Ein weibliches Duo unterstützt den Bürgermeister

Auf sie kann sich Stefan Caplan künftig verlassen: Stella Ignatz (BfB, links) und Heidi Neumann (Grüne) wurden in der konstituierenden Ratssitzung zu stellvertretenden Bürgermeisterinnen gewählt. Fotos: Doro Siewert
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Auf sie kann sich Stefan Caplan künftig verlassen: Stella Ignatz (BfB, links) und Heidi Neumann (Grüne) wurden in der konstituierenden Ratssitzung zu stellvertretenden Bürgermeisterinnen gewählt.
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Politiker trafen sich zur konstituierenden Ratssitzung in der Turnhalle Auf dem Schulberg.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Auch in ungewohnter Kulisse, nämlich der Dreifach-Turnhalle Auf dem Schulberg, schnurrte die Burscheider Politik wie ein gut geölter Motor: Zügig und (fast) immer einstimmig legten die Kommunalpolitiker am Dienstagabend fest, wer stellvertretender Bürgermeister und welche Fachausschüsse es in der 17. Wahlperiode geben wird und wer ihre Mitglieder sein werden. Und nicht zuletzt trat ganz offiziell der alte und neue Bürgermeister Stefan Caplan sein Amt an und nahm aus den Händen des Altersvorsitzenden Jürgen Müller die dazugehörige Kette entgegen (wir berichteten).

Silke Riemscheid war 31 Jahre lang Ratsmitglied. Bürgermeister Stefan Caplan dankte mit Blumen und Präsent.

Die Pandemie hatte den Tagungsort diktiert: In der weitläufigen Turnhalle standen Tische und Stühle in gebührendem Abstand; die Maske auch am Platz war Pflicht. Jürgen Müller als „Elder Statesman“ eröffnete die Sitzung und gab mit ein paar persönlichen Worten den Tonfall vor: Er rufe zu fairem und sachlichem Miteinander und Mitarbeit auf, so der Altersvorsitzende, den die Burscheider vor allem als ehemaligen Stadtbrandmeister kennen. „Als ich vor 19 Jahren bei meinem Abschied gefragt wurde, ob ich nicht in die Politik gehe, habe ich sofort abgewinkt. Damit wollte ich nichts zu tun haben!“, erinnerte sich der UWG-Politiker in seiner Begrüßung. „Und bei der Vorstellung, dass ich heute hier als Alterspräsident vor Ihnen stehe, hätte ich laut gelacht.“

„Es ist doch etwas Besonderes, auch wenn man es schon erlebt hat.“
Stefan Caplan, Bürgermeister

Doch am Dienstagabend war genau das eingetreten. Müller führte dann auch Stefan Caplan in sein Amt ein und überreichte ihm die Bürgermeisterkette. „Sie haben vieles richtig gemacht“, wandte sich Müller an Caplan und nannte die Konsolidierung der Finanzen des einst mehr als angeschlagenen Burscheid und die Umsetzung des Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzepts als Beispiele. „Das alles haben Sie sich gemeinsam mit dem Rat erarbeitet“, rückte Müller die Arbeit des Kommunalparlaments mit in den Vordergrund.

Caplan wiederum bekannte sich zu Aufgeregtheit und Nervosität, als er in die Runde blickte und seine Position am Mikro erst finden musste. „Es ist doch etwas Besonderes, auch wenn man es schon erlebt hat“, sagte der alte und neue Bürgermeister. „Und hier in der Halle ist es doch etwas seltsam.“ Um dort die Sitzung unter Corona-Vorgaben stattfinden zu lassen, sei ein „irrer Aufwand“ nötig gewesen: „Das können wir nicht jedes Mal leisten.“ Und er nahm schon vorweg, was gegen Ende die Politiker auch so beschlossen: Dass in pandemischen Zeiten der Hauptausschuss quasi als Ratsersatz fungiert und die für Ende November terminierte Ratssitzung auf den 15. Dezember verschoben wird.

