nippen die ersten Besucher nach dem offiziellen Festakt am Sekt, schnappt sich Michael Margolle das Mikrofon. Er beginnt zu singen, seine Landsleute stimmen fröhlich ein und beginnen auf dem Platz zu schunkeln. „So kennen wir ihn“, sagt Michael Müller grinsend. Seine Eltern gehörten zu den ersten Gastfamilien, die den französischen Freunden 1972 die Türen öffneten. Michael Margolle war damals ihr Gast.

„Das war meine erste Reise ins Ausland, meine erste Reise nach Deutschland“, erinnert sich Margolle. Es sei damals nicht üblich gewesen, viel zu verreisen. Seine Eltern seien sehr skeptisch gewesen, als der Sohn die Reise Richtung Deutschland antrat. Zu schmerzhaft waren die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg.

„Und unsere Eltern und Großeltern hatten ja auch mit ihren Erinnerungen zu tun“, sagt Manfred Vesper, ehemaliger Bürgermeister: „Zwei der vier Kinder meines Großvaters sind im Krieg geblieben.“ Aber Vesper erinnert sich auch die französischen Gefangenen, die mit ihnen in den Wald geflohen seien, wenn Tiefflieger kamen. „Wenn man diese Zeit mitgemacht hat, dann ist das etwas ganz anderes“, sagt er. Auch deswegen seien ihm die Verbindungen nach Frankreich immer so wichtig gewesen: „Wir müssen als Menschen in Kontakt sein.“

Auch Therese Guerville, die Frau des inzwischen verstorbenen, ehemaligen Bürgermeisters aus Etaples, war beim ersten Besuch der Franzosen in Hückeswagen 1972 dabei: „Das war für uns als junge Menschen selbstverständlich: Wir wollten Frieden und wir wollten den Kontakt nach Deutschland.“ Deswegen seien sie damals mit ihren kleinen Kindern mit dem Zug aufgebrochen. Ein halbes Jahrhundert später sind sie wieder da – inzwischen mit Enkeln und Urenkeln. „Vier Generationen“, sagt sie, „die Verbindung lebt weiter.“

Das bestätigt Joelle Callsen-Lemoult, Vorsitzende des Partnerschaftskomitees in Hückeswagen: „Diese Städtepartnerschaft lebt vor allem durch Beziehungen.“ In diesem Jahr feiert sie ihr 50-jähriges Bestehen.

Der neue Bürgermeisterist hier kein Unbekannter

In beiden Städten haben sich seitdem jeweils sieben Bürgermeister die Klinke in die Hand gegeben. Franck Tindiller wurde in Etaples jüngst zum neuen Stadtoberhaupt gewählt. Er war mit der Musikgruppe und dem Akkordeon bereits hier zu Gast. „Es ist etwas ganz anderes, jetzt in offizieller Funktion hierher zu kommen“, sagt er. Noch trennen ihn und den Bürgermeisterkollegen Dietmar Persian sprachliche Hürden. „Aber am Ende ist das eine Sache der Herzen“, sagt Persian, „und wir fühlen uns verbunden.“

Auch Philippe Fait hat sich die Reise zum Festwochenende in der Partnerstadt nicht nehmen lassen. Gemeinsam erinnern sie am Samstagmorgen im Schlosshof an die Geschichte ihrer Freundschaft. Stefanie Hölzle und Daniel Marsch spielen französische Melodien, die Offiziellen haken sich ein und schunkeln. „Aus Fremden sind Freunde geworden“, sagt Persian. „In Europa ist wieder Krieg, die unzerbrechliche Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland bleibt wichtig.“

Deswegen setzt das Partnerschaftskomitee nach den schwierigen Zeiten der Pandemie nun auf eine „Wiederbelebung“: „Wir wollen an diesem Festwochenende auch über die Zukunft sprechen“, sagt Jean-Luc Leprete, Vorsitzender des Komitees in Etaples und ist sich dabei mit der Hückeswagener Amtskollegin einig. „Heute weht ein anderer Geist als vor 50 Jahren“, sagt Joelle Callsen-Lemoult, „wir werden neue Ideen entwickeln müssen, damit sich die jungen Menschen begegnen.“

Programm

Ankunft: Mit einem geselligen Abend im Forum begrüßten die Gastgeber am Freitag die Freunde aus Frankreich – mit Musik und Videos der Schüler.

Casino: Am Samstagabend trafen sich Gastgeber und französische Gäste im Casino der Firma Flitsch.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Dicke Raupe wird ein Weinschwärmer
Dicke Raupe wird ein Weinschwärmer
Dicke Raupe wird ein Weinschwärmer
Beeh und Mombauer gründen Verein
Beeh und Mombauer gründen Verein
Beeh und Mombauer gründen Verein

Kommentare