Wasser marsch

Wallacebrunnen darf endlich wieder sprudeln

Alles in Ordnung? Richard Nickisch (links) und Franz Pfeil riskieren einen Blick in den Sockel. Sie sorgten für reibungsloses Plätschern.
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Alles in Ordnung? Richard Nickisch (links) und Franz Pfeil riskieren einen Blick in den Sockel. Sie sorgten für reibungsloses Plätschern.

Nach Umbaumaßnahme und Pandemie bat der Obst- und Gartenbauverein unter dem Motto „Wasser marsch“ an die Hauptstraße.

Von Nadja Lehmann

In Burscheid schlägt es 12 Uhr. Richard Nickisch wirft einen letzten prüfenden Blick in den Sockel des Wallacebrunnens. Dann nickt er und dreht die Pumpe auf. Sekunden später beginnt es auf dem Vorplatz der Kreissparkasse Köln an der Hauptstraße sanft zu plätschern. Über das Gesicht einer Passantin geht ein Lächeln. „Wasser marsch. Ist das schön“, sagt sie. Seit gestern Mittag ist der Wallacebrunnen aus seinem Winterschlaf erwacht und in Betrieb gegangen. Ein Ereignis, das nicht einfach so verstreicht, sondern gewürdigt gehört. Deshalb hat der Obst- und Gartenbauverein an Ort und Stelle Tische und Bänke aufgestellt, das Motto „Wasser marsch“ ausgegeben und zum Brunnenfest eingeladen.

Das können nun auch die beiden Technik-Experten des Vereins genießen: Neben Ricard Nickisch ist das Franz Pfeil. Der Brunnensockel ist wieder verschlossen, der Schlüssel sicher verwahrt. „Alles hat geklappt“, sagen die beiden. Herzstück im Brunnen ist die Pumpe, die ihn mit Grund- und Regenwasser versorgt. „Das ist aber im geringen Liter-Bereich“, winkt Richard Nickisch ab. Die Pumpe sei in der Lage, weitaus mehr zu schaffen. Auch die Überlaufsicherung funktioniert: „Das Wasser muss ja auch wieder abfließen können“, sagt Nickisch.

Gutes Wetter, eine schmackhafte Erbsensuppe und ein Wallacebrunnen in Aktion: Das freute den Obst- und Gartenbauverein und seine Gäste.

Eigentlich geschieht das alles in wiederkehrendem Rhythmus. Im Winter wird der Brunnen abgestellt. „Spätestens im Dezember“, wirft Hanni Emmers, im Obst- und Gartenbauverein für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, ein. „Auf jeden Fall, bevor der Frost kommt.“ Und im Frühling darf wieder geplätschert werden. Doch in den vergangenen Jahren war alles anders. Und das war gestern Mittag auch immer wieder zu hören: „Vier Jahre gab es das nicht.“ Eine Pause, die nicht nur Corona geschuldet war, sondern auch den umfangreichen Bauarbeiten auf der oberen Hauptstraße im Rahmen der großen Innenstadtumgestaltung, wie sie das Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept vorgibt. „Der Brunnen war dick eingepackt“, erinnert sich Hanni Emmers. Eine Holzverschalung schützte ihn während der Bauarbeiten. Gleichzeitig mit der offiziellen Eröffnung der oberen Hauptstraße im Jahr 2020 durfte auch der Wallacebrunnen wieder aus seiner Verpackung hervorlugen und -klettern.

Seine Wurzeln hat der Brunnen in Frankreich, besonders in Paris

Des Schutzes wert ist er allemal. Denn in Deutschland ist er das einzige Exemplar seiner Art. Seine Wurzeln hat er in Frankreich. „Dort gab es diese Brunnen in großer Zahl“, sagt Franz Pfeil. Die Wallacebrunnen sind bzw. waren öffentliche Trinkwasserspender in Form kleiner gusseiserner Skulpturen, die weltweit an verschiedenen Orten aufgestellt sind. Sie sind nach dem Briten Richard Wallace benannt, der ihre Errichtung finanzierte. Die meisten befinden sich in Paris, wo sie als erstes errichtet wurden. Dort entdeckte sie der in Burscheid lebende Fabrikant Albert Richard Bertrams. 1903 importierte er einen solchen Brunnen nach Burscheid und ließ ihn in der Nähe seiner Villa an der Ecke Höhe-/Altenberger Straße aufstellen. Ein Standort, an den sich der 86-jährige Helmut Hempel noch gut erinnert. Bis 1965 war das so. Dann beschädigte ihn ein Lkw. „Wir haben ihn abgerissen“, erzählt Hempel. Eine Burscheiderin rettete die Überreste: Anita Peters stellte sie in ihren Garten und vererbte sie 2003 dem Obst- und Gartenbauverein. „Die Ersatzteile kamen eigens aus Frankreich“, erzählt Hanni Emmers. 2003 fand der Wallacebrunnen seinen jetzigen Platz: Im nächsten Jahr wird er dort sein 20-jähriges Jubiläum feiern – und der Obst- und Gartenbauverein sein 120-jähriges Bestehen. In Buchform gibt es den Wallacebrunnen übrigens auch: Autorin Gabriele Löbe rückte ihn in ihrer Veröffentlichung „Ein Brunnen kommt selten allein“ ins rechte Licht. Ehrensache also, dass auch Bürgermeister Dirk Runge vorbeischaute.

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