Eine gute Mischung aus erfahrenen Leuten und Neulingen nannte Caplan in seiner Rede den neuen Stadtrat: „Hier sitzen Menschen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen und Fähigkeiten. Das ist wichtig, damit Politik funktioniert – auch jetzt, in der vielleicht größten Krise.“ Man wolle Vorbild für die Stadtgesellschaft sein. Caplan warb für Dialog, Konsens, Respekt voreinander. „Das war immer unsere Stärke. Deshalb habe ich mich sehr gerne und voller Lust der Wiederwahl gestellt.“ Er wolle ein Bürgermeister für alle sein. „Wir müssen nah an allen Akteuren sein. Das ist der Schlüssel zu einem funktionierenden Gemeinwesen.“

Künftig werden Caplan dabei Stella Ignatz (Bündnis für Burscheid) und Heidi Neumann (Grüne) als 1. und 2. stellvertretende Bürgermeisterin in meist repräsentativen Aufgaben unterstützen: Bei 40 abgegebenen Stimmen entfielen 38 auf diesen Wahlvorschlag, zwei Stimmen waren ungültig. Es galt aber auch, Abschied von ehemaligen Ratsmitgliedern zu nehmen. Einige von ihnen hatten auf der Tribüne als Gäste Platz genommen, um Dank und Präsent persönlich entgegenzunehmen. Wie Silke Riemscheid (CDU), in der 16. Wahlperiode stellvertretende Bürgermeisterin und 31 Jahre lang im Rat. Auf unglaubliche 45 Jahre Zugehörigkeit bringt es Gerd Pieper (UWG), den Caplan respektvoll ein „Urgestein“ nannte. Nicht mehr dem Rat gehören auch Jan Harenkamp (CDU), Manfred Idel (CDU), Martin Schultz (CDU), Manfred Liesendahl (BfB) Giovanna Lombardo (BfB), Konrad Wolfram (Linke), Bodo Jakob (SPD), Heike Engels (SPD) und Erika Gewehr (CDU) an. Die drei Letzteren wechseln in den Kreistag. „Am besten wäre es, der ganze Kreistag bestünde aus Burscheidern“, fand Caplan.

Hintergrund

Die Burscheider haben am 13. September gewählt: Die CDU bleibt mit Abstand stärkste Kraft und hat im neuen Stadtrat 14 Sitze. Auf Platz 2 folgt das Bündnis für Burscheid (BfB), auf Platz 3 die SPD. Zu den großen Wahlsiegern gehörten die Grünen, die sich von vier auf sieben Sitze steigerten. Der neue Burscheider Stadtrat wird vermutlich erst am 15. Dezember – wenn die Corona-Entwicklung es zulässt – zu seiner ersten regulären Sitzung zusammentreten.

Kommentar

nadja.lehmann@rga-online.de

Von Nadja Lehmann

Burscheids Politiker agieren gern geräuschlos. Viel wird bereits im Hintergrund geklärt. Das ist per se nichts Schlechtes, und es führt zu einer sehr stringenten und effizienten Ratsarbeit. Das zeigte sich auch am Dienstagabend, als die Politiker ein Programm, das in anderen Städten gern mal ein paar Stunden in Anspruch nimmt, im ambitionierten Tempo bewältigten. 

Bürgermeister Stefan Caplan bat um respektvollen Umgang, aber auch um Diskussion und Debatte. Darin sollten ihn die Ratsmitglieder beim Wort nehmen. Nicht, um sinnlos zu streiten. Sondern weil der Austausch und der Diskurs zur Demokratie gehören. Weil sie den Weg bis hin zu einer Entscheidung transparent machen, weil sie das Ringen um eine Sache zeigen. Und weil die Ratsmitglieder, neue und alte, etwas einzubringen haben. Ihre Ansichten, ihre Erfahrungen. In diesem Diskurs können sie das Wesentliche erreichen: das Beste für Burscheid.

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