EDV-Sprechstunde

Zwei Schüler werden zu richtigen Mitarbeitern

Andreas (13) hat mit der Roboter-Katze schon neue Aufgaben im Büdchen im Blick – zur Freude von Sascha von Schwedler. Fotos: Nadja Lehmann/Büdchen (kleines Foto)
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Andreas (13) hat mit der Roboter-Katze schon neue Aufgaben im Büdchen im Blick – zur Freude von Sascha von Schwedler.

Im Büdchen bieten Andreas und Leart jede Woche eine EDV-Sprechstunde an.

Von Nadja Lehmann

Ebenfalls Ansprechpartner in der EDV-Sprechstunde ist Leart.

Sie seien auf dem Nachhauseweg von der Schule durchs Viertel gelaufen und hätten plötzlich gestutzt: Offene Fenster, Stimmen, ein Glücksrad, erinnert sich Andreas Marciszuk an den Moment, als ihm und Klassenkamerad Leart Jashari das Büdchen an der Luisenstraße zum ersten Mal auffiel. Die beiden Jungs waren neugierig, traten näher. „Das war damals unsere Eröffnung“, sagt Sascha von Schwedler, der gemeinsam mit Nicole Wittmann Ansprechpartner im Büdchen ist. Seitdem kennt man sich. Die beiden Jungs kommen regelmäßig vorbei – und sind mittlerweile als EDV-Experten sogar zu Mitarbeitern des Büdchens avanciert.

Der Ursprung liegt wie bei so vielen Dingen dieser Tage in der Pandemie. „Es war Lockdown, und die Kinder saßen zuhause“, sagt Sascha von Schwedler. Auch Andreas und Leart, die beide die Johannes-Löh-Gesamtschule besuchen und nach den Ferien in die 9. Klasse kommen. Homeschooling und Digitalisierung waren das Gebot der Stunde. Aber nicht jeder und jede hatte einen Laptop zuhause. „Das hat vor allem sozial benachteiligte Familien getroffen“, sagt von Schwedler. Kurz entschlossen fragte er an der Gesamtschule nach, ob und wie das Büdchen-Team helfen könne.

„Die beiden haben’s drauf.“

Sascha von Schwedler

Man konnte. Von Schwedler, einst selbst beruflich „Head of IT“, bevor er einen ganz anderen Weg bei der Katholischen Jugendagentur Leverkusen, Rhein-Berg, Oberberg einschlug, zapfte alte Kanäle an und freute sich über die Spende eines EDV-Unternehmens: zehn Laptops. „Die waren reparaturbedürftig“, erzählt er. „Wir haben mit dem Betriebssystem experimentiert und mussten ja vor allem den Zugang zu Zoom und zur Schulplattform Logineo garantieren.“

Andreas und Leart schraubten eifrig mit. „Die beiden haben’s drauf“, sagt Sascha von Schwedler. „Wir haben einen Laptop sogar aufsägen müssen, weil eine Schraube durchdrehte“, erinnert sich Andreas. Für den 13-Jährigen kein Problem: „Als ich meinen ersten Laptop bekam, wollte ich wissen, wie er funktioniert.“ Er habe als Siebenjähriger seine erste Playstation 2 bekommen und sich gefragt, wie so viele Spiele in so einen kleinen Apparat passen, sagt auch Leart. Fortan war vor dem heute 14-Jährigen nichts mehr sicher: „Ich habe meine Taschenlampe auseinandergenommen und meine Elektroautos.“

Entdeckerqualitäten, die heute beiden zugute kommen. „Auch wenn es anfangs etwas chaotisch war“, sagt Leart über die ersten Laptop-Basteleien des vergangenen Jahres. Dann aber war schnell klar: Man wollte nicht nur das Equipment zur Verfügung stellen, sondern es auch mit Service verbinden. Falls etwas kaputtgeht, falls etwas nicht richtig läuft, falls ein Nutzer nicht mehr weiterweiß.

Auch das Jugendbüro bildet eine feste Konstante

Als weiterer Knotenpunkt kam Christian Riehl vom Jugendbüro ins Spiel, bei ihm liefen die Fäden zusammen. „Es entstand ein Dreieck aus Büdchen, Jugendbüro und Gesamtschule“, sagt Sascha von Schwedler.

Im Büdchen wurde die EDV-Sprechstunde angesiedelt: immer donnerstags von 15.45 bis 16.45 Uhr. Natürlich mit Andreas und Leart. Und die verdienen damit ihr erstes eigenes Geld. Ein ermutigendes Signal hinaus ins Viertel, das von Schwedler wichtig ist: „Es gibt die Möglichkeit, über Projekte in Arbeit zu kommen“, sagt er. Ein Zuschuss aus dem Integrationsfonds macht es möglich. Das Büdchen als Arbeitgeber: Es ist ein Impuls, der von Schwedler gefällt. Wertschätzung spielt dabei eine Rolle und dass Arbeit Lohn zur Folge hat, ideell und materiell. Andreas und Leart sind bereits eingebunden – Betriebsausflug und Dienstbesprechung inklusive.

Und sie beschäftigen sich nicht nur mit EDV. Als jetzt jüngst die Kirchenkurve ins Gerede kam, weil viele Jugendliche nicht mehr wussten, wohin mit sich, und kurzerhand den Kirchplatz zum Fußballplatz umwandelten, schnappten sich die beiden jungen Büdchen-Mitarbeiter die große Spielekiste und gingen damit in die Kirchenkurve. Irgendwann soll auch Hilgen einbezogen werden, auch der Luchtenberg-Richartz-Park. „Das ist bestimmt cool auf der Wiese“, findet Andreas.

Während Leart gerade Ferien im Kosovo macht, ist Andreas schon am nächsten Projekt tätig. Vorsichtig stellt er einen Karton auf den Tisch und holz jede Menge Bauteile hervor. „Eine Roboter-Katze“, erklärt er. „Die muss zusammengebaut und programmiert werden.“

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