Erinnerung

Was bleibt von Stefan Caplan?

Starb vor einem Jahr völlig unerwartet: Stefan Caplan.
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Starb vor einem Jahr völlig unerwartet: Stefan Caplan.
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Weggefährten erinnern sich an den im Oktober 2021 verstorbenen Bürgermeister, der am Sonntag 58 Jahre alt geworden wäre.

Von Nadja Lehmann

Ende Oktober des vergangenen Jahres stand die Stadt unter Schock: Völlig unerwartet war nach kurzer schwerer Krankheit Bürgermeister Stefan Caplan gestorben. Die Burscheiderinnen und Burscheider kannten und schätzten ihn als engagierten Verwaltungschef, als einen, der zu Festen und Veranstaltungen kam, der alle und alles kannte. Am 30. Oktober hätte Caplan seinen 58. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Grund wollen wir an ihn erinnern und haben Weggefährten gefragt: „Was bleibt von Stefan Caplan?“

Hans-Dieter Kahrl, Altbürgermeister: Immer noch fällt es mir schwer, daran zu glauben, dass wir Stefan Caplan verloren haben. Stefan Caplan – ein sehr engagierter, erfolgreicher Bürgermeister zum Wohle Burscheids. Er war stets bei den Menschen und hatte immer ein offenes Ohr für deren Sorgen. Die Burscheiderinnen und Burscheider wussten, dass sie sich auf ihn verlassen konnten. Immer, wenn ich in Burscheid bin, erinnere ich mich an gemeinsame Momente mit Stefan. So auch Ende September bei einer Trauung auf Gut Landscheid. Vor Jahren haben wir den Eigentümer von Gut Landscheid davon überzeugt, das Wagnis der Sanierung des ehemaligen Rittersitzes einzugehen. Und ebenso an gemeinsame Gespräche im Stadtentwicklungsministerium, als wir – erfolgreich – die Weichen für die Landesförderung des Megafons stellen konnten. Ende April 2020 wurde mir die Freude und Ehre zuteil, an der standesamtlichen Trauung von Stefan und seiner Shideh mitzuwirken. Schon sehr krank, was man ihm noch nicht anmerkte, bat er mich, Abstand von anderen zu halten, damit ich mich nicht mit Corona infizierte. Im Tagesgeschäft oft kantig, trat hier die menschliche Wärme von Stefan zutage, die mir unvergessen bleiben wird.


Dirk Runge, Bürgermeister: Ich habe Stefan Caplan von der ersten Minute seiner Tätigkeit in Burscheid kennengelernt. Und selbstverständlich ist mir mein alter Chef im Laufe des letzten Jahres hin und wieder „begegnet“. Das passiert natürlich in einigen dienstlichen Sachverhalten, aber auch bei Geburtstagsbesuchen oder auf Festen wie beispielsweise den Schützenfesten. Zu Recht sind die Erinnerungen an Stefan Caplan noch sehr präsent und unsere Bürgerinnen und Bürger vermissen ihn. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Stefan Caplan zu Beginn seiner Tätigkeit sehr gerne mal den Verwaltungsvorstand mit markigen Worten und überraschenden Ideen verblüffte. Er wollte offensichtlich ein wenig an den Strukturen rütteln und aufwecken. Das ist ihm dann auch schon mal gelungen. Ohnehin liebte er es, unkonventionelle Wege einzuschlagen und alles dafür zu tun, diese auch rechtmäßig umzusetzen. Ich werde auch in Zukunft noch sehr, sehr oft an meinen ehemaligen Chef denken.

Mark Baack, Beigeordneter: In meiner ersten Zeit im Burscheider Rathaus als persönlicher Referent von Stefan Caplan habe ich besonders eng mit ihm zusammengearbeitet. Besonders gut in Erinnerung sind mir sein Pragmatismus, sein Tatendrang und seine Durchsetzungskraft geblieben, mit der er sich den Herausforderungen stellte. Manchmal musste ich ihn bremsen, um die verschiedenen Lösungsansätze zu aktuellen Problemen oder Ideen zu Verbesserungen, die förmlich gleichzeitig aus ihm heraussprudelten, sortieren zu können. Für mich beeindruckend war, dass er in jeder Situation immer offene und direkte Worte fand und seine Meinung zu allen Themen unmissverständlich und vor allem ungeschminkt vertrat, auch wenn diese unpopulär war. Gleichzeitig konnte er aber auch mit Kritik umgehen. Das ist es, weshalb ich mich gerne an unser kollegiales und freundschaftliches Verhältnis erinnere und was ich für mein eigenes Berufsleben gerne mitnehmen möchte.

