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Wolfgang Paas liebt die alten Maschinen

Viele besondere Oldtimer nennt Wolfgang Paas sein Eigen. Für den Fototermin hat er sie extra im Garten versammelt.
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Viele besondere Oldtimer nennt Wolfgang Paas sein Eigen. Für den Fototermin hat er sie extra im Garten versammelt.
  • VonNadja Lehmann
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In Kämersheide sammelt und restauriert der 69-Jährige Oldtimer-Zweitakter.

Burscheid. Sie füllen fast das gesamte Gartengrundstück: Knapp 20 Maschinen stehen da. In Rot, in Blau, in Schwarz. Restauriert glänzend oder stolz mit einer Patina behaftet, die von langen Fahrten und Touren erzählt, vom Sound der Motoren auf der Landstraße. Wolfgang Paas hat seine Schätze allesamt am Morgen aus der Garage geholt und gemeinsam mit Ehefrau Beate liebevoll im Sonnenlicht aufgestellt. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass Wolfgang Paas in Kämersheide ein eigenes kleines Motorrad-Museum sein Eigen nennt.
„Ich war gerade noch bei einer Veteranenrallye in der Nähe von Euskirchen“, erzählt er. Zum Austausch, zum Fachsimpeln. Aber natürlich auch, um zu gucken, was es sonst noch so gibt an alten Zweitaktern. Dafür hatte Paas seine DKW RT 250 S gesattelt. „Es ist die einzige, mit der ich auf die Autobahn gehe. Sie ist absolut zuverlässig“, gerät er ins Schwärmen und zeigt auf die vier Ringe, die heute noch jedem Autofahrer wohlbekannt sind. „Sie bestehen aus den vier Marken Auto-Union, DKW, Horch und Wanderer“, erklärt er. So habe die Auto Union zunächst Motorräder gebaut. „Autos kamen erst später dazu. Und nach dem Krieg hat man neu in Ingolstadt angefangen.“

„Ich habe das im Blut.“

Wolfgang Paas

Auf rund 115 Stundenkilometer bringt es seine DKW RT 250 S und hat 15 PS. Er liebe die Ausfahrten, bekennt Paas. „Aber am meisten Freude macht mir das Restaurieren.“ Dafür darf die Schreiberin dieser Zeilen sogar ins Lager hineinsehen. Zu beiden Seiten stehen hohe Regale, die bis auf den letzten Zentimeter gefüllt sind. Es spiegelt wider, was ihm am Herzen liegt: die Liebe zum Detail, die akribische Suche nach dem richtigen Ersatzteil. Er deutet hoch ins Regal: „Da liegen zwei Horex Resident.“ Zerlegt in ihre Einzelteile. Deutlich erkennbar ist der massige Motorblock. Direkt daneben befindet sich eine NSU Maxi. „Die war so billig, die musste ich kaufen.“

Als nächstes wolle er die NSU Lux restaurieren, sagt Paas. Baujahr 1953. Mit einem falschen Lenker und ohne Schutzbleche kam sie bei ihm an: „Ich zerlege sie komplett, dann wird der Motor überholt, es wird abgeschleift und lackiert“, skizziert Paas die nächsten Schritte. „Die nötigen Teile habe ich alle im Regal.“ Wenn er partout eine Maschine fertigkriegen wolle, schaffe er das in rund drei Monaten, verrät er. Die Ersatzteile kriegt er bei Veteranentreffen und natürlich im Internet.

Beigebracht hat sich der 69-Jährige alles selbst. „Ich habe das im Blut“, sagt er. Denn die Liebe zum Motorrad ist alten Datums. Schon als 13-Jähriger saß er auf seinem Miele-3-Gang-Moped. „Da bin ich auf den Waldwegen entlanggedüst. Zum Leidwesen der Jagdhüter“, erinnert er sich lächelnd. Auch sein Vater sei gern Motorrad gefahren - bis zu seinem schweren Unfall in einer Kurve in Dabringhausen auf seiner belgischen Maschine 500erFN. „Jemand hat ihm die Vorfahrt genommen. Im Krankenhaus wurde er wieder zusammengeflickt. Das Motorrad hat er verkauft, ist nie mehr gefahren.“ Auch dem Sohn habe er es verbieten wollen. „Aber da konnte er sich nicht durchsetzen. Mein Wille war stärker als die Vernunft.“

Schon damals hat Wolfgang Paas restauriert. „Ich habe viel Lehrgeld bezahlt“, blickt er zurück. So wie bei dem Roller, den er für 10 Mark kaufte. „Ein Ventil war abgerissen. Ich habe ihn nie ans Laufen gekriegt.“

Zu jeder Maschine kann Paas etwas berichten. Zur roten Zündapp 175 S. „Sieht flott aus“, findet er selbst. Und ist unverwüstlich: „Was soll da kaputt gehen? Ein Zweitakter besteht ja nur aus zwei beweglichen Teilen.“ Etwas Besonderes ist sie zudem: mit Baujahr 1960 eines der letzten Motorräder des Nürnberger Herstellers.

Auch traurige Hintergründe gibt es. Wie zu seiner ältesten NSU 501 T, Baujahr 1928. „Sie stammt hier aus dem Dorf“, sagt er. Der Besitzer sei mit ihr zu den Fischteichen gefahren, um die Tiere zu füttern. Bis er eines Tages nicht mehr zurückkehrte und nur seine treue Maschine noch an den Teichen stand. Der Besitzer war dort ertrunken.

Für seine NSU Max 300 fuhr Wolfgang Paas mit dem Anhänger sogar bis nach Wien: Die 300er-Serie wurde nur für Österreich produziert - aus steuerlichen Gründen. Im Schneegestöber sei es dann zurück nach Burscheid gegangen, erinnert sich Paas.

Und selbst auf der Hochzeitsreise mit seiner ersten Frau ging es ohne Motorrad nicht. Die Isle of Man und das dortige, berühmt-berüchtigte gefährliche Rennen war das Ziel. Die Horex Imperator aber ließ unterwegs Öl: Vor lauter Aufregung hatte Paas vergessen, eine Schraube anzuziehen.

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