Kunst

5000 Luftballons setzen Zeichen für Frieden

Mit dem Schriftzug „Peace“ und einer Friedenstaube, alles aus Ballons gefertigt, setzen die Künstlerinnen und Künstler ein Zeichen gegen den Krieg.
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Mit dem Schriftzug „Peace“ und einer Friedenstaube, alles aus Ballons gefertigt, setzen die Künstlerinnen und Künstler ein Zeichen gegen den Krieg.

Acht Ballonkünstler setzen im Glasfoyer am Bahnhofsplatz Friedenstaube, Schriftzug und Peace-Symbol zusammen.

Von Heike Karsten

Hückeswagen. Das Lied „99 Luftballons“, das Sängerin Nena in den 1980er-Jahren sang, wurde zur Anti-Kriegs-Hymne. Angesichts des Ukraine-Krieges haben Künstler im Glasgebäude am Bahnhofsplatz ein visuelles Zeichen gegen für den Frieden gesetzt. Aus mehr als 5000 Luftballons sind ein riesiges „Peace“-Symbol, eine große Ballonwand mit einer Friedenstaube, XXL-Buchstaben und zwei, insgesamt 21 Meter lange Girlanden entstanden. Acht Ballonkünstler aus ganz Deutschland waren dazu angereist und haben an diesem Gemeinschaftswerk gearbeitet.

Idee und der Entwurf stammen von dem Hückeswagener Ballonkünstler Frank Jeschke. „Es ist keine Anti-Russen-Deko, sondern ein Zeichen gegen den Krieg allgemein, den es in vielen Ländern der Welt gibt und über den derzeit nicht so viel berichtet wird“, sagte Jeschke und fügte betonend hinzu: „Wir haben andere Probleme, die wir anfassen sollten, als uns gegenseitig zu bekriegen.“

Schon im Dezember 2020 hatte der Ballonkünstler das Glasfoyer zur Weihnachtszeit mit seinen Ballonkreationen geschmückt – als Geschenk an die Hückeswagener. Für die außergewöhnliche Anti-Kriegs-Installation hat Frank Jeschke befreundete Ballonkünstler ins Bergische geholt, darunter auch Dominik Bauerschmidt. „Ich kenne Frank seit neun Jahren, wir haben schon zusammen die Szenerie für die große Ballon-Veranstaltung in Hamburg gebaut“, sagte der Stuttgarter. Aus Gelsenkirchen kam eine Ballonkünstlerin, die unter dem Künstlernamen Tine Steinchen bekannt und mit ihren Kollegen auch international unterwegs ist. „Wir haben schon in Österreich, Belgien und Holland gearbeitet und an Weiterbildungen in Amerika und London teilgenommen“, zählt sie auf.

Die Ballonkünstler sind gut vernetzt. Dem Aufruf von Frank Jeschke war Natalie Grzebieta aus Erftstadt sofort gefolgt. „Es ist total genial – sowas macht man ja sonst nicht. Außerdem ist es schön, sich wieder einmal zu sehen“, freute sie sich.

Von Hückeswagen über Erftstadt bis Hessen: Die Ballonkünstler waren ein bundesweites Team.

Schon am Samstagmorgen ging es mit dem Aufbau los. Auf einem Tisch lagen etliche Tüten mit Ballons. Ständig zischte irgendwo eine der elektrischen Lagenda-Ballonpumpen, die die Ballons in Sekundenschnelle mit Luft füllten. Schon nach einer guten Stunde hatte Dominik Bauerschmidt die ersten Meter der Regenbogen-Girlande kunstvoll aus verschieden großen Einzelballons zusammengeknotet. Gegen Mittag war ein Flügel der Friedenstaube zu erkennen, während Rita Wiebe und Sabine Kobsa aus Hessen das Gestell für das riesige Peace-Zeichen umwickelten. „Das tut schon in den Fingern weh“, gaben die Frauen zu.

Eigentlich haben die Profi-Ballonkünstler gut zu tun, denn durch die Lockerung der Corona-Maßnahmen werden wieder Feste gefeiert, für die Ballondekorationen in Auftrag gegeben werden. Für das Friedensprojekt in Hückeswagen hatten sich die Ballon-Profis jedoch ein Zeitfenster freigehalten.

Die lichtdurchflutete Halle unterhalb des Bürgerbüros sei für derartige Ballondekorationen geradezu prädestiniert. „Der Raum bietet das nötige Volumen, ohne die Ballons zu erdrücken“, sagte Frank Jeschke, dessen Ehefrau Monika und die Töchter Charlotte und Eva mitgeholfen hatten. Zudem seien die luftgefüllten Ballons unter dem Glasdach gut geschützt. „Hier herrschen ideale Bedingungen. Im Außenbereich würden Sonnenstrahlen und Ozon die Ballonhülle angreifen“, erklärte der Fachmann.

Gemeinschaftswerk ist noch die gesamte Woche zu sehen

Dem Ballonmeister war es besonders wichtig, dass nur 100 Prozent biologisch abbaubare Latexballons aus Naturkautschuk für die Friedensdekoration verwendet werden. „Sie enthalten keine Giftstoffe, keine Weichmacher und dünsten nicht aus“, betonte der Hückeswagener, der an der Montanusstraße einen Ballonladen betreibt. Am Sonntagnachmittag wurde das Ergebnis der gemeinschaftlichen Arbeit der Öffentlichkeit präsentiert und kann in den kommenden Wochen bestaunt werden. Auch Dietmar Persian war gekommen: „Es darf nicht sein, dass wir uns an den Krieg gewöhnen. Daher ist es wichtig, Zeichen zu setzen und immer wieder daran erinnert zu werden“, sagte der Bürgermeister.

Die Erschaffer waren zurecht stolz auf ihr Werk. „Es ist ein sehr emotionales Zeichen, denn Luftballons können Botschaften transportieren“, äußerte sich Frank Jeschke überzeugt.

Hintergrund

Kosten: Die Ballonkünstler arbeiteten ehrenamtlich, das Material wurde aus Landesmitteln bezuschusst. Die Stadt stellte nur den Raum für die Installation zur Verfügung.

Teilnehmer: Frank, Monika, Charlotte und Eva Jeschke (Hückeswagen), Dominik Bauerschmidt (Stuttgart), Natalie Grzebieta (Erftstadt), Tine Steinchen (Gelsenkirchen), Rita Wiebe (Ginsheim-Gustavsburg), Sabine Kobsa (Hessen), Marina Deck, Michaela Kern (beide Voerde).

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