Edelgard Reininghaus, Bürgermeistervorzimmer: Über 15 Jahre habe ich mit und für Herrn Caplan als seine Sekretärin gearbeitet. Sowohl seine Wahl zum Bürgermeister 2009 als auch seine beiden Wiederwahlen habe ich intensiv miterlebt. In seinem „Tun“ war Herr Caplan schnell und direkt. Langes Drumherumgerede lag ihm nicht. Da fällt mir dann auch ganz spontan sein „Was gibt’s?“ ein. Egal wann und wo – wenn er auf Stand gebracht werden wollte, kam nur „Was gibt’s?“ und keine Silbe mehr. Ich behalte ihn in Erinnerung als einen sehr fleißigen Menschen, der für das, was er tat, „brannte“ und in seinen Beruf viel Zeit, Leidenschaft und Kraft investierte und dem das Wohl „seiner“ Stadt immer sehr am Herzen lag. Aber auch als sehr fürsorglichen und herzlichen Menschen habe ich Herrn Caplan erlebt – vor allem wenn es um seine Familie ging. Für die fand er immer Zeit – auch wenn sein Kalender noch so eng getaktet war. Das machte ihn trotz seiner „Ecken und Kanten“ sehr menschlich.

Renate Bergfelder-Weiss, Sprecherin der Verwaltung: Als Burscheider Bürgerin denke ich bei meinen Wochenendeinkäufen in der Innenstadt öfter an unseren „alten“ Bürgermeister Stefan Caplan. Gerade in den warmen Monaten ist es schön zu sehen, wie die Burscheider die Außengastronomie und die neu gestalteten Sitzgelegenheiten an der Sparkasse nutzen und ins Gespräch kommen. Herr Caplan hat sich immer sehr für eine lebendige Innenstadt eingesetzt. Das war ihm sehr wichtig. Und dann denke ich immer, das hätte Herrn Caplan sehr gefallen. Und mir gefällt es auch.

Dr. Hartmut Schepanski, CDU-Fraktionsvorsitzender: Stefan Caplan hat sehr viel Gutes für unsere Stadt getan. Er hatte ein Gespür dafür, was unsere Stadt für eine positive Entwicklung brauchte und zugleich auch überlegt, wie das finanziert werden kann. Umsichtiges Handeln mit öffentlichen Geldern war sein oberster Leitgedanke. Noch immer ist er bei unserer politischen Arbeit gedanklich dabei. Bei vielen Entscheidungen fragen wir uns: Ist das in seinem Sinne? Hätte er auch so entschieden?

Joachim Wirths, FDP-Fraktionsvorsitzender: Er war ein ungeheuer pflichtbewusster und fleißiger Mensch, der sich stets bemüht hat, bei allen grundlegenden Entscheidungen, alle mit ins Boot zu holen. Konkret bleibt mir in Erinnerung, wie er extra mit uns zwei FDP-Mitgliedern ein eigenes Gespräch führte, um zusammen mit dem Stadtplaner Zweifel am Innenstadtkonzept zu zerstreuen. Dabei war er in allen Details voll im Bilde. In Gesprächen mit Bürgern waren diese stets voller Anerkennung und Lob für seine Arbeit.

„Wenn ich an Stefan Caplan denke, sehe ich ihn direkt vor mir.“

Annerose Frickenschmidt

Michael Baggeler, BfB-Fraktionsvorsitzender: Der Name Stefan Caplan wird zweifellos mit der Konsolidierung des städtischen Haushaltes in Erinnerung bleiben. Stefan Caplan hat die Chancen, die das Land durch den Stärkungspakt Stadtfinanzen geboten hatte, genutzt. Und er hatte es verstanden, Begehrlichkeiten der Politik aufgrund üppiger Steuereinnahmen in Zeiten wirtschaftlicher Prosperität im Keim zu ersticken. Keine Frage, er hat in zwölf Jahren Kommunalpolitik in Burscheid seinen Stempel aufgedrückt.

