Wenn die bunten Bänder flattern

In Hilgen wurde nicht nur der Maibaum aufgestellt, sondern die Aktiven von „Hilgen lebt“ schmückten noch weitere Bäume. Foto: Hilgen lebt
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In Hilgen wurde nicht nur der Maibaum aufgestellt, sondern die Aktiven von „Hilgen lebt“ schmückten noch weitere Bäume.

Gedanken über den Wonnemonat Mai und die Riten des Frühlings

Von Ursula Hellmann

Winter ade – Frühling herbei! So hieß es zur Begrüßung des sogenannten Wonnemonats Mai auch in diesem Corona-gefärbten Jahr. Der fröhliche Tanz zu flotter Musik in den Discos oder auf den Tanzböden der Ausflugslokale fiel leider auch diesmal aus.

Wer sich von den netten Ideen seitens der Medien anstecken ließ, konnte eventuell nur sein ausgeräumtes Wohnzimmer als Tanzfläche nutzen. Was seit Jahrzehnten bei jungen wie älteren Tanz-Fans beliebt war, hat erstaunlicherweise einen historischen Hintergrund, der kaum bekannt sein dürfte. Wer erkennt schon noch in den Rhythmen und Klängen den rituellen Ablauf der Walpurgisnacht?

Laut einem Wörterbuch des 18. Jahrhunderts wurde der 1. Mai bei den alten europäischen Völkern als der natürliche Neujahrstag gefeiert. Jahreswechsel waren seit Urzeiten üblicherweise mit heidnischen, martialischen Gebräuchen verbunden, bis hin zu Kontakten mit Dämonen.

Auf dem höchsten Berg Norddeutschlands tanzen Hexen

In Deutschland galt besonders der Brocken im Harz als Treffpunkt besessener Frauen mit den höllischen Mächten. Dokumentiert sind solche Ereignisse noch im Jahr 1668. Zu den bäuerlichen Maibräuchen zählten zum Beispiel nächtliches Peitschenknallen und ausgelegte Maibaumzweige als Geistervertreiber. Rituelle Tänze auf den Feldern sollten helfen, die Fruchtbarkeit der Menschen auf die Äcker zu übertragen. Gehören diese Rituale einer dunklen Vergangenheit an? Außer in harmlosen nächtlichen Streichen Jugendlicher mit Mülltonnen oder Fußmatten hat sich eine Sitte bis heute erhalten. Die hübsch mit Bändern geschmückten Birkenstämmchen an manchen Häusern verraten immer noch, wo ein begehrtes Mädchen wohnt. Sollte statt einer zarten Birke ein Buchenzweig zu sehen sein, würde diese Beleidigung deutlich zeigen: „Meine Liebe war ein Irrtum!“

Mit dem Vordringen der christlichen Botschaft wurden die germanischen Gebräuche zunehmend vermischt mit dem Namen einer Person, die in Wahrheit ein sehr konträres Leben zum Heidentum führte. Ein Grund für diese Verflechtung spielte ebenfalls der 1. Mai. An diesem Tag im Jahr 870 wurde Walburga, die Tochter des angelsächsischen Königs Richard und seiner Frau Wunna, in die Liste der Heiligen aufgenommen. Als erste Frau aus gehobener Gesellschaft war sie - gemeinsam mit ihren Brüdern - in vielen Ländern als Evangelistin und kluge Klostergründerin unterwegs gewesen. Geboren im Jahr 710 nach Christus wurde sie als Heilerin und außergewöhnlich ernsthafte Beterin bekannt.

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