Selbsthilfegruppe

Schlaganfall: Plötzlich ist alles anders

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Die Betroffenen treffen sich regelmäßig zum Austausch, feiern aber auch gemeinsame Feste und hören Vorträge zur Information. 

Die Selbsthilfegruppe engagiert sich über die Stadtgrenzen Wermelskirchens hinaus.

Von Anja Carolina Siebel

Ralf (Name von der Redaktion geändert) war gerade Anfang 40, als sich sein Leben auf einen Schlag änderte. Eigentlich sollte es die schönste Zeit des Jahres werden; der lang ersehnte Spanien-Urlaub. Doch zur Erholung kommt es nicht. Ralf kollabiert vor den Augen seiner geschockten Familie am Strand. „Zuerst wollte ich einfach weitermachen“, erinnert sich der Vater zweier Kinder. „Aber das ging eben nicht.“ Ralf erlitt mit nicht einmal 50 Jahren einen Schlaganfall.

Ein Einschnitt in seinem Leben, der zwar schon vier Jahre zurückliegt, ihn aber wohl nie ganz loslassen wird. Denn nicht nur das Erlebnis wird ihm immer im Gedächtnis bleiben, sondern auch die körperlichen Einschränkungen. Brigitte Hallenberg von der Schlaganfallhilfe (SHG) Wermelskirchen e.V., die das gesamte Umland inklusive der Städte Remscheid, Radevormwald und Hückeswagen betreut, weiß darum: „Häufig sind die physischen Folgen gar nicht unbedingt deutlich erkennbar – wie zum Beispiel durch eine Lähmung oder eine Sprachstörung.“ Oft sind es eher verborgene Schädigungen. Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis zum Beispiel.

Einzugsgebiet reicht über mehrere Städte

Drei Jahre existiert die spezielle Selbsthilfegruppe für junge Schlaganfallbetroffene unter 50 Jahren nun schon. Der Wermelskirchener Ralf ist einer von zehn Betroffenen aus dem Bergischen, die sich regelmäßig in den Räumen am Wermelskirchener Krankenhaus zum Austausch treffen.

„Unsere Schlaganfallgruppe für Ältere besteht seit April 2007“, berichtet Koordinatorin Brigitte Hallenberg. Zunächst war die Gruppe recht überschaubar. Nach gut zehn Jahren ist sie gewachsen. Es gibt Gruppengymnastik, regelmäßige Vorträge und gemeinsame Ausflüge. „Mein Telefon entwickelte sich zum Notfalltelefon“, berichtet Brigitte Hallenberg. „Wenn einer aus der Familie einen Schlaganfall hat, wählen viele meine Nummer. Denn spätestens, wenn der Kranke wieder zuhause ist, gibt es viele Hürden.“ Das Einzugsgebiet ist mit den Jahren immer größer geworden. Es umfasst inzwischen die Städte Wermelskirchen, Burscheid, Leichlingen, Remscheid, Hückeswagen, Radevormwald und Wipperfürth. Hallenberg: „Es bleibt aber nicht nur beim Telefonkontakt, denn wo die Probleme groß sind, fahre ich als Vorsitzende zu den Leuten nach Hause, höre zu, unterstütze, nenne Ansprechpartner, eben, was nötig ist.

Benzinkosten, ein eigenes Auto, um die vielen Fahrten zu bewerkstelligen – all das muss finanziert werden. „Auch muss ich in Kürze jemanden für die Büroarbeit einstellen“, sagt Brigitte Hallenberg. Allein sei das alles nicht mehr zu stemmen. Über die Unterstützung von „Helft uns helfen“ freut sich die Gruppe deshalb sehr.

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