Impfmobil

116 Impfungen: Mobiles Team hat weiter gut zu tun

Das Impfmobil des Kreises war am Donnerstag nach Hückeswagen gekommen und hatte Station auf dem Wochenmarkt gemacht. Die Resonanz war sehr gut: Nach fünf Stunden waren 116 Erst-, Zweit- und sogar Drittimpfungen verabreicht worden. Foto: Jürgen Moll
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Das Impfmobil des Kreises war am Donnerstag nach Hückeswagen gekommen und hatte Station auf dem Wochenmarkt gemacht. Die Resonanz war sehr gut: Nach fünf Stunden waren 116 Erst-, Zweit- und sogar Drittimpfungen verabreicht worden.

Impfmobil wird noch mindestens bis Weihnachten im Kreis unterwegs sein . Nun stand es wieder auf dem Wochenmarkt.

Von Stephan Büllesbach

Hückeswagen. So mancher Markthändler mag etwas neidisch auf einen ganz besonderen „Stand“ geblickt haben, denn trotz des Nieselregens bildete sich an der Haltestelle am Bahnhofsplatz ständig eine neue, lange Schlange. Das lag weniger daran, dass es dort etwas kostenfrei gab. Vielmehr hatten viele Hückeswagener und auch einige Auswärtige die Gelegenheit genutzt, sich im Impfmobil des Kreises zum ersten, zweiten oder sogar zum dritten Mal impfen zu lassen. Bereits nach knapp zwei Stunden, gegen 10 Uhr, hatte das Team von Michéle Kogelheide, Koordinatorin des Impfmobils beim Kreis , 50 Impfwillige durchgeschleust. „Das könnte am Ende ein dreistelliges Ergebnis werden“, mutmaßte Kreisgesundheitsdezernent Ralf Schmallenbach. Er sollte Recht behalten: Am Ende der fünfstündigen Impfaktion auf dem Wochenmarkt standen 116 verabreichte Dosen. Ein zufriedenstellendes Ergebnis für alle Beteiligte.

Das „Rollende Impfzentrum“ kommt offenbar bei den Menschen in Oberberg gut an. Das zeigten nicht nur die Zahlen zwischen Mitte Juli und Ende September, als das richtige Impfzentrum in Gummersbach noch in Betrieb war, sondern auch die der vergangenen Tage. In Engelskirchen waren am Montag 228 Impfwillige gekommen, in Wiehl-Drabenderhöhe am Dienstag 120 und in Morsbach am Mittwoch 77. Beim ersten Termin nach der Schließung des Impfzentrums in der Gummersbacher Schwalbe-Arena waren am 6. Oktober 203 Dosen verabreicht worden.

Dabei hatte das Landesgesundheitsministerium die Impfmobile eigentlich einstellen wollen, wie Schmallenbach bestätigt. Die Kreise und Kommunen hätten aber an diesem niederschwelligen Angebot festhalten wollen, und so hat das Land die Impfmobile noch bis zum 30. April 2022 genehmigt. „Wir hatten im Impfzentrum zum Schluss täglich 50 bis 100 Erstimpfungen“, berichtet der Gesundheitsdezernent. Diese Zahl habe sich jetzt wohl auf das Impfmobil verlagert. Schmallenbach glaubt zwar nicht daran, dass es auch noch im Frühjahr durch den Kreis touren wird. „Wir schauen mal, wie sich das weiterentwickelt. Aber bis zum Jahresende wird es bestimmt unterwegs sein, zumal wir auch schon Termine für Weihnachtsmärkte gemacht haben.“

Volker Koch ist Notfallsanitäter beim Rettungsdienst des Kreises und an diesem Morgen dafür da, sich um die Impflinge zu kümmern, sollten sie die Impfung nicht vertragen. Er hat festgestellt: „Erstimpfungen am Impfmobil holen sich viele ab, die bislang keine Zeit hatten oder für die das Impfzentrum zu weit weg war.“ Und Mitarbeiterin Martina Bilstein sagt: „Anfangs waren die Menschen froh, dass wir quer durch den Kreis gefahren sind und sie nicht nach Gummersbach kommen mussten. Jetzt sind auch viele dabei, die zwar von der Impfung nicht überzeugt sind, aber eben den Schnelltest nicht bezahlen wollen.“ Der ist seit vorigem Montag für die meisten nicht mehr kostenfrei. Auch könnten seit dem 1. Oktober Kinder ab zwölf Jahre geimpft werden, was viele Eltern am Impfmobil vornehmen ließen.

Seine Erstimpfung holt sich auf dem Wochenmarkt ein 15-jähriger Schüler aus Wipperfürth. Er fühlt sich zwar eher gezwungen, lässt aber durchblicken, dass er am Leben teilnehmen will. Das gilt etwa für den Unterricht oder das anstehende Praktikum. Sein Hausarzt würde keine Jugendlichen impfen, sagt seine Mutter, „weil er keinen Sinn darin sieht“. Zudem hat der 15-Jährige keine Lust mehr auf 14 Tage Quarantäne – „und das völlig umsonst“, sagt seine Mutter. So hatte er in der Klasse neben einem positiv getesteten Mädchen gesessen und musste die Klassenfahrt abbrechen – obwohl sein PCR-Test negativ gewesen war.

Eine 22-jährige Hückeswagenerin ist zur Zweitimpfung erschienen, nachdem sie Anfang September ebenfalls im Impfmobil die erste Dosis erhalten hatte. Warum sie sich nicht beim Hausarzt hat impfen lassen? „Ich möchte in keine Praxis gehen“, sagt sie. Für Tobias Schnell ist es dagegen schon die dritte Impfung, der sogenannte Booster. Der 32-jährige Hückeswagener ist ein Kollege von Volker Koch und sagt: „Ich könnte durch meine Arbeit tagtäglich mit Covid-Patienten zu tun haben und habe Angst, das Virus mit nach Hause zu nehmen.“

Eine Impfung gehört zur Solidarität. Wir sind schließlich nicht allein auf der Welt.

Miriam Müller

Bei ihrem Besuch des Wochenmarkts hatte Miriam Müller das Impfmobil entdeckt und beschlossen, sich spontan impfen zu lassen. Auch die Hückeswagenerin holte sich ihre dritte Spritze ab, weil sie in der Pflege arbeitet. „Bei einer Impfung mit Biontech ist der Booster empfohlen für immunschwache Menschen und wenn man in der Pflege arbeitet“, berichtet sie. Sie wolle sich zum einen nicht mit dem Virus anstecken, zum anderen dieses im Fall der Fälle weitergeben. Und Miriam Müller betont: „Eine Impfung gehört zur Solidarität. Wir sind schließlich nicht allein auf der Welt.“

Das Problem mit der Impfquote

Statistik: Ralf Schmallenbach würde gerne aktuelle Zahlen zur Impf-Situation im Oberbergischen Kreis herausgeben, der Gesundheitsdezernent des Kreises kann das aber nicht. Das Problem ist die Statistik.

Postleitzahl: Das Robert-Koch-Institut (RKI) berechne die Zahlen nach der Postleitzahl des Impforts und nicht nach der des Wohnorts des Impflings, erläutert er. Heißt: Viele Berufstätige aus Oberberg haben sich etwa an ihrem Arbeitsplatz außerhalb des Kreises impfen lassen. „Die echte Impfquote hier im Kreis oder für jede einzelne Kommune ist daher kaum zu ermitteln“, sagt Schmallenbach.

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