Herkunft

Woher kommt eigentlich der Nikolaus?

Der Nikolaus ist heute für viele ein beliebtes Fotomotiv.
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Der Nikolaus ist heute für viele ein beliebtes Fotomotiv.

Unsere Autorin blickt auf die Herkunft der vor allem bei Kindern beliebten Gestalt.

Von Ursula Hellmann

Burscheid. Mindestens neun Städte im Bundesgebiet haben einen Ortsteil, dessen Bewohner in ihrer Adresse Sankt Nikolaus angeben. Weltweit haben acht Ansiedlungen ebenfalls den Heiligen aus Myra in ihre Postanschriften integriert.

Am weitesten entfernt glänzt der Name Sao Nicolau auf dem Stadtplan der Insel Kap Verde, dem sonnigen Inselstaat im Atlantik vor der Westküste des afrikanischen Kontinents. Andere, ebenfalls geschichtsträchtige Männer trugen auch diesen vokalreichen Vornamen; aber der griechisch-byzantinische Bischof ragt aus dieser Gruppe hervor.

Wer war Nikolaus? Das wollte auch die sechsjährige Fatima gerne wissen. „Kommt der dann, wenn die grünen Tannenbäume überall stehen?“ Von ihrer großmütterlichen Freundin erfuhr sie dann etwas von dem freundlichen reichen Mann. Die Kleine fand ihn sehr nett, weil er all sein Geld an ganz arme Leute verschenkt hatte. Dass er schon furchtbar lange tot war, erschreckte sie nur eine Sekunde lang.

Zwei Erwachsene im Raum wussten schon mehr über den Bischof. Sie erfuhren in ihrer Schulzeit von ihm. Andrea Preußner war als Kind am Niederrhein zu Hause, Dietmar Weber im Bergischen. Aber beide hatten keine Angst vor dem weißbärtigen Alten und seinem drohenden Gehilfen Ruprecht. Was sich am Nikolausmorgen in ihren bereitgestellten Schuhen fand, war auf jeden Fall immer willkommen.

Wer war der Geheimnisvolle mit dem spitzen Hut nun wirklich? Wann wurde er geboren? Unterschiedliche Jahreszahlen gehen von 270 bis 286 nach Christus aus, sein Todesjahr könnte 326 gewesen sein, aber auch 365 ist im Bereich des Möglichen. Lediglich sein historisch belegter Sterbetag ist auf den 6. Dezember festgelegt.

Auch über sein Leben gibt es einige gesicherte Eckpunkte. Sein Geburtsort Patara (heute Kalkan in Antalya) blickt auf eine über 3000-jährige Geschichte mit hoher Kultur zurück. Nikolaus wurde bereits mit 19 Jahren von seinem Onkel, dem damaligen Bischof Nikolaus von Myra, zum Priester geweiht. Im Kloster von Sion diente er als Abt. Seine Eltern starben an der Pest – der junge Nikolaus wandte sich barmherzig den ärmsten Kindern der Stadt zu und verteilte sogar das große Vermögen an sie, das ihm als Erbe zustand.

Im Lauf der Zeit kamen viele Legenden um seine Person hinzu

Diese menschenzugewandte Haltung prägte wohl auch sein ganzes Leben. Zu seinen verbrieften guten Taten kamen im Lauf der Zeit eine Reihe Legenden um seine Person hinzu. Seinen Todestag begehen unzählige Mitglieder christlicher Kirchen auf dem großen europäischen Kontinent wie einen offiziellen Feiertag.

Aber auch bibelferne Menschen halten sich gerne an die überragende Gestalt dieses Bischofs. Sie erhoffen zum Beispiel seine Hilfe und Rettung aus Seenot und Hungersnot. Die bekannteste Legende schildert ihn als mutigen Retter der Stadt Byzanz. Er soll die komplette Mannschaft eines Handelsschiffes durch seine dringenden Bitten überzeugt haben, die gesamte Schiffsladung Getreide, statt sie an den Kaiser auszuliefern, den verhungernden Bewohnern zu überlassen.

Die glücklichen Empfänger des Korns erzählten nur zu gerne ihre Version vom weiteren Hergang der Sache. Alle Säcke seien im gleichen Augenblick wieder völlig mit Ware gefüllt gewesen!

Heißt der gütige Bischof auch gleichzeitig Weihnachtsmann? Eine fiktive Szene könnte klären, ob Nikolaus und Weihnachtsmann identisch sind: Nikolaus begegnet dem Weihnachtsmann in der bewussten Nacht vom 5. auf den 6. Dezember. Beide tragen rote Mäntel, haben lange weiße Bärte und lenken eine Kutsche voller Geschenke. Sie fahren ohne Gruß aneinander vorbei. Dem einen weht eine kostbare Stola über dem Mantel, in seiner Hand glänzt ein vornehmer Hirtenstab, auf seinem Kopf erhebt sich eine silberne Spitzkrone mit seitlichen goldenen Bändern – die Mitra als Zeichen der Bischofswürde. An Nikolaus‘ legendäres Brautgeschenk an drei arme Jungfrauen erinnern an seinem Outfit statt der Goldstücke in den Stiefeln der Mädchen drei goldfarbene Äpfelchen.

Traditionsgemäß gilt der viel ältere Nikolaus neben seiner freundlichen Geschenke-Verteilung aber auch als Kontrolleur vom Wohlverhalten oder Ungehorsam der Empfänger. Als Erziehungsschreck kamen sie den Erwachsenen vormals oft ganz gut zupass. Dem Rotmantel aus dem Gegenverkehr fehlen dagegen sämtliche Insignien einer amtlichen Bischofsgestalt. Er bekam seine Existenz erst im 20. Jahrhundert durch die clevere Idee einer weltbekannten Firma und beschränkt seine Aufgabe auf ein Erscheinen am Weihnachtsabend ohne jede Verpflichtung von Kontrollen jeder Art.

Auch die Hilfstruppen beider Wintergestalten unterscheiden sich deutlich. Als Begleiter des wahren Bischofs und Vollzugsbeamter ist Ruprecht und seine gruselige Gestalt für die eventuelle Züchtigung der unwürdigen Geschenke-Erwarter zuständig. Der Pseudo-Bischof als Weihnachtsmann begnügt sich mit Märchenwesen als Begleiter und hat seinen vermuteten Wohnsitz im hohen Norden des Erdballs.

Den meisten Kindern aller Generationen waren und sind die Einzelheiten der beiden Herren ziemlich unwichtig. Hauptsache in ihren – hoffentlich – geputzten Schuhen befindet sich die erwünschte zweite Auflage ihrer bereits genossenen Martinstag-Ernte.

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