Zelltransplantation verspricht Heilung

Dr. Gunnar Schauf, leitender Arzt der Sana Fabricius-Klinik und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, behandelte Patientin Svenja Schubert mit der Knorpelzelltransplantation. Heute hat sie keine Schmerzen mehr im Knie und kann wieder Sport treiben. Foto: Doro Siewert
+
Dr. Gunnar Schauf, leitender Arzt der Sana Fabricius-Klinik und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, behandelte Patientin Svenja Schubert mit der Knorpelzelltransplantation. Heute hat sie keine Schmerzen mehr im Knie und kann wieder Sport treiben.

Knorpelschäden im Knie können operiert werden – Gelenkzentrum Bergisch Land wurde ausgezeichnet

Von Alexandra Dulinski

Zwei bis drei Stunden lief Svenja Schubert jeden Tag. Bis unerträgliche Schmerzen im Knie die heute 39-jährige, begeisterte Joggerin zum Aufhören zwangen. Mit 30 Jahren wurde ihr ein Knorpelschaden im linken Knie diagnostiziert. Ein Loch im Knorpel war entstanden, „wie ein Krater“, berichtet Dr. Gunnar Schauf, leitender Arzt in der Sana Fabricius-Klinik Remscheid sowie Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Das passiere meist unfallbedingt bei jüngeren Menschen. Es komme durch Einklemmungen von Knorpelstücken im Gelenk zu starken Schmerzen bei Belastung, erklärt der Facharzt.

Zwei Jahre nach Auftreten der ersten Schmerzen entschied sich Svenja Schubert 2014 für eine Mikrofrakturierung – das bislang gängigste Verfahren zur Behandlung von Knorpeldefekten. Dabei werden siebartig mehrere Löcher in den Knochen gebohrt, aus dem Blut austritt. Die darin enthaltenen Stammzellen – Zellen, die sich in jede beliebige Körperzelle entwickeln können – bilden Knorpelgewebe. „In 50 Prozent der Fälle funktioniert das nicht“, erklärt Schauf. So auch nicht bei Svenja Schubert.

„Ich habe nicht mehr damit gerechnet, mein Knie schmerzfrei zu bekommen“, erklärt Schubert, die als Tierarzthelferin auch in ihrem Beruf beeinträchtigt gewesen sei. Die Ärzte rieten ihr zu einem künstlichen Kniegelenk. Erst nach einer zweiten erfolglosen Operation führte sie die Suche nach einer weiteren Meinung zu Dr. Gunnar Schauf und der Fabricius-Klinik, in der Knorpelzelltransplantationen vorgenommen werden.

Zwei Eingriffe sind bei diesem Verfahren notwendig, die beide minimalinvasiv durchgeführt werden. „Bei der ersten OP werden Knorpelzellen aus einer Stelle des Knies entnommen, die weniger gebraucht wird“, erklärt Dr. Gunnar Schauf. Parallel werden 300 Milliliter Blut entnommen. Die darin enthaltenen Stammzellen werden anschließend im Labor sechs Wochen lang zu Knorpelzellen herangezüchtet. „Biotechnologen lösen die Zellen aus ihrem Verbund, füttern sie mit körpereigenem Material patientenindividuell. Dadurch gibt es keine Abstoßungsreaktion“, berichtet Alexander Nolden-Temke, Vertriebsleiter der Firma Co.Don AG, bei der die Zellen gezüchtet werden.

In der zweiten Operation werden die Zellen sechs bis sieben Wochen später in den Knorpeldefekt eingebracht. „Das ist dann kein Ersatz, sondern körpereigenes Gewebe. Das Loch wächst mit körpereigenem Knorpel zu“, erklärt Schauf. Vier bis sechs Wochen habe Svenja Schubert nach dem zweiten Eingriff an Krücken laufen müssen. Bis zu einem Jahr dauere es dann, bis der Knorpel wieder voll belastbar sei. „Die Struktur des Knorpels muss wiederhergestellt werden“, sagt Dr. Gunnar Schauf.

Je jünger der Patient, desto besser ist das Ergebnis

Seit Januar habe Svenja Schubert grünes Licht, wieder Sport zu machen. „Ich schaffe jetzt eine Stunde auf dem Crosstrainer“, sagt die 39-Jährige. „Ich kann alles machen, als wäre nie etwas gewesen. Damit habe ich nie gerechnet.“ Je jünger der Patient sei, desto besser sei das Ergebnis, berichtet Schauf. Bei Menschen jenseits der 50 klappe manchmal die Vermehrung der Knorpelzellen nicht. Für eine Knorpelzelltransplantation müsse der Rest des Knies in Ordnung sein – also beispielsweise keine Probleme mit Arthrose oder dem Meniskus vorliegen. „Bei der Transplantation sind die Ergebnisse auch langfristig super. Das Verfahren muss bekannter werden.“

In den vergangenen zwölf Jahren habe Schauf etwa 1000 Patienten mit dem Verfahren therapiert. Allein von den Fallzahlen her müsse die Therapie deutlich häufiger angewandt werden.

Auszeichnung

„Center of Excellence“ darf sich das Gelenkzentrum Bergisch Land nun nennen. Ausgezeichnet wurde es durch die Firma Co.Don AG mit Standorten in Teltow und Leipzig. Seit mehr als 25 Jahren gibt es das Verfahren, sieben Zentren haben die Auszeichnung deutschlandweit erhalten. „Wir zeichnen besonders engagierte Anwender des Verfahrens aus, die über die Jahre sehr gute Qualität gezeigt haben“, sagt Alexander Nolden-Temke.

www.gelenkzentrum-bergischland.de

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare