Feiertage

„Weihnachten erzählt von der Hoffnung“

Pfarrerin Annerose Frickenschmidt nennt Kreuz und Krippe als große tröstende Symbole. Sie gestaltet die Gottesdienste in Hilgen.
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Pfarrerin Annerose Frickenschmidt nennt Kreuz und Krippe als große tröstende Symbole. Sie gestaltet die Gottesdienste in Hilgen.
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Wie spendet man Trost in unruhiger Zeit: Wir haben Katrin Friedel und Annerose Frickenschmidt gefragt.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Bis zum letzten Moment feilen Annerose Frickenschmidt und Katrin Friedel an ihren Predigten. „Ich möchte aktuell sein. Manchmal begegnet einem ja noch etwas“, sagt Annerose Frickenschmidt, die in der Evangelischen Kirche in Dünweg an Heiligabend die Gottesdienste um 14.45 und 16 Uhr (beide mit Krippenspiel) und um 18 Uhr (mit musikalischen Beiträgen) gestaltet.

Die richtigen, die aufbauenden und passenden Worte in einer jetzt besonders verunsicherten Welt angesichts von Pandemie und Krieg zu finden, haben sich die beiden Pfarrerinnen der evangelischen Kirchengemeinde nicht leicht gemacht.

„Es stimmt, die Dunkelheit ist in diesem Jahr besonders bedrängend“, sagt Katrin Friedel. „Aber gerade Weihnachten ist ja das Fest, das von der Hoffnung erzählt.“ Daraus schöpft sie Kraft, ebenso wie die Menschen, die ihrem Eindruck nach verstärkt in die Kirche strömen.

Weihnachten sei das Fest der Hoffnung, sagt Pfarrerin Katrin Friedel. Daraus schöpft sie Kraft. Sie gestaltet die Gottesdienste in Burscheid.

„Es gibt ja auch Texte, die von der Sehnsucht sprechen, von dem Wunsch nach Licht und Helligkeit. Und Gott ist schließlich das Licht. Aber auch jemand, der um die Dunkelheit weiß“, sagt Friedel. Gleichwohl habe er sich auf die Welt eingelassen – in der Form eines wehrlosen Kindes. Damit habe er signalisiert „Ich komme an eure Seite“, sagt Friedel: „Das ist für mich so berührend.“ Es sind Trost und Zuversicht, die sie in der Vorweihnachtszeit in den Exerzitien zu vermitteln gesucht hat, verbunden mit Stille und Achtsamkeit. Eine „kleine Form“ nennt Friedel diese Exerzitien. Die Gottesdienste zu Heiligabend, die „große Form“, gestaltet sie in der Kirche an der Hauptstraße um 16 Uhr (mit Krippenspiel) und um 23 Uhr. „Die Welt ist eine echte Schöpfung, mit allem, was dazugehört. Es ist keine Hokuspokuswelt. Wir brauchen Gott, weil es Leid gibt“, sagt Katrin Friedel.

Keine Hokuspokuswelt: Ähnlich sieht das auch Annerose Frickenschmidt. „Der Krieg ist furchtbar, man sieht kein Ende. Gleichzeitig überschattet er den Klimawandel, der die ganze Welt bedroht, und immer steht Wirtschaftliches im Vordergrund, auch da, wo es nicht sein müsste“, sagt Frickenschmidt. „Wir leben in einer im Wortsinne wüsten Welt, in einer unwirtlichen Zeit. Da gibt es nichts schönzureden.“ Aber gerade in solcher Untröstlichkeit gebe es Menschen, die dann ihre schönsten Worte fänden: Annerose Frickenschmidt nennt den Theologen Dietrich Bonhoeffer, Widerständler gegen das NS-Regine und 1945 nach zweijähriger Gefangenschaft hingerichtet, der aus dem Gefängnis heraus die stärksten Texte schrieb. „Und Jesus hat auch in Krisenzeiten gelebt. Das war nicht lustig mit den Römern.“

Um Trost spenden zu können, sei Ehrlichkeit wichtig, sagt Frickenschmidt: „Ich kenne Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit, ich schwebe nicht darüber.“ Das gelte es zu zeigen: „Es ist wichtig, Dinge auszusprechen.“

Trösten kann man nur mit dem, was einen selbst tröstet

Trost könne man nur mit dem spenden, was einen selbst tröste: Für Annerose Frickenschmidt sind es Texte und Gespräch ebenso wie die beiden großen Symbole Krippe und Kreuz: „An der Krippe stehen die Hirten, und wir erzählen immer, es sei in der Nacht. Weil wir wollen, dass das Licht besonders scheint, wo die Dunkelheit ist.“ Und der Glanz Gottes sei schwerer wahrnehmbar, wenn es grell sei: „Obwohl Gott nicht am Licht spart.“

So würden in der Bibel Menschen die Engel nicht sehen, sondern nur hören können, weil es zu hell sei: „Mir ist aber wieder neu bewusst geworden, dass zunächst ein Engel zu den Menschen trat, aus ihrer Mitte heraus. Erst dann kommen die himmlischen Heerscharen“, sagt Frickenschmidt.

Und das sei vielleicht die schönste und tröstlichste Botschaft: Jeder könne dem anderen ein solcher Bote, ein solcher Engel sein.

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