Weißer Ring stellt sich an die Seite der Opfer

Der Verein Weißer Ring hilft Opfern nach Straftaten. Foto: Jens Büttner/dpa
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Der Verein Weißer Ring hilft Opfern nach Straftaten.

Im Rheinisch-Bergischen Kreis leitet Renate Pfeiffer die Vereinsarbeit – Neue Ehrenamtliche werden dringen gesucht

Von Theresa Demski

Neulich bekam Renate Pfeiffer einen Anruf: Einem Obdachlosen war sein Fahrrad gestohlen worden – sein letztes Hab und Gut. Die Außenstellenleiterin des Weißen Rings im Rheinisch-Bergischen Kreis fackelte nicht lange, sprach mit der Polizei und kaufte dann im Namen der Initiative ein gebrauchtes Fahrrad und überreichte es dem sprachlosen Mann. „So kann Opferhilfe auch aussehen“, sagt Renate Pfeiffer. Seit 22 Jahren engagiert sie sich für den Weißen Ring – aus Überzeugung und mit hohem Krafteinsatz.

Ihr Einsatzfeld, das sie gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen im Blick hat, reicht vom Handtaschenraub bis zum Mord. „Wir stellen uns an die Seite des Opfers“, erklärt Renate Pfeiffer die Philosophie, „wir bauen ein Netz um die Menschen.“ Das können ganz praktische Hilfen sein wie bei dem Obdachlosen. Vor allem bieten die Ehrenamtlichen aber ihre Begleitung und Unterstützung an.

Die meisten Opfer seien nach der Tat erstmal überfordert und wüssten nicht, wie es weitergeht. „Dann sind wir da und helfen“, sagt Renate Pfeiffer. Auf einen Anruf beim Weißen Ring Rhein-Berg folgt meist schon kurz darauf ein persönlicher Besuch der Ehrenamtlichen – in Corona-Zeiten mit aller Vorsicht. Dann zeigt der Weiße Ring auf, welche Schritte möglich sind: vom Anruf und Besuch beim Anwalt über Anträge beim Landschaftsverband zur Kostenübernahme bei nötigen Therapien, Gesprächen bei der Polizei oder bei der Begleitung zu Gerichtsverfahren.

Für Opfer gebe es viele rechtliche Möglichkeiten. „Es ist nur wichtig, diese auch zu kennen“, sagt Renate Pfeiffer. Meistens haben die Menschen, die sich beim Weißen Ring melden, schon Anzeige erstattet. „Bei der Polizei haben sie dann unsere Kontaktdaten bekommen“, erklärt Renate Pfeiffer. Die Zusammenarbeit mit der Polizei sei sehr gut – erst recht, seitdem es dort den Opferschutz gebe. Während viele Anrufe von Betroffenen dann direkt bei der 76-Jährigen landen, wenden sich andere Opfer erstmal an die bundesweite Nummer des Weißen Rings – an das Opfer-Telefon.

„Die meisten Anrufer melden sich wegen Sexualdelikten, dicht gefolgt von häuslicher Gewalt und Stalking.“

Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des Weißen Rings

Von dort kommt in diesen Tagen ein Hilferuf: Die Zahlen seien seit der Corona-Krise so stark angestiegen, dass dringend neue ehrenamtliche Helfer gebraucht würden, die sich für den Einsatz am Opfer-Telefon ausbilden lassen – vor allem im Rhein-Main- und Rhein-Ruhr-Gebiet.

Bundesweit sind aktuell 75 Berater im Einsatz – sie haben im vergangenen Monat insgesamt 1822 Gespräche geführt – fast 300 Gespräche mehr als im Vergleichsmonat vor der Corona-Pandemie. „Die meisten Anrufer melden sich wegen Sexualdelikten, dicht gefolgt von häuslicher Gewalt und Stalking“, informiert Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des Weißen Rings. Währenddessen nimmt Renate Pfeiffer in Bergisch Gladbach kaum eine Steigerung der Zahlen während der Pandemie wahr. „Das hat aber vor allem damit zu tun, dass wir hier eine andere Struktur haben“, sagt die Ehrenamtliche. Es gilt die Abmachung: Um häusliche Gewalt gegen Frauen kümmern sich die Frauenhäuser. Die steigenden Fallzahlen während der Corona-Pandemie in diesem Bereich erreichen den Weißen Ring in Bergisch Gladbach also kaum.

Allerdings seien die Zahlen der anderen Straftaten in Pandemie-Zeiten nicht zurückgegangen, sagt Renate Pfeiffer. „Wir haben heute ähnliche Zahlen wie vor dem Corona-Ausbruch“, stellt sie fest. In den vergangenen Wochen und Monaten sei das Einsatzgebiet Wermelskirchen dabei stark vertreten gewesen – vor allem im Bereich Körperverletzung. Opfer meldeten sich bei Renate Pfeiffer, um zu erfahren, wie sie nun am besten zu ihrem Recht kommen. Und Renate Pfeiffer und ihr Team zögerten nicht – und machten sich auf den Weg in den Kreisnorden. Vier Ehrenamtliche sind neben der Vorsitzenden im Einsatz. Sie haben zwei Pflichtseminare besucht und erfahrene Opferhelfer bei ihren Einsätzen begleitet. „Mir tun diese Menschen leid, die Opfer eines Verbrechens werden“, sagt Renate Pfeiffer, „deswegen engagiere ich mich für den Weißen Ring. Ich möchte die Situation für die Opfer verbessern.“

Telefonhotline

Ehrenamt: Der Weiße Ring sucht nach Ehrenamtlichen für das bundesweite Opfer-Telefon, die sich wöchentlich drei Stunden Zeit nehmen können. Gearbeitet wird von Zuhause aus. Ein eigener Computer mit Internetanschluss sollte vorhanden sein. Alle Mitarbeiter werden in einer Schulung ausgebildet und auf ihre Aufgaben vorbereitet.

Bewerbung: Interessierte finden ausführliche Informationen und Bewerbungsmöglichkeiten im Internet.

www.weisser-ring.de

Kontakt: Das Telefon ist für Betroffene täglich von 7 bis 22 Uhr unter der deutschlandweiten Nummer Tel. 11 60 06 erreichbar. Der Weiße Ring im Rheinisch-Bergischen Kreis ist unter Telefon Tel. (0 22 02) 9 26 39 67 erreichbar.

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