Grundsatzurteil

Ärger um Kopftuch am Arbeitsplatz

Kopftuch am Arbeitsplatz? Für eine Hückeswagenerin sollte das zum Problem werden. Dann stellte sich aber alles als ein Missverständnis dar. Foto: Martin Schutt/dpa
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Kopftuch am Arbeitsplatz? Für eine Hückeswagenerin sollte das zum Problem werden. Dann stellte sich aber alles als ein Missverständnis dar.

Lama Hasan ist 2015 aus Syrien nach Deutschland gekommen. Jetzt hat sie sich um eine Stelle beworben, aber es gab ein Missverständnis.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen. Im Sinne einer konsequenten Neutralitätspolitik können Unternehmen das Tragen religiöser Symbole am Arbeitsplatz verbieten – der Europäische Gerichtshof hat darüber am 15. Juli 2021 in einem Grundsatzurteil entschieden. Dabei ging es um den Fall einer muslimischen Arbeitnehmerin, die bei einer Drogeriemarktkette angestellt war, dort aber das Kopftuch, das sie aus religiösen Gründen trug, abnehmen musste. Die Frau habe sich in ihrer Religionsfreiheit diskriminiert gefühlt, ihre Klage ging bis zum Bundesarbeitsgericht und von dort dann zum Europäischen Gerichtshof.

Konkret hier vor Ort geht es um die 44-jährige Syrerin Lama Hasan, die mit ihren vier Kindern und ihrem Ehemann 2015 aus dem vom Bürgerkrieg umkämpften Homs nach Deutschland geflohen und in Hückeswagen angekommen ist. „Ich habe eine Arbeitsstelle gesucht, bei eBay habe ich eine Anzeige von McDonald’s in Wipperfürth gesehen und mich beworben“, sagt sie. Mitte November sei das gewesen, sie sei auch direkt zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden, das sehr angenehm verlaufen sei, wie die 44-Jährige sagt.

Man hat mir mitgeteilt, dass ich anfangen könnte – wenn ich mein Kopftuch abnehmen würde.

Lama Hasan

„Ich sollte dann für einen Tag zum Probearbeiten kommen, was für mich auch in Ordnung war“, sagt sie. Zuvor war sie noch im Kreisgesundheitsamt in Gummersbach für die arbeitsmedizinische Untersuchung. Lauter positive Signale, so dass sie davon ausgegangen sei, die Stelle zu bekommen.

Beim Vorstellungsgespräch und beim sich anschließenden Probearbeiten habe sie, wie immer, ihr Kopftuch getragen. „Es ist für mich aus religiösen Gründen einfach wichtig“, betont Lama Hasan. Nach der Probe-Schicht habe man ihr einen Arbeitsvertrag mitgegeben, damit sie ihn sich durchlesen könne. Bis dahin sei alles in Ordnung gewesen.

Dann habe sie allerdings ein paar Tage nichts mehr gehört, so dass sie irgendwann im Fastfood-Restaurant angerufen habe. „Und dann hat man mir mitgeteilt, dass ich anfangen könnte – wenn ich mein Kopftuch abnehmen würde“, sagt Lama Hasan. Das allerdings sei für sie überhaupt nicht in Frage gekommen. „Für mich ist das Kopftuch ein Ausdruck meiner Religiosität“, sagt die 44-Jährige.

Besonders verärgert habe sie aber, dass man ihr nicht von Anfang an gesagt habe, dass das Kopftuch ein Problem sei. „Ich war immer mit Kopftuch angezogen, es hätte genug Möglichkeiten gegeben, das zu thematisieren“, sagt Lama Hasan. Vor allem auch den Weg nach Gummersbach hätte sie sich dann natürlich sparen können.

Lama Hasan hat zwischenzeitlich einen anderen Job gefunden – in der Produktion bei der Wipperfürther Firma Voss. Dort sei es egal, dass sie ein Kopftuch trage. „Ich habe die Stelle über eine Zeitarbeitsfirma vermittelt bekommen. Mein Kopftuch war hier überhaupt kein Problem“, sagt die 44-Jährige. Sie habe von Bekannten schon einmal gehört, dass sie Probleme mit dem Kopftuch gehabt hätten. „Mir selbst ist das aber noch nie passiert. So etwas habe ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht erlebt“, sagt Lama Hasan.

Kopftuch sei sehr wohl erlaubt - aber nicht das eigene

Auf Nachfrage dieser Redaktion antwortete die Pressestelle des Fast-Food-Konzerns: „Wir haben diesbezüglich mit dem Restaurant-Management vor Ort in Wipperfürth gesprochen“, heißt es in einer schriftlichen Reaktion. Im geschilderten Fall sei es wohl zu einem „äußerst unglücklichen Missverständnis“ gekommen, man sei froh, dieses aufklären zu können. Und zwar könne Lama Hasan durchaus mit Kopftuch bei McDonald’s arbeiten – nur eben nicht mit ihrem eigenen. „Wenn sie die Stelle noch antreten wollen würde, müsste sie ein Kopftuch tragen, das Bestandteil der bestehenden Uniformen ist. Das Management aus Wipperfürth wird Frau Hasan aber ebenfalls noch einmal kontaktieren, um das Missverständnis aufzuklären.“

Hintergrund

EuGH: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat seinen Sitz in Luxemburg und ist das höchste recht-sprechende Organ der Europäischen Union. Gegründet wurde der EuGH bereits im Jahr 1952.

Aufgabe: Seine Aufgabe ist es, darauf zu achten, dass EU-Recht in allen EU-Mitgliedsländern auf die gleiche Weise angewendet wird. Er sorgt auch dafür, dass Länder und EU-Institutionen das EU-Recht einhalten.

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