Islam

„Wir freuen uns über Begegnungen“

Murad Karakus (l.) und Murad Türksoy vor der Gebetsnische im Gemeindehaus der Ditib.
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Murad Karakus (l.) und Murad Türksoy vor der Gebetsnische im Gemeindehaus der Ditib.
  • Susanne Koch
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Die Ditib hat ihr Gemeindehaus 2003 in Massiefen gekauft und ausgebaut.

Von Susanne Koch

Burscheid. Der Gebetsruf von Imam Hassan Hüsseyn Güneyli ist beendet. Er wurde über Lautsprecher im ganzen Haus übertragen. Kurze Zeit später kommen Kinder, junge und alte Männer die Treppe herab. Die meisten verabschieden sich und verlassen das Gemeindehaus. Murad Karakus bleibt stehen, bietet uns Tee an und führt uns in den Raum der Frauen. Sie sind heute nicht da. Sie müssen nicht – wie ihre Männer – regelmäßig am Freitagsgebet teilnehmen.

Die Ditib-Gemeinde in Burscheid hat ihr Gebäude am Massiefen 2003 gekauft und umgebaut. Die Wände, die Gebetsnische und beispielsweise auch die Predigtkanzel sind gekachelt. Die Böden, auch der des Gebetsraums der Frauen, sind mit Teppichen ausgelegt. „Sie werden es nicht glauben, aber ich habe tatsächlich 1986 hier mal gearbeitet“, sagt Murad Türksoy schmunzelnd. „Hier unten waren die Sozialräume unserer Firma. Und in der oberen Etage waren unsere Umkleidekabinen.“

Die Kinder kommen freiwillig zum Lernen zu uns.

Murad Karakus, Vorstand

Heute ist die obere Etage umgebaut. Rechts geht es in den Vorraum, in dem alle, die den Gebetsraum betreten, ihre Schuhe ausziehen. Links, das zeigt Murad Karakus sehr gerne, sind die Klassenzimmer untergebracht. „Die Kinder kommen ab dem Schulalter freiwillig am Wochenende zu uns“, sagt Murad Karakus, der für den Vorstand der Gemeinde für die Kinder und Familien zuständig ist. „Sie werden in drei Gruppen aufgeteilt und lernen, was es bedeutet ein guter und aufrechter Muslim zu sein.“

Angefangen hat die Ditib-Gemeinde 1983 in einem Hinterhofzimmer. „Im Anfang waren wir zehn Mitglieder“, sagt Murad Karakus. „Heute sind wir 300 aktive und bestimmt noch mal 200 bis 300 passive Mitglieder.“ Da immer nur ein Familienmitglied eingetragen ist, sind das schätzungsweise 700 bis 800 Menschen, die das Gemeindehaus unterschiedlich nutzen.“

Im kommenden Jahr beginnt der Fastenmonat Ramadan am 22. März. „Das ist immer eine sehr schöne und intensive Zeit für uns“, sagt Talugan Göksan. „Zum Fastenbrechen abends – wenn die Sonne untergeht – spendiert immer eine Familie der Gemeinde das Essen. Und beim sich anschließenden Bayram-Fest, zu Deutsch Zuckerfest, beten morgens noch alle zusammen und dann verabschieden sich unsere Gemeindemitglieder in ihre Familien.“ Auch das Opferfest sei sehr wichtig im Islam.

Die Gebetsnische ist gen Mekka ausgerichtet. „Jede Freitagspredigt hat ein anderes Thema“, sagt Talugan Göksan. „Heute war das Thema: Rechte des Einzelnen und der Öffentlichkeit“, sagt Murad Türksoy. Inzwischen seien die Imame zweisprachig aufgewachsen. „Unser Imam wurde in Deutschland geboren, hat in der Türkei studiert und ist hinterher wieder fertig ausgebildet nach Deutschland zurückgekehrt.“ Das habe der Deutsche Ditib-Verband eingesehen und führe dies seit Jahren durch. „Bei uns in Burscheid hat das noch einen besonderen Hintergrund“, sagt Talugan Göksan. „Wir haben muslimische Mitglieder, die aus vielen Bereichen der Welt kommen, aus Marokko, aus dem Libanon, aus Albanien, Syrien, wir haben sogar konvertierte deutsche Mitglieder. Und so brauchen wir eine alles verbindende Sprache.“

Die Ditib-Gemeinden lernen immer noch voneinander

Um sich auszutauschen finden auch überregionale Treffen zwischen den Ditib-Gemeinden statt. „So können wir immer noch voneinander lernen“, sagt Murad Karakus. Die meisten türkischen Mitglieder sind schon in der zweiten, meist aber dritten Generation in Deutschland. „Ich fühle mich als Deutsch-Türke“, sagt Talugan Göksan. „Ich lebe beide Kulturen und besonders in der Türkei merke ich, wie Deutsch ich geworden bin.“ Sie fühlen sich hier Zuhause. „Hier ist unsere Heimat“, betont Murad Türksoy. „Die Türkei aber ist mein Vaterland.“ Er lade alle ein, die Interesse haben, den Kontakt zu suchen. „Wir freuen uns über Begegnungen.“ Eine Möglichkeit besteht am 19. November. Da veranstaltet die Ditib-Gemeinde ein internationales Frühstück.

Kontakte

Die Ditib-Gemeinde (Türkisch Islamischer Kulturverein) lädt alle Interessierten am 19. November von 10 bis 12 Uhr zum Internationalen Frühstück in ihr Gemeindehaus Massiefen 1 ein.

Die Gemeinde nimmt regelmäßig am Tag der Offenen Moschee teil. Und die Ditib-Gemeinde hat sich auch am Interkulturellen Fest „Burscheid International“ teilgenommen.

Kontakt: E-Mail, ditibburscheid@hotmal.de, Tel: (0 21 74) 6 36 46

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