„Wir sind für künftige Krisen gut aufgestellt“

Magdalene Holthausen (links) leitet die Mädchen- und die Allgemeine Frauenberatungsstelle. Hier stellt sie mit Christine Warning von „Frauen-Zimmer“ Flyerr zur anonymen Spurensicherung vor.Archivfoto: Doro Siewert
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Magdalene Holthausen (links) leitet die Mädchen- und die Allgemeine Frauenberatungsstelle. Hier stellt sie mit Christine Warning von „Frauen-Zimmer“ Flyerr zur anonymen Spurensicherung vor.Archivfoto: Doro Siewert

Frauen- und Mädchenberatungsstelle des Kreises blickt aufs nicht leichte 2020 zurück

Von Nadja Lehmann

„Guter Dinge und mit vielen Ideen sind wir in das Jahr 2020 gestartet“: So leitet Magdalene Holthausen, Leiterin der Mädchenberatungsstelle und der Allgemeinen Frauenberatungsstelle für den Rheinisch-Bergischen Kreis, ihren Jahresrückblick ein. Im Februar stellte sie in Kooperation mit der Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt für den RBK einen Flyer zur Anonymen Spurensicherung (ASS) vor – und dann am Covid-19. „Ab März ist dann, wie überall, unsere komplette Planung wie ein Kartenhaus zusammengefallen“, sagt Holthausen. Zwei Sorgen trieben die Beratungsstelle um: Erreicht man weiterhin die Frauen? Würde man als systemrelevant eingestuft werden, um weiterhin Angebote machen zu können?

Austausch mit Kollegen gab Sicherheit

„Mitte des Jahres wurden wir als systemrelevant eingestuft. Unser Aufatmen war wahrscheinlich überall zu hören“, blickt Holthausen zurück. Die Arbeit ging weiter. 461 Frauen nahmen das Beratungsangebot in Anspruch, davon 32 Fachkräfte und 25 Vertrauenspersonen. Gewalt war mit 48 Prozent der häufigste Beratungsanlass, darin enthaltenzu 84 Prozent häusliche Gewalt. An sieben Abenden, davon drei in Burscheid, informierten sich Frauen über rechtliche Aspekte bei einer Trennung oder Scheidung. Es fand eine Schulung zu „Häusliche Gewalt gegen Frauen“ für Hebammen statt. In Kooperation mit den Gleichstellungsbeauftragten von Stadt/Kreis, dem Jugendamt, der Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt für den Kreis Rhein-Berg, dem Arbeitskreis Essstörung und der Bono Direkthilfe e.V. führten die Beratungsstelle verschiedene Aktionen durch: Plakataktionen zur Erreichbarkeit während der Pandemie, einen Filmabend zum Thema Essstörung sowie einen Aktionstag „Keine Gewalt gegen Frauen und Mädchen“ im November.

„Im Vergleich zum Vorjahr sind die Beratungsanfragen 2020 um 12 Prozent gestiegen, was wir auf einen Anstieg von Problemen im häuslichen Bereich während der Pandemie zurückführen“, erklärt Holthausen.

Dass eine gute Vernetzung hilfreich und wichtig ist, sei allen zwar bewusst gewesen, sagt die Leiterin. „Wie wichtig sie ist, hat uns die Pandemie gezeigt: Der Austausch mit den Kollegen hat uns inspiriert, unterstützt, bestätigt und Sicherheit gegeben.“

Zehn Jahre Mädchenberatungsstelle: Das konnte nur virtuell gefeiert werden, bedauert Holthausen. Dafür gab es mit Judith Wiedenhöft eine neue Mitarbeiterin und erstmals öffentliche Mittel – zunächst befristet bis Februar 2022. „Für unseren Eigenanteil von 20 Prozent benötigen wir weiterhin Spenden“, betont die Leiterin. 42 Mädchen, 78 Vertrauenspersonen und Multiplikatoren hatten 2020 Kontakt zur Mädchenberatungssstelle – mit 157 psychosoziale Beratungen. Videoberatung stieß auf Skepsis, wie Holthausen berichtet: „Es wurde nicht angenommen. Den meisten Mädchen war es wichtig, in die Beratungsstelle zu kommen, was dank unserer Vorkehrungen zur Einhaltung der Hygieneregeln auch während des Lockdowns möglich war.“ Dass die Präventionsangebote an den Schulen pandemiebedingt auf der Strecke blieben, bedauert Magdalene Holthausen ausdrücklich: „Mädchen, die Unterstützung brauchen, lernen uns in der Präventionseinheit kennen. Unsicherheit, Ängste und Scham werden abgebaut, den Mädchen fällt es leichter, unsere Beratung in Anspruch zu nehmen.“

Holthausens Fazit: „Wir haben 2020 sehr gut gemeistert und sind für zukünftige Krisen gut aufgestellt. Wir schauen positiv ins frisch angebrochene Jahr und sind gespannt, wie wir unsere Planung für 2021, in dem sich zum 40. Mal der Internationale Tag "Keine Gewalt gegen Frauen" jährt, umsetzen können.

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