Kultur

125 Jahre und kein bisschen leise

Der CVJM-Posaunenchor mit Lothar Vandenherz (l.) im Jahr 2018.
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Der CVJM-Posaunenchor mit Lothar Vandenherz (l.) im Jahr 2018.

Der CVJM-Posaunenchor wurde 1897 in Hückeswagen von fünf Posaunisten gegründet.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Posaunenchöre sind vor allem in der Evangelischen Kirche verbreitet, ihre Ursprünge liegen in der Oberlausitz des 18. Jahrhunderts: In der Herrnhuther Brüdergemeinde wird erstmals 1731 ein Posaunenchor erwähnt. Nicht ganz so alt ist der Posaunenchor des CVJM Hückeswagen – zumindest jener, der noch heute aktiv ist und nun sein 125-jähriges Bestehen feiert.

Der Männerchor im Jahr 1881, der Vorgänger des Posaunenchors.

 „Es gab vorher schon einen Posaunenchor hier in der Stadt, aber belegt ist, dass sich fünf Bläser 1897 zusammengetan und den Posaunenchor gegründet haben“, sagt Lothar Vandenherz, der selbst seit 1968 als Trompeter mit dabei ist und das Ensemble seit 36 Jahren leitet. „Damals ist Horst Schneider, der Kantor und Leiter des Posaunenchors, plötzlich verstorben. Irgendjemand musste die Leitung übernehmen – und das ist dann eben an mir hängegeblieben“, sagt der 65-Jährige lachend.

Mit elf nahm er die Trompete des Gemeindezentrums

Selbst zur Trompete ist Vandenherz gekommen, indem er als Elfjähriger das Instrument heimlich aus dem Schrank im Gemeindezentrum an der Lindenbergstraße genommen hatte. „Ich habe das Spielen einfach mal ausprobiert, zuvor hatte ich schon Klavierspielen gelernt“, erzählt er. Der damalige erste Trompeter im Posaunenchor, Gerd Zimmerbeutel, habe die Trompetenversuche des Jungen mitbekommen und ihn gefragt, ob er nicht Lust hätte, das ernsthaft auszuprobieren. „Ich habe dann Unterricht genommen, später auch Lehrgänge und Seminare besucht.“ Von seinem Konfirmationsgeld kaufte er sich die erste eigene Trompete. Mit seiner Schwester Angelika sowie Burkhard Thiemann und Jürgen Weber sind heute noch vier der fünf Posaunenchor-Novizen, die Gerd Zimmerbeutel in jener Zeit zum Spielen gebracht hat, aktiv im neunköpfigen Ensemble. Nach dem Tod Schneiders hatte es keinen Dirigenten mehr gegeben, sagt Vandenherz. „Ich muss ja selbst auch spielen, deswegen wird nur eingezählt – und dann geht es los.“

Mittlerweile würde er allerdings auch Arrangements gut geeigneter Musikstücke selbst schreiben: „Seit ich in Rente bin, habe ich für solche Sachen ja ein wenig mehr Zeit.“ Jedes Ensemblemitglied sei in diesen Arrangements Solist. „Das ergibt für unsere Größe durchaus ein schönes Klangbild“, sagt er.

Im Schnitt würden in Posaunenchören um die zehn bis 15 Musiker spielen. Und wo früher noch ausschließlich Posaunen in den Ensembles spielten, sind die Besetzungen heute auch gemischt – wie beim Hückeswagener Posaunenchor.

Über die Jahrzehnte hat sich nicht nur die Besetzung gewandelt. „Auch das Repertoire ist heute ganz anders“, betont Vandenherz. „Damals hat man Bach, Händel und andere Klassiker gespielt.“ Heute sei das schon wesentlich moderner und dadurch auch interessanter. „Wir spielen auch mal was von den Beatles, Janis Joplin oder ABBA“, sagt Vandenherz, schränkt aber ein: „Natürlich nicht in der Gottesdienstbegleitung.“ Und nicht alles sei für die Blechbläserbesetzung geeignet.

54 Jahre Mitgliedschaft ist eine lange Zeit. „Solange wir die Besetzung halten können und der liebe Herrgott mir noch genug Puste gibt, mache ich auf jeden Fall weiter. Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass man aufhören sollte, wenn der Drive flöten geht“, unterstreicht Vandenherz. In Sachen Nachwuchs sehe es im Posaunenchor allerdings nicht gut aus. „Ich hatte immer wieder ein wenig auf die Bläser der Realschule gehofft, aber irgendwie ist es nie dazu gekommen.“

An seine Jugendzeit im Posaunenchor hat er gute Erinnerungen. „Wir spielten immer wieder bei besonderen Gottesdiensten, nicht nur hier in Hückeswagen. Dazu waren wir oft auf Freizeiten, etwa im tiefsten Sauerland. Da ist neben der Musik auch der Spaß nicht zu kurz gekommen.“ Am Reformationstag soll es nicht um den Blick nach vorne oder zurück gehen, sondern vor allem um schöne Musik, leidenschaftlich dargeboten.

Jubiläumskonzert

Termin: Der Posaunenchor des CVJM Hückeswagen spielt regelmäßig zum Reformationstag ein Konzert in der Pauluskirche. Am kommenden Montag, 31. Oktober, ist es das besondere Konzert zum 125-jährigen Bestehen des Posaunenchors. Beginn ist um 17 Uhr.

Besetzung. Der Posaunenchor besteht heute aus neun Musikern; die Instrumente: drei Trompeten, drei Tenorhörner, zwei Tuben und eine Posaune.

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