Wucht der vierten Welle trifft Gastronomie hart

Ebbe im Kellner-Portemonnaie: In der vierten Corona-Welle wird in der Gastronomie weniger Kasse gemacht. Foto: NGG/Alireza Khalili
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Ebbe im Kellner-Portemonnaie: In der vierten Corona-Welle wird in der Gastronomie weniger Kasse gemacht.

26 Prozent der Beschäftigten haben kreisweit die Branche in der Pandemie verlassen

Von Alexandra Dulinski

Die Menschen im Rheinisch-Bergischen Kreis sind offenbar aktuell nicht in Feierlaune. Reihenweise abgesagte Weihnachtsfeiern verzeichnet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Region Köln (NGG). Sie machen der Gastronomie zu schaffen.

„Die vierte Corona-Welle schlägt voll durch. Dazu kommt die Corona-Variante Omikron. Das sorgt für weniger Weihnachtsfeiern, für immer weniger Gäste in Restaurants, für leere Hotelbetten. Und das bedeutet mehr Kurzarbeit“, sagt Manja Wiesner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

„Wer meint, Beschäftigte mit einem ‚Lohn light‘ knapp oberhalb des Mindestlohnlimits halten zu können, der vertut sich gewaltig.“

Manja Wiesner, NGG

Kaum eine andere Branche im Rheinisch-Bergischen Kreis bekomme die „Wucht der Welle“ wirtschaftlich so zu spüren wie das Hotel- und Gaststättengewerbe. Im Rheinisch-Bergischen Kreis würden hier rund 3770 Menschen arbeiten, so Wiesner. Die Geschäftsführerin der NGG-Region Köln macht sich um deren Jobs Sorgen. Dabei rechnet sie nicht mit einem gravierenden Arbeitsplatzabbau.

Ihr gehe es vor allem um das Durchhaltevermögen von Köchen, Kellnerinnen & Co.: „Das Geschäft wird nach der Welle weitergehen. Aber die Durststrecke bis dahin ist das Problem. Wer in Kurzarbeit geschickt wird und mit 60 Prozent seines Lohnes klarkommen muss, der macht das, was jeder machen würde: Der guckt sich woanders um“, sagt Manja Wiesner.

Viele Gastronomie-Beschäftigte seien bereits in andere Branchen abgewandert. Besonders in den Handel und in die Industrie – oft in Drogeriemärkte oder in die Lebensmittelindustrie. „Servicekräfte aus der Gastronomie sind tough, eloquent, flexibel und sie können zupacken. Mit diesen Qualitäten müssen sie nicht lange suchen“, erklärt die NGG-Geschäftsführerin.

Wiesner hat dazu Zahlen parat: Vor der Pandemie – im Dezember 2019 – hätten im Rheinisch-Bergischen Kreis noch 5100 Menschen im Hotel- und Gaststättengewerbe gearbeitet. Mittlerweile sei die Zahl der Beschäftigten allerdings um 26 Prozent zurückgegangen. Das gehe aus der aktuellsten Statistik der Arbeitsagentur hervor.

Die Pandemie-Zahlen stammten aus dem Frühjahr und dürften sich inzwischen nochmals verschlechtert haben, schätzt die NGG. „Dieser Trend wird sich fortsetzen. Denn die Gastro-Beschäftigten vermissen vor allem eines: eine Perspektive im Job. Da geht es insbesondere um einen ordentlichen Lohn. Aber auch um die Chance, sich im Job weiterentwickeln zu können. Und um eine bessere Ausbildungsqualität“, sagt Manja Wiesner.

Die Geschäftsführerin macht deutlich, dass die im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) zusammengeschlossenen Arbeitgeber jetzt am Zuge seien: „Sie haben es in der Hand, durch einen Lohn von ‚12 plus X Euro‘ die Branche für die Zeit nach der Pandemie deutlich attraktiver zu machen“, sagt Wiesner. Dann werde es ohnehin bundesweit den gesetzlichen Mindestlohn von 12 Euro pro Stunde geben, den die Ampelkoalition in Berlin beschlossen hat. „Wer meint, Beschäftigte in Hotels, Restaurants und Gaststätten mit einem ‚Lohn light‘ knapp oberhalb des Mindestlohnlimits halten zu können, der vertut sich gewaltig“, sagt die Gewerkschafterin.

Plus an Erfahrung müsse honoriert werden

Es komme jetzt bei der nächsten Verhandlungsrunde am kommenden Mittwoch, 15. Dezember, darauf an, „gegen die ‚Pandemie-Delle‘ ein deutliches Zeichen der Job-Attraktivität in der Branche zu setzen“. Dazu gehöre auch, den Beschäftigten gute Chancen zu bieten, sich im Job weiterzuentwickeln. „Von der Köchin über den Kellner bis zur Rezeptionistin: Wer lange im selben Betrieb arbeitet und dem Gastgewerbe über viele Jahre die Treue hält, sammelt enorm viel Know-how. Dieses Plus an Erfahrung muss honoriert werden: Ein flexibleres Lohnstufen-Modell würde hier die richtigen Anreize setzen – für mehr Qualifikation und Bindung an die Branche. Als eine ‚Gastro-Karriereleiter‘ sozusagen“, erklärt Manja Wiesner.

Hintergrund

Der Landesbetrieb IT NRW veröffentlicht Statistiken zur Entwicklung der Beschäftigtenzahlen im Gastgewerbe in NRW. Demnach arbeiteten im August 2021 acht Prozent weniger Beschäftigte in der Beherbergung als im August 2020. In der Gastronomie verloren vor allem Caterer und und Getränkeausschenker Personal. Mehr dazu unter:

https://t1p.de/fvm9

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