Montanusschule

Acht Kinder aus der Ukraine lernen Deutsch

Montanusschul-Lehrerin Kerstin Knoll (hinten an der Tafel) unterrichtet derzeit acht Kinder aus der Ukraine, ein Mädchen aus Polen und eines aus Afghanistan in Deutsch als Zweitsprache.
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Montanusschul-Lehrerin Kerstin Knoll (hinten an der Tafel) unterrichtet derzeit acht Kinder aus der Ukraine, ein Mädchen aus Polen und eines aus Afghanistan in Deutsch als Zweitsprache.

An der Montanusschule gibt es eine Sonderklasse – Zwei Lehrerinnen und eine Aushilfe decken 17 Wochenstunden ab.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen. Wer auf der Flucht ist und in ein fremdes Land kommt, weil in der Heimat Krieg herrscht, hat möglicherweise nicht als Erstes Schulbildung und Spracherwerb im Sinn. Allerdings sind diese Dinge für die Integration in der neuen Heimat unabdingbar – vorausgesetzt, man will dort bleiben. Das ist möglicherweise bei einigen der Menschen, die derzeit vor dem Krieg in der Ukraine auch nach Deutschland fliehen, noch gar nicht entschieden. Dennoch besuchen viele osteuropäische Kinder schon die Schulen in der Schloss-Stadt.

An der Montanusschule gibt es dafür eine eigene Klasse, in der Deutsch als Zweitsprache gelehrt wird. „Im Moment haben wir acht Kinder aus der Ukraine, dazu ein Mädchen aus Polen und eines aus Afghanistan, die diese Klasse besuchen“, sagt Schulleiter Klaus Kruska. Bei zwei weiteren Kindern geht es derzeit darum, ob sie auch in die Klasse gehen können. „Es finden demnächst die Erstgespräche statt. Das Schulamt und wir entscheiden dann gemeinsam, ob die Kinder hier zur Schule gehen werden“, sagt Kruska.

Drei andere Jugendliche seien bereits zu alt, um noch an der Montanusschule unterrichtet zu werden. „Sie sind schon 16 Jahre alt und würden in die Abschlussklasse gehen. Wir haben sie daher direkt ans Berufskolleg verwiesen, wo sie besser aufgehoben sind.“ In der zehnten Klasse bereiten sich die Jugendlichen derzeit nur noch auf ihren Abschluss vor.

Die Deutsch-Klasse unterrichten die beiden Lehrerinnen Kerstin Koll und Gordana Starovlah. „Demnächst fängt noch eine ehemalige Kollegin zur Unterstützung an, dann können wir den Kindern 17 Stunden pro Woche Deutschunterricht geben“, erläutert Kruska.

„Bis zu den Sommerferien werden noch weiter Kinder kommen.“

Schulleiter Klaus Kruska

Dabei sei ein grundlegender Unterschied zwischen Deutsch als Fremdsprache (DAF) und Deutsch als Zweitsprache (DAZ) zu beachten, unterstreicht Gordana Starovlah. „Dabei geht es um die Herangehensweise. Bei Ersterem lebt man in einem fremden Land, geht in eine Sprachschule und lernt eine andere Sprache – etwa ist man in Italien, um Deutsch zu lernen. Bei zweiterem geht es aber darum, die Sprache des jeweiligen Landes zu lernen, in dem man lebt – weil man sie zum Überleben braucht.“

Um den Kindern, die die Klassen fünf bis neun besuchen, Deutsch möglichst schnell und nachhaltig zu vermitteln, verwenden die beiden Lehrerinnen – eine Doppelbesetzung ist nur in wenigen der 17 Wochenstunden möglich – unterschiedliche Materialien. „Es gibt etwa ein Konzept der Flüchtlingshilfe München, mit dem erste Ausdrücke und Sätze auf Deutsch vermittelt werden“, sagt Gordana Starovlah. Dazu werden Unterrichtsmaterialien der Sekundarstufe 1 verwandt. „Dabei geht es um einfach Konversationen“, erläutert die Lehrerin. Ihre Kollegin Kerstin Koll übt das gleichzeitig mit den acht Kindern. „Jeder fragt seinen Sitznachbarn jetzt: Wie heißt du? Und die Antwort ist dann: Ich heiße. . .“, sagt sie. Die nächste Frage ist dann: „Woher kommst du?“

Die meisten der Kinder hätten den Vorteil, dass sie das lateinische Alphabet bereits aus ihrer Schulzeit in der Ukraine kennen würden, sagt Gordana Starovlah. „Und wenn alle Stricke reißen, haben wir auch noch die Möglichkeit, uns über die Übersetzungs-App ‚Say Hi‘ auszutauschen. Die ist besser als der Google Translator.“ Vom jeweiligen Wissensstand seien die Kinder unterschiedlich weit.

„Manche lernen sehr schnell, haben auch schon ein wenig Vorkenntnisse – etwa, weil sie Paten haben, die ihnen das eine oder andere deutsche Wort beigebracht haben“, sagt Gordana Starovlah. Manche Kinder hätten aber einfach weniger Berührungsängste als andere. „Das merkt man auch im regulären Unterricht, wenn sie mit deutschen Kindern zusammen sind“, sagt Kruska.

Die ersten Kinder sind kurz vor den Osterferien an die Hauptschule gekommen. „Es kommen aber immer neue nach. Bis zu den Sommerferien werden noch weiter Kinder kommen“, ist sich Kruska sicher. Die Situation sei nicht einfach einzuschätzen, aber er rechnet mit 14 bis 15 Kindern zum neuen Schuljahr.

„Dann bekommen wir ein Platz- und Personalproblem, denn größer als acht bis zehn Kinder sollte eine solche Klasse nicht sein. Und wir haben auch noch andere Förderklassen, für die wir Kapazitäten brauchen“, betont der Schulleiter. Daher versuche man, bis zu den Sommerferien mit voller Kapazität zu fahren. „Danach müssen wir weitersehen.“

Hintergrund

Flucht: Im Zuge des Angriffskriegs Russland auf die Ukraine sind laut dem Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) etwa 5,6 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen. Mit mehr als drei Millionen hat Polen die meisten von ihnen aufgenommen, in Deutschland sind momentan etwa 400 000 Menschen angekommen.

Vor Ort: In der Schloss-Stadt sind rund 120 Geflüchtete registriert. Davon leben 80 in der Unterkunft an der Peterstraße, der Rest ist privat untergekommen.

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