Klaus Becker, SPD-Fraktionsvorsitzender: Ich erinnere mich gerne an den Menschen Stefan Caplan, mit dem ich über manchen Kalauer gelacht habe. An einen versierten Fachmann, mit dem man viele Dinge diskutieren, aber auch wunderbar streiten konnte. Alles in allem erinnere ich mich an einen gewieften Schlaufuchs und feinen Menschen.

Bodo Jakob, Stadtsportverbandsvorsitzender: Stefan Caplan war in seiner Zeit als Bürgermeister in Burscheid nahezu omnipräsent. Er verstand es, trotz Nothaushalt in einer Stärkungspaktkommune immer wieder Fördertöpfe aufzuschließen und Fördergeber davon zu überzeugen, dass es wichtig ist, in Burscheid und auch in den Burscheider Sport zu investieren. Diese Investitionen verfolgte er immer mit dem Ziel, damit möglichst keine Folgekosten auszulösen.

Annerose Frickenschmidt, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde: Wenn ich an Stefan Caplan denke, sehe ich ihn direkt vor mir. Dann steht er in einer kleinen Gruppe, immer im Gespräch, selten ohne eine Zigarette in der Hand. Ein unvergessenes und typisches Erlebnis mit ihm: Ich brauchte dringend Hilfe für eine Familie in einer Notsituation. Ich hatte auch genaue Vorstellungen, auf welche Weise der Bürgermeister mir helfen könnte. Mir war von Menschen, die in ähnlichen Fällen ihre Erfahrungen in anderen Städten gesammelt hatten, erklärt worden, dass mein Vorhaben völlig chancenlos war. Ich wollte es aber doch versuchen. Ich rief Stefan Caplan auf dem Handy an. Er saß - deutlich vernehmbar rauchend - im Auto, wollte aber trotzdem hören, um was es ging. Ich schilderte sehr konkret, wie ich mir die Lösung des Problems und seine Hilfe als Bürgermeister vorstellte. Einen kurzen Moment lang war es still. Dann sagte er: „Das machen wir!“ Stefan Caplan war ein unglaublich engagierter und verlässlicher Pragmatiker. Das habe ich sehr an ihm geschätzt. Ich war stolz, dass ich später erzählen konnte, dass in meiner Stadt auch ganz unwahrscheinliche Dinge möglich gemacht werden.

Jelle von Dryander, Kulturvereinsvorsitzende: 22. Juni im ersten Sommer der Covid 19- Pandemie: Ich bin allein am Badehaus, um letzte Vorbereitungen zu treffen für die „Night of Light 2020“- der Corona-Aufschrei der Veranstaltungswirtschaft. Kulturorte in Deutschland sollen die ganze Nacht Rot erleuchtet sein- #Alarmstufe Rot. Auch unsere Techniker haben sich Tage vorher in die Kuppel des Kulturbadehauses geschwungen, um dort für rotes Licht zu sorgen. Der Countdown läuft- Punkt 22 Uhr heißt es bundesweit „switch-on! Ein weißer Golf fährt direkt vor – ich schaue, schaue noch mal. Aus dem Pkw steigt Stefan Caplan und nimmt Kurs aufs Badehaus… Überrascht über den hohen Besuch bitte ich ihn, in unserer „Wanne“ im Badehausgarten Platz zu nehmen. Eigentlich dürfen wir pandemiebedingt nicht – aber jetzt muss Sekt sein! Gläser und Getränk von drinnen zu holen, gibt mir Zeit, mich etwas zu fassen; allein mit dem „Chef“: Warum ist sonst keiner hier vom Vorstand? Wieder draußen freut Caplan sich über den Sekt. Eine ganze Stunde plaudern wir dann entspannt über den Anlass der roten Beleuchtung, über die Gesamtsituation in der Krise, über die Situation in unserem Verein, über Burscheid, ehrlich und offen, bis die Vorstandskollegen und Freunde sich auch dazu gesellen. Caplan bleibt. Das illuminierte Badehaus erscheint mit zunehmender Dunkelheit immer eindrucksvoller so in Rot getaucht – ein wirklich netter Abend trotz des trüben Anlasses. Diese Stunde allein mit dem „Chef“, den ich bis zum traurigen Abschied im letzten Jahr immer noch siezen durfte, wurde zum Geschenk, das ich nicht vergessen werde.

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