Wenn die Stimmung zur Hölle aus Misstrauen mutiert

Volksbühne Bergisch Neukirchen interpretierte im Megafon Agatha Christies „Mausefalle“

Bestes britisches Ambiente: Das Ensemble der Volksbühne Bergisch Neukirchen gibt eine ausgezeichnete schauspielerische Visitenkarte ab.
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Bestes britisches Ambiente: Das Ensemble der Volksbühne Bergisch Neukirchen gibt eine ausgezeichnete schauspielerische Visitenkarte ab.

Das Kriminalstück von Agatha Christie faszinierte die Besucher im voll besetzten Saal.

Von Ursula Hellmann

Am vergangenen Samstag um 19.30 Uhr war die Mausefalle zugeschnappt, und der perfide Mörder war gefangen! Das Kriminalstück von Agatha Christie faszinierte die Besucher im voll besetzten Saal des Kinder- und Jugendzentrums Megafon von der ersten Minute an durch seine verwickelte Szenerie. Bis Ende Mai wird die Bühne noch insgesamt vier Mal in den Salon der Pension Monkswell Manor verwandelt.

Das junge Ehepaar Molli und Giles Ralstone hat den Mut, im geerbten Haus seiner Tante eine Fremdenpension zu eröffnen. Trotz Schnee und Kälte treffen die angesagten Gäste ein. Zwei Damen und drei Herren – jeder von ihnen ein schillernder Charakter. Aufgedrehte Lustigkeit prägt den dreisten Christopher. Frau Boyle verbreitet Missklänge durch ihre Kritiksucht und überzogenen Ansprüche. In ihrer Begleitung ist Major Metcalf, distinguiert und Pfeifenraucher. Zu dem Trio findet sich Miss Casewell ein – burschikos und scheinbar ohne Verstellung. Gäste und Hausleiter kommen zwangsläufig miteinander auf kleinstem Niveau zurecht – da schneit ein weiterer Besucher herein. Hatte der smarte Herr Paravicini wirklich einen Autounfall und ist nur zufällig in Monkswell Manor gelandet?

Zwölfjährige sorgt für musikalische Zwischenstücke

Mit der überraschenden Ankunft des Sergeant Trotter eskalierte die zähneknirschend erreichte Stimmung zu einer Hölle aus Misstrauen, Vorwürfen und Zweifel an jeder bisherigen Aussage. Warum ist der Beinahe-Polizist im Haus? Er schildert die große Gefahr für alle Anwesenden, dass ein irrer Mörder in der Gegend sei und eventuell in Monkswell Manor das nächste Opfer finden könnte.

Der erste Akt findet sein dramatisches Ende tatsächlich durch den Mord an Mrs. Boyle. Welche Verbindung die Pension zu dem vor neun Jahren geschehenen Mord in London hat, bekommt erst im zweiten Akt des Schauspiels klarere Konturen. Damals wurden drei Halbwaisen ihrer Mutter weggenommen und einer Betreuerin zugestanden. Diese verursachte aus Gleichgültigkeit den Tod eines der Kinder und wurde aus später Rache heraus erwürgt. Zwei weitere Frauen, die an dem Schicksal der Kinder schuldig waren, stehen ebenfalls auf der Liste des Mörders mit der Adresse Monkswell Manor.

Wie sich die Szenerie allmählich in ein Geständnisgewirr aller Beteiligten entwickelt und die Person des Täters sich verrät, ist eine reife Leistung des Schauspielteams. Das Ensemble der Volksbühne Bergisch-Neukirchen hatte seit Januar die Premiere als erste Aufführung nach der Coronapause vorbereitet. Für die Inszenierung zeichnen Dana Fischer und Karl-Heinz Leweke verantwortlich. Ein Jubiläum feiert Henri Färber als Sergeant Trotter: In dieser Rolle ist es sein 200. Bühnenauftritt.

Übrigens: Für die musikalischen Zwischenstücke und Untermalungen konnte Dana Fischer die zwölfjährige Marharydh Kalashnik gewinnen. Die junge Schülerin aus der ukrainischen Stadt Charkiw würde gerne hier in Deutschland ihr Musikstudium weiterführen und sucht Mentoren und finanzielle Unterstützer.

Termine, Eintritt, Kosten

Die nächsten Aufführungstermine im Burscheider Megafon sind am Samstag und Sonntag, 21. und 22. Mai sowie am Samstag und Sonntag, 28. und 29. Mai. Beginn ist jeweils um 17 Uhr.

Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 9 Euro.

Verkaufsstellen: Kleiner Hilgener Dorfladen; Monheimer Kulturwerke, Ticket-Zentrale SKY-Musik, Langenfeld; Theaterkasse Neumarkt, Köln; Lotto am Markt, Leverkusen-Opladen. Auch online können Interessierte Karten bestellen: www.bergisch-live.de; www.kulturverein-burscheid.de

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