Engagement

80 Rehkitze vor Mähmaschinen gerettet

Die Retter sind meist schon frühmorgens unterwegs. Denn die Wärmebildkamera funktioniert am besten bei kühlen Temperaturen.
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Die Retter sind meist schon frühmorgens unterwegs. Denn die Wärmebildkamera funktioniert am besten bei kühlen Temperaturen.

In den vergangenen Monaten waren die Kitzretter wieder erfolgreich.

Von Stefan Gilsbach 

Radevormwald. Mai und Juni sind für Menschen mit die schönsten Monate im Jahr. Für Rehkitze und auch für Junghasen sind sie jedoch eine lebensgefährliche Zeit. Denn dann fahren die Erntemaschinen über die Felder. Für viele Jungtiere bedeutet das den Tod, denn die Mütter legen sie oft in der vermeintlich schützenden Wiese im hohen Gras ab. Auch wenn sich die Mähmaschinen bedrohlich nähern, fliehen die Kitze nicht, sondern folgen dem Instinkt, der ihnen sagt: fest auf den Boden kauern, um nicht gesehen zu werden.

Um den traurigen Tod der Jungtiere zu verhindern, gibt es ein Mittel: Vor dem Mähen müssen die Wiesen durchkämmt und die Kitze und Junghasen vorübergehend herausgeholt werden. Das ist jedoch bei den großen Flächen aufwendig und mühsam. Zum Glück gibt es inzwischen die Drohnentechnik, die das Aufspüren der Tiere erleichtert.

Einsätze starten meist sehr früh am Morgen

In Radevormwald haben sich Landwirte, Jäger und Naturschützer zusammengetan, um den Kitztod zu verhindern. Bürgermeister Johannes Mans war von Anfang an Mit-Initiator der Aktion. Er betont die ethische Verpflichtung, eine Verringerung des Tierleides zu erreichen. Aus der Interessengemeinschaft ist im vergangenen Jahr der Verein „Rader Kitzrettung“ entstanden. Auch überregional haben die Rettungsaktionen für die kleinen Rehe Aufmerksamkeit erhalten. Und die Erfolgsgeschichte hat sich auch in der Mäh-Saison 2022 fortgesetzt: Mehr als 80 Kitze und Junghasen konnten gerettet werden, die sonst unter den Messern gestorben wären.

In einem Resümee schildern die Kitzretter, wie eine solche Aktion vor sich geht: „Ein Einsatz startet in der Regel mit einem Anruf bei Regina Hildebrandt von der Stadtverwaltung. Ein Landwirt erklärt, wann und wo er mähen wird. Daraufhin wird ein Drohnenpilot gebeten, das Feld vorher abzufliegen. Ein sehr früher Beginn ist wichtig, damit die Aktion Erfolg hat. Die Temperaturen müssen noch niedrig sein. Wenn es wärmer wird, ist es schwierig, die Rehkitze mit der Wärmebildkamera zu sehen.“ Meistens geht es schon um 5 Uhr morgens los. Während die Drohne übers Feld fliegt, sieht der Drohnenpilot auf einem Display das Wärmebild der Umgebung. Sobald ein mögliches Tier gesichtet wird, lotst der Pilot die Helfer zu den angezeigten warmen Punkten.

„Wichtig ist dann, dass kein menschlicher Geruch auf das Tier übertragen wird. Mit Handschuhen und Grasbüscheln werden die Rehkitze aus dem Gefahrenbereich gebracht und unter einer Box gesichert. Sobald der Landwirt seine Wiese abgemäht hat, werden die Kitze wieder freigelassen. Die Ricken, also die Mütter der Kitze, finden ihre Kinder rasch wieder“, schildern die Retter den Vorgang.

Leider gab es in diesem Jahr einen Rückschlag, als offenbar unwissende Spaziergänger einige Kitze, die neben einer Wiese in Sicherheit gebracht worden waren, aus den Boxen befreiten – in diesem Fall ein Todesurteil. Um zu verhindern, dass so etwas noch einmal geschieht, sollen in der nächsten Mäh-Saison die Boxen mit Hinweisen versehen werden.

 „Erfreulich ist, dass die beteiligten Landwirte, Jäger und Naturschützer meist selbst Mitglied im Verein sind“, sagen die Kitzretter. Noch werden die Aktionen aber nicht von allen Landwirten unterstützt. „Unverständlich“, meinen die Tierfreunde. „Denn der Drohneneinsatz ist der einfachste Weg, der tierschutzrechtlichen Verpflichtung nachzukommen.“

Verein

Wer dem Verein „Rader Kitzrettung“ helfen möchte, kann gerne Mitglied werden oder für den angewandten Tierschutz spenden. Spendenquittungen können ausgestellt werden. Neben den Drohnenpiloten werden auch immer Helfer benötigt, um Jungtiere in den Wiesen zu suchen und zu sichern. Informationen rund um den Verein und seine Aktivitäten gibt es auf der Internetseite: www.rader-kitzrettung.de

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