Tradition und Bräuche

Annäherung durch gegenseitige Offenheit

Die iranisch-afghanische Familie Shams/Mohamadi lernt das Weihnachtsfest kennen: Vater Saeed Shams und Nasimah Mohamadi mit den Söhnen Saman (14, l.), Roham (M., 9) und Benjamin (3/auf dem Arm).
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Die iranisch-afghanische Familie Shams/Mohamadi lernt das Weihnachtsfest kennen: Vater Saeed Shams und Nasimah Mohamadi mit den Söhnen Saman (14, l.), Roham (M., 9) und Benjamin (3/auf dem Arm).

Saeed Shams, seine Frau Nasimah Mohamadi und ihre drei Kinder möchten Tradition und Bräuche ihrer neuen Heimat kennenlernen.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Unterschiedliche Religionen feiern unterschiedliche Feste. Für Menschen, die aus einem anderen Kulturkreis nach oder Hückeswagen gekommen sind, ist Weihnachten alles anderes als selbstverständlich. So etwa auch bei der muslimischen Familie von Saeed Shams, seiner Frau Nasimah Mohamadi und den drei Söhnen Saman, Roham und Benjamin.

Wobei sie Weihnachten schon kennen, auch aus ihrer Heimat, versichern die 34-Jährige und ihr zwei Jahre älterer Mann, die zu viert Mitte 2016 aus dem Iran nach Hückeswagen geflohen waren. Die Familie hat in der Schloss-Stadt eine neue Heimat gefunden und hat sich vergrößert. Der dritte Sohn Benjamin ist vor drei Jahren in Wipperfürth geboren worden.

„Ich habe im Iran als Gerüstbauer gearbeitet. Auch bei armenischen Familien, die ja meistens Christen sind“, erzählt Saeed Shams. Dort habe er dann auch weihnachtliche Bräuche mitbekommen. Wobei die Situation sowohl im Iran als auch in Afghanistan auch damals schon für Christen alles andere als einfach war. „Es ist eine Menge Druck, der auf sie von den Regierungen – ob nun den Mullahs im Iran oder den Taliban in Afghanistan – ausgeübt wird“, sagt der 36-Jährige.

Ihre Zukunft sieht die Familie in Deutschland

Die jetzt fünfköpfige Familie lebt seit gut fünf Jahren in Hückeswagen. Und auch, wenn sie sich wohl und vor allem sicher fühlten, sei da natürlich immer auch eine gewisse Traurigkeit mit im Spiel, wenn sie an zu Hause denke, sagt Nasimah Mohamadi ernst. „Mein Bruder ist vor kurzem gestorben, ich konnte nicht für meine Familie da sein. Aber auf der anderen Seite haben meine Kinder hier eine Zukunft.“ Überhaupt sieht die Familie diese Zukunft in Deutschland – und das gehe nur, wenn sie die neue Kultur auch kennenzulernen bereit sei. Wenn sie wisse, was die Menschen hier glaubten, was sie feierten, welche Traditionen und Bräuche es gebe. „Wenn man den Kontakt zu den Menschen nicht hat, dann ist es wirklich sehr schwer, in einem fremden Land anzukommen“, sagt die 34-Jährige. Um dem entgegenzuwirken, gehe sie etwa regelmäßig ins Café Kiwie in Wiehagen, eben weil dort Hückeswagener und Geflüchtete zusammenkämen.

Weihnachten sei so ein Fest, über das man die Kultur in der neuen Heimat kennenlerne. „Ich habe in meiner Kindheit im Iran schon mal einen Christbaum gesehen“, versichert Nasimah Mohamadi. Und im Islam werde Jesus auch als einer der fünf Propheten verehrt. „Nur feiern wir eben seine Geburt nicht und sehen ihn auch nicht als Sohn Gottes an“, sagt Saaed Shams. Aber natürlich bekämen sie die Vorbereitung auf das christliche Fest mit, wie seine Frau sagt. „Es riecht manchmal nach – wie heißen diese kleinen Gebäckteile?“, fragt sie. „Plätzchen“, ergänzt ihr Mann. „Ja, genau. Nach Plätzchen. Und überall sind Kerzen und Lichter und Schmuck – das ist sehr schön“, versichert Nasimah Mohamadi.

Die Familie war in diesem Jahr sogar auf dem Weihnachtsmarkt. „Dort hat mich eine Bekannte an ihrem Stand entdeckt und mir einen Kinderpunsch eingeschenkt. Der Weihnachtsmarkt war wirklich schön“, sagt die 34-Jährige. Die großen Feste im Islam seien das Zuckerfest und das Opferfest. „Beides sind richtige Familienfeste“, erläutert ihr Mann. Es gibt Geschenke, gutes Essen, man ist zusammen – „im Grunde kann man sagen, dass wir im Islam ganz ähnlich feiern, nur eben aus unterschiedlichen Anlässen.“

Sie seien schon mehrfach von deutschen Freunden eingeladen worden, zuletzt im Vorjahr nach Scheideweg. „Es war eine junge Familie mit Kindern im Alter unserer Kinder. Es war wirklich sehr schön, wir haben gemeinsam gegessen und getrunken – es wurde gesungen, die Lieder waren sicherlich fremd für uns, aber wie ich schon sagte: Nur so kann man die Kultur eines Landes kennenlernen“, sagt Nasimah Mohamadi.

In diesem Jahr wird es anders sein. „Wir sind zu Hause, werden die freie Zeit genießen und Spaziergänge mit den Kindern machen.“ Ein bisschen adaptiert hat die Familie die Weihnachtsbräuche allerdings doch. Denn in ihrer Wohnung hängt nicht nur Wandschmuck mit arabischer Schrift, sondern es steht auch ein kleiner Teller mit Tannengrün und einem rot-weißen Nikolaus darauf auf dem Wohnzimmertisch. Ein kleiner Schritt der Integration – aber letztlich kann das gegenseitige Annähern nur durch Offenheit für die andere Kultur passieren. Die iranisch-afghanische Familie hat das sehr gut erkannt.

Hintergrund

Zuckerfest; das auch als Fest des Fastenbrechens bezeichnete Zuckerfest schließt sich an den Fastenmonat Ramadan an. Der wird im 9. Monat des islamischen Mondkalenders gefeiert – das heißt, der Termin verschiebt sich jedes Jahr. Das Zuckerfest ist der zweithöchste Feiertag im Islam.

Opferfest: Der höchste Feiertag ist das Opferfest, das vier Tage dauert. Da sich auch dieser Feiertag nach dem Mondkalender richtet, kann das Opferfest in allen vier Jahreszeiten stattfinden. Dabei wird des Propheten Ibrahim gedacht, der bereit war, seinen Sohn Ismail Allah zu opfern. Allah ließ das allerdings nicht zu, und aus Dankbarkeit opferten Ibrahim und Ismail einen Widder.

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